Evangelische Kirche Geilenkirchen: Neue Ideen für die Gemeinde gesucht

Kirche kreativ und kunterbunt : Neue Ideen für die Gemeinde gesucht

Anja Isbanner-Erdner, Diakonin der evangelischen Kirchen in Geilenkirchen, will neue Wege gehen. „Ich suche Menschen, die mit mir zusammen die Kirchen anders entdecken wollen“, erzählt die engagierte Diakonin. „Ich will Kirche gemeinsam gestalten, meckern kann schließlich jeder.“

Sie ist sich bewusst, dass der Gottesdienst am Sonntagmorgen nicht für jeden das richtige Format ist. Und auch der Kinderkirchenmorgen könnte besser nachgefragt werden.

Kirche weiterentwickeln

Die Lebensumstände hätten sich verändert: Heute gebe es viel mehr Patchwork-Familien, gerade am Samstag seien viele Kinder lieber draußen im Sportverein aktiv, und durch die langen Schulzeiten würden Eltern die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern am Wochenende schätzen. „Die Gesellschaft hat sich verändert, und mit ihr zusammen muss sich auch die Kirche weiterentwickeln“, sagt die Diakonin. Beispielsweise erreiche sie mit einem Taschenlampengottesdienst oder einer Picknick-Kirche ganz andere Menschen mit ihrer christlichen Botschaft: „Ich will eine Brücke schlagen zu den Menschen und in ihre Lebenswelt gehen.“

Diakonin Anja Isbanner-Erdner sucht Mitstreiter. Foto: ZVA/Michèle-Cathrin Zeidler

Diese Veränderung könne sie aber in der Gemeinde nicht alleine bestreiten. „Dafür suche ich Pioniere, Entdecker, Schatzsucher, Mutschöpfer, Initiatoren, Mitreißer und jeden, der gerne innovativ und kreativ diesen Prozess mitgestalten möchte“, so Anja Isbanner-Erdner. Am kommenden Montag, 3. Juni, findet dafür um 19.30 Uhr ein erstes Treffen mit Interessierten im Gemeindehaus der evangelischen Kirchen Geilenkirchen statt. Interessierte können sich bei der Diakonin unter isbanner-erdner@gmx.de oder telefonisch unter 02451/64950 im Vorfeld melden.

Anja Isbanner-Erdner kümmert sich in der Gemeinde vor allem um die Kinder-, und Familienarbeit und macht nebenbei eine Weiterbildung in „Fresh X“. Dabei ist sie mit dem Erfolgsmodell aus England „Kirche Kunterbunt“ in Berührung gekommen und war sofort begeistert von dem Konzept. Diese Idee könnte sie sich vorstellen nun auch in Geilenkirchen einzubringen.

Kirche Kunterbunt (im englischen „Messy Church“) ist eine neue Form von Kirche, in der Kinder und Erwachsene miteinander den Glauben und die Kirche erkunden - und das kunterbunt. „Solche Veranstaltungen sind laut, durcheinander, kreativ, viele Menschen sind beteiligt und es macht einfach Spaß“, erzählt Anja Isbanner-Erdner. „Beziehungen und das gemeinschaftliche Erleben stehen im Fokus.“

Von außen gesehen ist Kirche Kunterbunt zunächst ein monatliches, zwei- bis dreistündiges Event. An verschiedenen Kreativstationen wird zu einem Thema gebastelt und gespielt, experimentiert oder Kinder und ihre Begleiter sind sportlich aktiv. Danach folgt ein kurzer Werkstatt-Gottesdienst und im Anschluss ein gemeinsames Essen. Aber es ist weit mehr als das, denn im Mittelpunkt stehen gelebte Gastfreundschaft und Gemeinschaft. Dabei ist Kirche Kunterbunt nicht ein weiteres Kinderprogramm, sondern spricht altersübergreifend auch die Erwachsenen an , die ganze Familie also. Die Erfahrung in anderen Kirchen zeigt: dieses Format trifft den Nerv in Zeiten von Ganztagsbetreuung und wenig gemeinsamer Familienzeit.

Kreativ und für die ganze Familie

Kirche Kunterbunt ist kreativ, fröhlich feiernd, gastfreundlich, generationenübergreifend und christuszentriert. Sie ist, wie es die Gründerin Lucy Moore einmal formuliert hat, ein Raum, in dem Reich Gottes erfahren wird, so dass Einzelne und ganze Familien wachsen können - zur Verherrlichung Gottes und zur ganzheitlichen Gesundung eines Gemeinwesens. Kompakt formuliert geht es also um: Kirche für Familien, die nicht zur Kirche gehen.

Ob es in Geilenkirchen bald auch eine Kirche Kunterbunt gibt, hängt von den Wünschen und Vorstellungen der Mitstreiter ab. „Jeder Interessierte kann sich beteiligen, es gibt keine Altersbegrenzung, und das Angebot ist konfessionsübergreifend“, stellt Anja Isbanner-Erdner klar.

Sie könnte sich auch gut vorstellen, mit Veranstaltungen durch die Orte zu ziehen und zum Beispiel Wohnzimmerkonzerte oder Kreativtage zu veranstalten: „Ich bin für alle Ideen offen, gerade auch im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung.“

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