Fahrschüler müssen in Geilenkirchen auf Termine warten

Fahrlehrer schlagen Alarm : Fahrschüler müssen auf Termine warten

„Einen solchen Prüfungsstau habe ich bisher noch nicht erlebt“, sagt Brigitte Fiss. Zusammen mit ihrem Mann betreibt sie seit 1991 die Fahrschule Fiss mit Filialen in Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Hückelhoven. 15 Fahrschüler würden aktuell auf einen Prüfungstermin warten.

„Ende Mai wollte ich Fahrprüfungen für den Juni bestellen, doch der war komplett vom TÜV geblockt“, erzählt sie. Lediglich in der ersten Juniwoche habe sie noch Prüfungstermine bekommen. „Wir dachten zuerst, dass es sich um einen Fehler handelt, doch der TÜV will wohl den Berg von Prüfungen erst einmal abarbeiten“, vermutet Fiss. „Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sie schieben den Berg nur vor sich her.“

Seit Jahren gab es keine Woche ohne Prüfung in der Fahrschule Fiss. Im Schnitt würden wöchentlich fünf Fahrschüler ihre praktische Prüfung ablegen. Normalerweise muss die Fahrschule dafür zwei Wochen im Voraus  über ein Online-Portal den Prüftermin anmelden. „Stichtag dafür ist Montag, am Freitag bekommen wir dann eigentlich Bescheid, ob der Termin klappt“, erklärt Brigitte Fiss. Doch ihre Anfrage von Ende Mai für Anfang Juli blieb bisher ohne Antwort. „Der TÜV ist schon bemüht, und die Prüfer sind auch noch immer freundlich. Mehr als arbeiten können die aber auch nicht“, betont die Fahrlehrerin. In dieser Woche hätte sie nach einem persönlichen Gespräch spontan sieben Prüfungstermine bekommen: „Von heute auf morgen Prüfungen zu organisieren, ist aber nicht so einfach. Wir haben es trotzdem geschafft.“

Negative Konsequenzen oder Mehrkosten hätten sich für die Fahrschüler durch den Prüfungsstau beim TÜV bisher nicht ergeben. „Wir beginnen mit dem letzten Block in der Ausbildung erst, wenn wir einen Termin für die Prüfung haben“, erklärt Brigitte Fiss. Natürlich sei es für die Fahrschüler nicht schön, wenn sie eine längere Pause in ihrer Ausbildung hätten. „Aber Autofahren ist wie Radfahren – das verlernt man nicht einfach wieder“, nimmt sie Fahrschülern die Angst. Für die letzte Vorbereitung auf die Prüfung seien in der Regel auch noch einmal ein bis zwei Doppelstunden vorgesehen.

Brigitte Fiss betreibt zusammen mit ihrem Mann seit 1991 eine Fahrschule mit Filialen in Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Hückelhoven. Einen solchen Prüfungsstau wie aktuell hat sie bisher noch nicht erlebt. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Die Probleme mit dem TÜV hätten sich in den vergangenen Monaten bereits zugespitzt. „Früher hatten wir immer am Mittwoch Prüfung, doch dann waren es immer öfter auch andere Tage“, verrät die Fahrschul-Inhaberin. „Das bedeutet Stress für unsere Fahrlehrer.“ Auch seien Termine verschoben wurden: „Oft haben die Schüler kein Verständnis für die Situation. Sie wollen natürlich gerne pünktlich zum 18. Geburtstag ihren Führerschein haben.“

Die Fahrschule sitzt dabei zwischen den Stühlen. „Wir arbeiten gut und gerne mit dem TÜV zusammen, doch er hat eine Monopol-Stellung. Wir sind abhängig von ihm.“

Die sechs Fahrlehrer und zwei Ausbildungsfahrlehrer der Fahrschule erwarten vorerst keine Entspannung der Situation: „In den Sommerferien wollen erfahrungsgemäß noch mehr Jugendliche ihren Führerschein machen. Daher wird das Problem wohl eher noch größer werden“, so die Befürchtung.

Nach Recherchen unserer Zeitung haben auch weitere Fahrschulen in der Region unter dem Problem zu leiden. Sie bestätigen die Kritik, wollen aber nicht öffentlich genannt werden. Statt den üblichen zwei Wochen Wartezeit seien es aktuell eher fünf Wochen. „Bei einer so langen Vorlaufzeit muss man ganz schön in die Glaskugel schauen, um abzuschätzen, ob Fahrschüler dann so weit sind“, so ein Fahrlehrer. Zwar habe er auch in dieser Woche Prüfungen gehabt, aber nur weil sich Termine aus der zweiten Juniwoche nach hinten verschoben hätten. Die für Juli bestellten Prüfungen seien auch in seiner Fahrschule noch nicht bestätigt: „Wir haben kein Problem mit dem TÜV, und auch die Prüfer können nichts für die Situation, aber so geht es nicht weiter.“

„Die Kritik ist berechtigt. Die Wartezeiten sind aktuell etwas länger“, teilt TÜV-Pressesprecher Jörg Meyer zu Altenschildesche auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Statt der üblichen zwei Wochen müssten Fahrschulen und Prüflinge derzeit drei Wochen auf einen Termin für die praktische Prüfung warten: „Wir wollen das so schnell wie möglich wieder in den Normal-Rhythmus bekommen.“

Als Grund für den Terminstau führt der TÜV eine Veränderung in der Organisationsstruktur an. Zum Januar 2019 wurden  bei TÜV Rheinland verschiedene Regionen zusammengefasst. Die Disposition für den gesamten Raum Aachen und somit auch den Kreis Heinsberg liegt seitdem in Bonn. „Die Organisation hat sich verändert, die Ansprechpartner sind neu“, erklärt der Pressesprecher. Dies habe auch dazu geführt, dass der TÜV zum Teil nicht so gut zu erreichen war, wie gewünscht:  „Wir hatten Anlaufschwierigkeiten, und wir können den Unmut der Fahrschulen verstehen.“

Aber der TÜV arbeite daran und versuche derzeit mit flexiblen Terminen, den Stau abzuarbeiten. „Im Juli und August bieten wir auch Prüfungstermine am Samstag an. Wir hoffen, dass wir so wieder von den drei Wochen Wartezeit runterkommen. Bis dahin bitten wir um Verständnis“, steckt Meyer zu Altenschildesche den Zeitrahmen.

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