Urteil Landgericht: Eine Bewährungsstrafe für sieben Einbrüche

Urteil Landgericht: Eine Bewährungsstrafe für sieben Einbrüche

Mit vier Freisprüchen und einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wird, ist am Freitagmittag der Prozess am Landgericht  Aachen gegen eine vermeintlich Einbrecherbande aus dem Kreis Heinsberg zu Ende gegangen.

Die fünf Angeklagten standen für eine Serie von sieben Einbrüchen aus dem vergangenen Sommer vor Gericht, die sie innerhalb eines Monats in Privathäusern, Vereinsstätten, einem Kindergarten und einem Supermarkt in den Gemeinden Selfkant und Gangelt und in der Stadt Hückelhoven begangen haben sollten. Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen durch die Aussage eines Mittäters, Ramadan H. Dieser hatte nach einem Streit um die Beute bei der Polizei eine spontane Lebensbeichte abgelegt. Er präsentierte umfangreiches Täterwissen, nannte Namen, und so gerieten neben ihm noch fünf weitere Personen ins Visier der Ermittlungen.

Die Anklage stürzte sich folglich maßgeblich auf die Aussage von H. bei der Polizei. In seinem eigenen Verfahren vor dem Amtsgericht in Geilenkirchen verstrickte sich der Libyer am ersten Verhandlungstag allerdings in zahlreiche Widersprüche. Außerdem war er für mehrere Wochen verschwunden, nachdem er aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Schließlich tauchte er allerdings in einer Flüchtlingsunterkunft bei Neumünster wieder auf.

Dort beteuerte er zunächst, weiterhin vor dem Landgericht Aachen aussagen zu wollen. Nach sechs Stunden Fahrt mit der Polizei zur Verhandlung nach Aachen machte die zentrale Figur des Verfahrens vor Gericht dann aber doch von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Anfang dieser Woche wurde H. schließlich am Amtsgericht Geilenkirchen  zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, er hatte sich zu allen Anklagepunkten schuldig bekannt.

„Sein Aussageverhalten ist eine einzige Katastrophe“, so der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking. Er habe Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussage von H. und könne ihr nicht uneingeschränkt glauben. Auch lege ein mögliches Motiv für eine Falschbelastung vor, da der Aussage bei der Polizei ein Streit um die Beute vorangegangen sei. „Im Zweifel ist für den Angeklagten zu entscheiden“, betonte Richter Jürgen Beneking noch einmal. „Daher sind die Angeklagten, die hier nur sitzen, weil Ramadan H. sie belastet hat, freizusprechen.“

Anders sehe es hingegen bei dem Angeklagten L. aus. Von ihm hatte die Polizei DNA-Spuren an mehreren Tatorten und einem Brecheisen gefunden sowie Diebesgut im Zuge einer Wohnungsdurchsuchung sichergestellt. L. ist vorbestraft, und in seinem Plädoyer hatte der Staatsanwalt ihn als den Kopf der Bande identifiziert:  „Er war bei jedem Einbruch dabei, hat die anderen angeworben und die Waren abgesetzt.“

Aus diesem Grund hatte der Staatsanwalt in Summe eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten gefordert. Doch da die Bandenmäßigkeit durch den Freispruch der anderen Angeklagten vom Tisch war, verließ L. lediglich mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung auszusetzen sind, den Gerichtssaal.

Mehr von Aachener Zeitung