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Geilenkirchen: Explosive Überbleibsel: Geilenkirchener Experten helfen

Geilenkirchen : Explosive Überbleibsel: Geilenkirchener Experten helfen

Kambodscha ist ein Entwicklungsland. Kambodscha ist ein von vielen Kriegen ausgelaugtes Land. Und Kambodscha hat ein Munitionsproblem. Mit einem absoluten Experten auf diesem Gebiet, Stabshauptmann Kurt-Michael Litwin vom Zentrum für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr (ZVBw) in Geilenkirchen-Niederheid, als Referenten wurden all diese Probleme klar.

Litwin sprach auf Einladung des Geilenkirchener Stadtverbandes der Europa-Union im Bürgersaal des Hauses Basten. Leider waren, inklusive Referent, nur 17 Anwesende zu zählen, die erfuhren aber in dem detailgeladenen und abwechslungsreichen Vortrag, mit welchen Problemen sich die Menschen in Kambodscha herumschlagen müssen.

Dabei ging es Litwin noch nicht einmal um die gut sechs Millionen Anti-Personenminen, die das Land immer noch verseuchen. Auch die von den Amerikanern während des Vietnam-Krieges dort abgeladenen unzähligen Bombentonnen streifte er nur in seinem Vortrag. Vielmehr ging es ihm um das Problem der 23 ungesicherten Munitionsdepots im ganzen Land.

Kambodscha, etwa halb so groß wie Deutschland und rund 14 Millionen Einwohner zählend, hat diese Depots im gesamten Land. Sie bestehen meist nur aus Holz- oder Blechverschlägen. Hinter den Türen, so sie denn überhaupt vorhanden sind, herrscht das reinste Chaos. Bilder zeigten wahllos aufgetürmte Geschosse. „Ob sie intakt sind, noch brauchbar sind, das weiß man nicht”, sagte der Referent. Und er berichtete beispielsweise von aufgehäuften Handgranaten, unter denen auch Blindgänger oder vom Zahn der Zeit auf das Gefährlichste zernagte Sprengsätze sind.

Höchste Vorsicht sei also geboten, doch wie Litwin unterstrich, sei dies in dem südostasiatischen Land überhaupt nicht gefragt. „Die Menschen dort sind nicht ausgebildet, sie wissen nicht, welchen Gefahren sie sich aussetzen”, berichtete er, „und meistens leben ganze Gruppen von Menschen einfach direkt neben den Depots”. 100.000 Tonnen an Munition sollen sich in Kambodscha noch befinden.

Die meiste Munition davon ist entweder überaltert, kann in den aktuellen Waffensystemen gar nicht mehr verschossen werden oder wurde durch die Witterung in dem subtropischen Klima derart zerfressen, dass sie nur noch unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen transportiert werden kann.

Schlechte Voraussetzungen also, die Stadthauptmann Litwin da für den Einsatz vor Ort schilderte. Über ein Ersuchen der kambodschanischen Regierung und das deutsche Verteidigungsministerium kam das Anliegen, die Munition zu beseitigen, schließlich zum ZVBw. Und nach einer gut zweijährigen Planungs- und Erkundungsphase, beginnen Fachleute nun, vor Ort die Menschen zu schulen.

Auch die Zerstörung gefährlicher Sprengstoffe steht auf dem Programm. Doch oberstes Ziel ist es, die Kambodschaner nach deutschem Vorbild zu schulen, damit sie in Zukunft mit diesen Problemen selbst fertig werden können. „Es geht nicht nur darum, zu räumen und die Ausbildung zu verbessern, sondern auch darum, Infrastruktur zu schaffen”, schloss Litwin.