Geilenkirchen: Erste Meisterpianistin beim Klaviersommer

Geilenkirchen : Erste Meisterpianistin beim Klaviersommer

Großes Können am Klavier ist keineswegs nur eine Männerdomäne — dies weiß man spätestens seit dem 19. Jahrhundert, als mit Clara Schumann erstmals eine Frau internationale Berühmtheit als Klaviervirtuosin erlangte.

Dennoch dauerte es sieben Jahre, ehe man zum ersten Mal beim Geilenkirchener Klaviersommer eine Konzertpianistin engagierte: eine Künstlerin mit herausragendem Namen.

Denn Danae Dörken, Schülerin von Karl-Heinz Kämmerling und Lars Vogt, gehört zu den größten Nachwuchstalenten in Deutschland. Von der Presse wurde sie schon als neue Martha Argerich gefeiert.

Für das zweite Konzert des Klaviersommers hatte Danae Dörken ein interessantes Programm mit Meistern der Früh- und Hochromantik zusammengestellt, allesamt echte musikalische Perlen. Dies zeigten schon die „Variations sérieuses“ op. 54 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die das Publikum fesselten. Ernst und verhalten zog das Thema am Beginn vorüber. Dann aber veränderte sich der Charakter des Themas, das zunächst romantisch verklärt, dann rezitativisch, einmal sogar fugiert und dann trotzig-leidenschaftlich daherkam. Die brillante Schlussvariation hellte sich zunächst nach Dur auf und führte dann dennoch zu einem „stillen Ende“.

Klangliche Flexibilität

Dem Interpreten verlangt dies ein Höchstmaß an klanglicher Flexibilität ab, was Danae Dörken meisterhaft gelang. Einen ebenso nachhaltigen Eindruck hinterließen die „Zwölf Ländler“ D 790 von Franz Schubert, die von einem Hauch wienerischen Biedermeiers durchweht waren. Die zahlreichen eigenwilligen Modulationen und typischen Molltrübungen verdeutlichten den ernsten Untergrund der Kompositionen, die von der Interpretin höchst sensibel und intensiv ausgedeutet wurden.

Besonderen Applaus heimste Danae Dörken ein mit der großangelegten Fantasie in fis-moll op. 28 von Mendelssohn. Das stürmische Finale erwies sich dann als perfekte „Musik vor der Pause“.

Zu Beginn des zweiten Teiles gab es etwas zum Schmunzeln. In den „Fleurs mélodiques des Alpes“ von Liszt werden Jodler und Weisen aus den Alpen in humorvoller Art verarbeitet. Dies bildete den denkbar größten Kontrast zum letzten Werk des Abends, der großen Sonate in h-moll op. 58 von Fréderic Chopin. Schon die Spieldauer von nahezu dreißig Minuten wies auf ein musikalisches „Schwergewicht“ hin. Auch hier erwies sich Danae Dörken als vollendete Könnerin, die nicht nur die Spieltechnik traumhaft sicher beherrschte, sondern auch die Tiefendimension des gewaltigen Werkes voll auslotete. Besondere Bewunderung rief der Finalsatz hervor, der den Pianisten streckenweise reinste Fingerakrobatik abverlangt und sich in rasanten Steigerungswellen bis zum hellen Ausklang in H-Dur durchkämpfte.

Sicher kann man davon ausgehen, dass Florian Koltun seine Ansage vor dem Konzertes wahrmachen wird: „Wir werden nicht noch einmal sieben Jahre warten, bevor wir wieder eine Frau einladen.“

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