Amtsgericht Geilenkirchen : Falscher Wasserwerk-Mitarbeiter muss in Haft

Amtsgericht Geilenkirchen : Falscher Wasserwerk-Mitarbeiter muss in Haft

Mit einer blonden Lockenperücke und einem Basecap auf dem Kopf klingelte Stefan B. im Sommer vergangenen Jahres an den Haustüren seiner fünf Opfer in Heinsberg, Wassenberg und Wegberg. Er gab sich als  Mitarbeiter des Wasserwerks aus.

„In ihrer Nachbarschaft hat es einen Rohrbruch gegeben. Alle Wasserhähne müssen laufen“, erklärte der 37-Jährige und trat ein. Während er die Wasserhähne in den einzelnen Räumen öffnete, suchte er in Schränken, Kommoden und auf Nachttischen gezielt nach Wertgegenständen. Seine älteren Opfer waren durch die Hektik abgelenkt oder ebenfalls bemüht, schnell alle Wasserhähne zu öffnen. Im Tumult verließ B. mit der Beute die Wohnung. Insgesamt stahl er auf seinem zweitägigen Streifzug Schmuck sowie einen Waffentresor mit zwei Waffen im Wert von rund 4550 Euro.

„Niemand hat mich nach einem Ausweis gefragt, ansonsten wäre ich wieder gegangen“, so Stefan B. am Dienstag vor dem Amtsgericht Geilenkirchen. Die Wohnungen seiner Opfer habe er im Vorbeifahren ausgesucht. „Ich habe da ein Gefühl für“, erklärt der Vater eines Neunjährigen. „In den Fenstern hingen Gardinen mit viel Spitze, Rüschen oder Blumenmustern.“ Zum Zeitpunkt der Taten habe er gelegentlich Marihuana geraucht und sei arbeitslos gewesen. Das Diebesgut habe er direkt veräußert. Mit dem Geld habe er die Drogen und seinen Lebensunterhalt finanzieren wollen. Heute sei er clean und habe seit Anfang des Monats Arbeit im Sicherheitsunternehmen seines Bruders gefunden.

„Mir hat er eine goldene Uhr gestohlen, die hatte ich von den Schwiegerkindern zu Weihnachten bekommen“, so ein Opfer in der Verhandlung. Nach dem Vorfall sei sie sehr aufgeregt gewesen. „Was haben Sie sich nur dabei gedacht, eine alte Frau zu beklauen“, will sie von B. wissen.

„Es tut mir sehr leid, ich werde es wieder gut machen“, erwidert der Angeklagte, der bereits mehrfach wegen Betrugs, Diebstahls und Hehlerei vorbestraft ist. Es ist auch nicht das erste Mal, dass er sich als Wasserwerk-Mitarbeiter ausgibt. In der Vergangenheit war er aber immer mit einer Bewährungsstrafe davongekommen. „Es verschlägt einem die Sprache, dass Sie die gleiche Tat nun noch einmal begehen“, findet der Staatsanwalt.

Für ihn sei sie besonders perfide und den Zustand der teilweise über 90 Jahre alten Opfer ausnutzend. Da der Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter zwei laufenden Bewährungen stand, forderte er eine Haftstrafe. Nach längerer Beratung folgen die Schöffen und Richterin Corinna Waßmuth dieser Empfehlung. B. wird zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.