Geilenkirchen: FDP-Parteichef Markus Melchers wirft das Handtuch

Geilenkirchen: FDP-Parteichef Markus Melchers wirft das Handtuch

Nach der vergeigten Kommunalwahl und der Kritik an seiner Person ging der Geilenkirchener FDP-Parteichef Markus Melchers Ende Mai in die Offensive: Er stehe für einen Neuanfang zur Verfügung und sei bereit, mit seinem Vorstand die Wahlniederlage aufzuarbeiten und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen:

„Ich will mich gerne dieser Herausforderung stellen, und wenn man mich für diese Aufgabe möchte, dann gibt es auch 100 Prozent Markus Melchers, nicht mehr und nicht weniger.“ Knapp zwei Monate später wirft der 32-Jährige nach gut vier Jahren im Amt des Vorsitzenden das Handtuch und erklärt gegenüber dem Vorstand seinen Rücktritt als Parteivorsitzender. Von 100 Prozent auf Null? „Wenn man sich nicht mit 100 Prozent einbringen kann, dann lässt man es besser sein“, sagt er und begründet seine Entscheidung: „Ich habe am vergangenen Wochenende geheiratet und möchte mehr Zeit mit der Familie und der Familienplanung verbringen.“ Außerdem nehme ihn seine Arbeit als Bauingenieur im elterlichen Betrieb sehr in Anspruch. Politische Gründe für den Rücktritt habe er nicht. „Bei der Kommunalwahl hatte ich das beste Ergebnis der Liberalen in Geilenkirchen und sehe deshalb keinen politischen Grund für einen Rücktritt.“

Derzeit führt der stellvertretende Vorsitzende Nils Kasper, der seit den Kommunalwahlen für die Liberalen mutterseelenalleine im Stadtrat sitzt, kommissarisch den Vorstand an. „Markus Melchers hat mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus der Wahlniederlage und internen Querelen gezogen“, erklärt Kasper die Entscheidung seines Parteifreundes. Und: „Ich begrüße, dass er zurückgetreten ist, habe ihm aber auch für seine Arbeit gedankt. Er hat sich durch sein Organisationstalent hervorgetan.“

Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 22. August soll ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Kasper selbst steht für dieses Amt nicht zur Verfügung. „Das wäre kein echter Neuanfang. Ich war schließlich der Spitzenkandidat bei den Kommunalwahlen. Markus Melchers und ich sind als Team angetreten. Wir haben die Niederlage gemeinsam erlitten.“ Nach dem Rücktritt von Markus Melchers hat sich der restliche Vorstand einstimmig für Björn Speuser ausgesprochen. Er soll den Geilenkirchener Ortsverband anführen. Das letzte Wort haben allerdings die Mitglieder am 22. August.

Dieser Versammlung blickt auch die ehemalige FDP-Fraktionsvorsitzende Toska Frohn erwartungsvoll entgegen. „Ich bedauere den Rücktritt von Markus Melchers nicht. Er war längst überfällig. Sein Verhalten war eines Parteivorsitzenden nicht würdig“, erklärt sie und kündigt an: „Ich werde bei der Versammlung Fragen stellen. Da ist einiges schief gelaufen, da wurden Fehler gemacht, die muss man jetzt aufarbeiten. Wir hätten bei den Kommunalwahlen ein anderes Ergebnis erzielen können.“ Der Vorstand sei mit Halali in den Wahlkampf gezogen und habe alle Erfahrungen in den Wind geschrieben.

Toska Frohn kritisiert damals wie heute fantasielose Texte auf Flyern, bunte Bilder und fehlende Themen. „Im Wahlkampf wurde viel Geld rausgeworfen, und Manfred Solenski wurde diskriminiert“, sagt sie. Und mit Blick auf den 22. August: „Ich bin jetzt der Esel, der das Gras noch mal abfrisst.“ Aber eines steht für Toska Frohn fest: Den Parteivorsitz will sie selbst keinesfalls übernehmen. Dies trifft auch auf Manfred Solenski zu, der aus Verärgerung am Wahlsonntag den Ehrenvorsitz niedergelegt hat. „Sicherlich werde ich keine 100-prozentige Karteileiche sein. Schuldzuweisungen helfen uns allerdings nicht weiter“, will der 76-Jährige keinesfalls nachkarten. Er selbst wolle nicht eingreifen, sondern rechne mit einer guten Vorstandsmannschaft. „Und wenn mich jemand fragt, werde ich ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Mehr nicht.“

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