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Übach-Palenberg: Faszinierende Klänge aus Tschechien

Übach-Palenberg : Faszinierende Klänge aus Tschechien

Nicht nur beim Fußball sind die Tschechen seit Jahrzehnten eine international renommierte Größe - auch die Musikbegeisterung dieses Volkes ist geradezu sprichwörtlich und hat jahrhundertealte Tradition.

Beeindruckend ist die große Zahl bedeutender Instrumental- und Gesangssolisten, Dirigenten und Komponisten, die diesem kleinen Land entstammen, allen voran das berühmte Komponisten-„Dreige-stirn” Smetana, Dvorak und Jenacek, deren Werke zum Teil weltweite Verbreitung fanden.

Kein Wunder, dass diese Gegend auch heute noch immer wieder große Talente hervorbringt. Ein schönes Beispiel dafür ist auch die Prager Cello-Familie Koci, die bereits mehrfach in Übach-Palenberg zu Gast war und zuletzt wieder in der Marienberger „Hütte der Begegnung” eine eindrucksvolle Vorstellung ihres Könnens gab.

Für viele Übach-Palenberger Kammermusikfreunde sind sie schon alte Bekannte: Vladan Koci, Professor am Prager Konservatorium, seine Ehefrau Hana, ebenfalls Lehrerin für Cello an der Prager Musikschule, der 19 jährige Sohn Tomas, der mittlerweile in den USA studiert und mit vielen Orchestern gemeinsam aufgetraten ist und die inzwischen 12-jährige Tochter Lucie, die sich für das Violinspiel entschieden hat und bereits zahlreiche internationale Preise errungen hat.

Selbstverständlich hatte sich wieder ein zahlreiches Publikum eingefunden, darunter auch Bürgermeister Schmitz-Kröll. Eröffnet wurde das Konzert mit dem Streichquartett G-Dur von Mozart, der in Tschechien tradionell große Verehrung genießt - mehrere seiner berühmten Opern wurden nämlich in Prag von ihm uraufgeführt.

Das Quartett schrieb Mozart übrigens schon als Achtjähriger - dementsprechend kommt es auch mit kindlich-unbeschwerter Freude daher, lässt aber im Adagio bereits ernste und nachdenkliche Töne anklingen. Die hier dargebotene Fassung für Violine und drei Celli klingt zwangsläufig etwas dunkler und rauer als das Original, wurde aber trotzdem zu einer in jeder Hinsicht überzeugenden Wiedergabe.

Mit dem berühmten „Air” von J.S.Bach erklang daraufhin eines der bekanntesten Orchesterstücke des Leipziger Thomaskantors. Auch hier war es sicherlich ein interssantes Klangerlebnis, dieses Stück einmal als „Cello-Trio” zu hören.

Es folgte ein Stück für Cello-Solo des großen Cellisten Gaspar Cassado. Die Grenzen zwischen den beiden Teilen Praeludio und Fantasia waren dabei fließend, ebenso charakteristisch der tokkatenhafte Wechsel zwischen schnellen Läufen und Akkordblöcken.

Vladan Koci verstand es hier, dem Cello eine erstaunliche und faszinierende Klangvielfalt abzugewinnen. Im Duett mit Ehefrau Hana musizierte er danach auf prachtvolle Weise „Gavotte, Largo und Scherzo” von David Popper, der ähnlich wie Franz Kafka von deutsch-tschechisch-jüdischer Abkunft war.

Noch ein weiteres Solostück gab es vor der Pause: Die geradezu horrend schweren Paganini-Variationen von Hans Bottermund, die von Tomas Koci in brillant-souveräner Weise gemeistert wurden. Aufsehen erregten nicht nur die rasanten Läufe, sondern auch die Variation Nr.5, die dem Cello geradezu gitarrenhafte Klänge entlockt.

Nach der Pause erklangen die teils schwermütigen, teils burlesken „Zigeunerweisen” von Pablo de Sarasate. Hier verstand es Lucie Koci, die sich seit dem Auftritt vor zwei Jahren großartig weiterentwickelt hat, mit herrlichen Violinsolo-Einlagen zu begeistern.

In der „Sonata op.28” von Eugene-Auguste Ysaye bewies Vladan Koci noch einmal sein großes Können, bevor es mit dem „Grave” von Josef Benda in die frühklassische Zeit zurückging, als Böhmen das „Konservatorium Europas” war.

Den Schlusspunkt bildete die „Fantasie über kleinrussische Volkslieder” von Daniel Popper, die zunächst verhalten begann, dann aber zu leidenschaftlich-pathetischen Ausbrüchen führte und in einen furiosen Schlussteil mündete.