Gangelt/Lemgo: Engagement für alte Obstsorten: Ehrung für Willi Hennebrüder

Gangelt/Lemgo: Engagement für alte Obstsorten: Ehrung für Willi Hennebrüder

Willi Hennebrüder ist mit dem Oberdieck—Preis der Stadt Naumburg in Verbindung mit dem Pomologenverein ausgezeichnet worden. Die Ehrung gibt es jährlich für die beste Erhaltungsarbeit im Bereich der alten Obstsorten in Deutschland. In der Laudatio von Dr. Norbert Clement vom Pomologenverein werden die vielfältigen Aktivitäten von Willi Hennebrüder für den Erhalt alter Obstsorten gewürdigt.

Besonders herausgehoben wurde, dass er Reprints von alten Sortenwerken erstellt hat. Diese Bücher sind ansonsten nur noch sehr teuer in Antiquariaten zu erwerben. Sie sind aber für die Bestimmung von Obstsorten unerlässlich.

Auch der Aufbau einer Internetobstsortendatenbank mit Beschreibungen und Abbildungen von mehr als 3500 Obstsorten ist ein Verdienst von Willi Hennebrüder.

Für Apfelallergiker wurde eine Internetseite auf Basis von Meldungen Betroffener erstellt. Hier wird aufgelistet welche Apfelsorten sie vertragen können und welche nicht. Durch diese Information haben manche Apfelallergiker nach Jahrzehnten des Verzichts wieder problemlos in einen Apfel beißen können.

Mit dem Projekt „Omas Apfelkuchen lebt wieder auf“ gelangen die Apfelsorten in Cafés, die ehemals von Oma und Uroma als besonders geeignet ausgewählt worden sind.

Dazu kommen noch Aktivitäten zur Erstellung von Obstsortenlehrpfaden und die Wiederentdeckung der Apfelsorte Sertürners Renette. Viele Jahre hat der engagierte Natur- und Umweltschützer nahe dem heutigen Naturpark in Gangelt gewohnt. Hier in Gangelt kämpfte er für die Nutzung von Regenwasser in Zisternen und war maßgeblich an der Entwicklung der Computererfassung bei der Hausmüllentsorgung beteiligt.

Während das Zisternenprojekt jedem, der es nutzte, einen Kostenvorteil brachte, sorgte der Computerchip, mit dem die Müllmenge exakt für die genaue Abrechnung erfasste wurde, für deutlich mehr Gebührengerechtigkeit und trug zur Abfallvermeidung bei.

Beide Projekte musste er gegen viele Widerstände durchsetzen. Für dieses Projekt erhielt der NABU, unter dessen Dach Willi Hennebrüder zu der Zeit arbeitete, 1989 einen Hauptpreis im Europäischen Umweltwettbewerb.

Ebenfalls wurde er zusammen mit dem Unternehmer Grass mit dem mit damals 20.000 DM dotierten Cusanuspreis der Stadt Koblenz ausgezeichnet. 1995 hat er vor dem Verwaltungsgericht in Aachen ein richtungweisendes Urteil zur Einführung der gesplitteten Abwassergebühr erstritten, in dessen Folge eine Vielzahl von Kommunen in ganz Deutschland die Gebühren umgestellt haben, was letztendlich zu großen Flächenentsiegelungen führt. Weitere Informationen zu den erstellten Internetseiten gibt es hier: www.obstsortendatenbank.de

(hama)
Mehr von Aachener Zeitung