Geilenkirchen: Eine Ortsbegehung um fünf vor zwölf

Geilenkirchen: Eine Ortsbegehung um fünf vor zwölf

„Wer kein festes Schuhwerk trägt, sollte die Straße im Blick behalten“, gab Norbert Grimm den anderen noch mit auf den Weg. Dann konnte der erste Schritt bei der offiziellen Begehung der Fliegerhorstsiedlung in Neu-Teveren gemacht werden.

Und das um fünf vor zwölf, denn die Bürgerinitiative mit ihrem Vorsitzenden Norbert Grimm wollte auch mit der symbolisch gewählten Zeit darauf aufmerksam machen, dass es höchste Zeit ist, dass hier etwas passiert. Auch die Bürgermeisterkandidaten Ronnie Goertz, Christian Kravanja, Manfred Theves und Georg Schmitz waren dabei.

Von Markus Bienwald Geilenkirchen. „Wer kein festes Schuhwerk an hat, sollte die Straße im Blick behalten“, gab Norbert Grimm den anderen noch mit auf den Weg. Dann konnte der erste Schritt bei der offiziellen Begehung der Fliegerhorstsiedlung in Neu-. Foto: Bienwald

Wer sich allerdings auf den ersten Metern ein wenig umschaute, zuckte angesichts des Siedlungs-Zustandes eher mit den Schultern. „Das ist der Teil, der von der Bima hergerichtet wurde“, erläuterte Grimm. Das geschehe wohl, um die Verkaufszahlen der vorhandenen Objekte von derzeit 14 Prozent höher zu schrauben. Doch schon ein paar Ecken weiter erlebten die rund 50 Teilnehmer aus Politik und der Siedlung, was die wahren Missstände sind. „Das ist mein Lieblingsauto“, meinte Grimm, und zeigte auf einen Fiat, der von aus dem Asphalt sprießendem Gras schon fast zugewuchert war.

Ein Stück weiter spielten Kinder auf Sand, der nach Aussage von Grimm nur oberflächlich erneuert wurde. Anwohner hingegen bestätigten, dass der alte Sand kürzlich komplett abgetragen und erneuert wurde. So scheint an manchen Stellen alles okay zu sein. Anderswo wird aber Gras gemäht, ohne das Mähgut zu entfernen. Auch die Straßen bröseln als jahrzehntealtes Sandwich aus Betonplatten als Basis und einem Flickenteppich aus Asphalt verschiedensten Datums fröhlich vor sich hin.

„Wir können die Steinchen ja verkaufen, wie bei der Berliner Mauer“, frotzelte einer der Anwohner. Das klang eher wie Galgenhumor, denn Ecken, an denen augenscheinlich schon seit Jahren weder Vermieter noch Mieter Hand anlegten, weil letztere schlicht nicht vorhanden sind, gibt es in der Siedlung genug. „Und wer mal einen Blick durch ein Fenster einer solchen leerstehenden Immobilie wirft, weiß auch warum“, stellte Norbert Grimm fest.

Dennoch scheint sich etwas zu bewegen. Da gibt es Häuser, die nicht nur kernsaniert, sondern modernisiert sind und wirklich Lust aufs Leben in dieser sehr ruhigen und großzügigen Wohnlage machen. Aber es gibt auch die vielen Kehrseiten. „Da wären die Straßen, für die sich niemand wirklich zuständig fühlt“, sagte Norbert Grimm unterm Zeltdach beim provisorischen Versammlungsplatz an der Rommelstraße. Das Resultat sei, dass der Zuständige, der Bund, darauf hinweise, dass die Straßensanierung eine Sache der Kommune sei. Die verweist hingegen darauf, dass auch der Kanal gemacht werden müsse, was eine Straßensanierung vor der Kanalsanierung allerdings ad absurdum führen würde.

Kompetenzgerangel hin, schlechte Hausverwaltung her: Einstimmigkeit herrschte auch darüber, dass die Hausverwaltung schlicht untätig sei. Welchen Grund es allerdings dafür gebe, die Häuser und Straßen der Verwilderung preiszugeben, darauf konnten sich weder die vier anwesenden Bürgermeisterkandidaten, noch die Politiker, noch die Initiativler oder Bürger einen Reim machen. Klar war wohl am Ende des sommerlichen Spaziergangs eins: „Wir müssen gucken, dass wir nicht vergessen werden“, betonte Norbert Grimm.

Auch die beiden zuständigen Ortsvorsteher — Resi Hensen für Grotenrath und Hans-Josef Paulus für Teveren — bekräftigten dies. „Ich bin zuversichtlich, dass sich hier was ändert“, so Hensen. Und Paulus ließ nicht nur die Ortsgeschichte Revue passieren, sondern betonte, dass es schon seit 30 Jahren Probleme gebe, weil vieles versäumt worden sei.

Das wollen Norbert Grimm, seine Mitstreiter und die Menschen in Neu-Teveren ändern. „Es soll schöner werden“, nannte Grimm abschließend Punkt eins der To-do-Liste. Und er sah auch die 50 in der Siedlung lebenden Flüchtlinge als Chance, als Beispiel, dass das Zusammenleben funktioniert. „Dazu ist aber die Zusammenarbeit aller gefragt, auch derer, die in den entscheiden Gremien sitzen“, so der Wortführer.

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