Aufregung in Kogenbroich: „Es braucht keiner Angst zu haben“

Aufregung in Kogenbroich : „Es braucht keiner Angst zu haben“

Die Rußrindenkrankheit sorgt für Aufregung in Kogenbroich. Einige Bürger fürchten um ihre Gesundheit, doch Revierförster Wolfgang von der Heiden gibt Entwarnung.

Der 84-jährige Josef Helf ist stinksauer: Er ist Kogenbroicher Bürger und fürchtet wie manch andere Dorfbewohner um seine Gesundheit. Sein Haus liegt etwa 50 bis 100 Meter von den Bäumen entfernt, die wegen der Rußrindenkrankheit gefällt werden.

Die gefällten Bäume würden einfach da rum liegen, moniert er und befürchtet ein Ausbreiten der Krankheit. Was ihm aber besonders ein Dorn im Auge ist: Das ganze Wochenende sei der Bereich nicht ausreichend abgesperrt worden, so dass Mütter mit Kinderwagen und Kinder mit Pferden die aus seiner Sicht gefährliche Stelle passiert hätten. „Kinder und ältere Leute sind besonders gefährdet“, fürchtet er.

Angeblich keine Absperrung

Auch hätten Soldaten auf dem Gelände eine Übung abgehalten. Erst nachdem er das Geilenkirchener Ordnungsamt, das Gesundheitsamt und Revierförster Wolfgang von der Heiden informiert hatte, sei das Gelände am Montagmorgen abgesperrt gewesen.

Doch Revierförster Wolfgang von der Heiden widerspricht den Vorwürfen. Er hatte die Arbeiten in Kogenbroich angeordnet und begleitet. „Ich war in der vergangenen Woche dreimal unangemeldet vor Ort und da war der Bereich immer korrekt abgesperrt“, so der Förster auf Anfrage. Auch dementiert er den Vorwurf, die gefällten Stämme seien auf dem Weg gelagert worden. Aber selbst wenn, würde beim Vorbeigehen an den erkrankten Baumstämmen keine Gefahr für die Gesundheit bestehen.

Die Fällungen seien vor allem für die Forstarbeiter kritisch, dabei würden die Sporen nämlich durch die Luft fliegen „Daher müssen sie auch einen Atemschutz und einen Schutzanzug tragen“, erklärt von der Heiden. Der erkrankte Ahornbestand in Kogenbroich sei außerdem weit genug von den nächsten Häusern entfernt. „Zumal der Wind in den letzten Tagen vom Ort weg geweht hat“, sagt der Revierförster und stellt klar: „Es braucht keiner Angst zu haben.“

Das Holz der erkrankten Bäume darf nicht weiterverarbeitet werden. Auch als Brennholz ist es nicht geeignet, da beim Zerkleinern und offenen Verbrennen wieder Pilzsporen freigesetzt würden. Das Holz wird daher ähnlich wie bei Asbest abgedeckt transportiert und sicher verbrannt.

 Die Rußrindenkrankheit stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde im Jahr 2005 zum ersten Mal in Deutschland entdeckt. Im vergangenen Jahr folgte der erste Fall im Kreis in Erkelenz. Die zunehmenden heißen Sommer mit langen Trockenzeiten begünstigen die Infektion mit dem Pilz. Der durch Wassermangel geschwächte Baum bietet dem Pilz optimale Bedingungen.

Die Sorge der Kogenbroicher Bevölkerung ist aber nicht völlig unbegründet. Die Sporen des Pilzes können bei einer vorbelasteten Lunge oder einer allergischen Grunderkrankung Atemwegsprobleme verursachen. Es kann zu einer allergischen Reaktion mit Symptomen wie Reizhusten, Fieber und Schüttelfrost kommen. Voraussetzung für die Symptome ist eine sogenannte Sensibilisierung: Erst wenn jemand wiederholt für längere Zeit den Sporen ausgesetzt war, kann es zu Reaktionen kommen. In Nordamerika ist diese sogenannte „Farmerlunge“ daher eine anerkannte Berufskrankheit und vor allem in land- und forstwirtschaftlichen Berufen verbreitet.