Gangelt: Eine besondere Übung: Feuer in den Gangelter Einrichtungen

Gangelt: Eine besondere Übung: Feuer in den Gangelter Einrichtungen

Abdul hat es einfach drauf: „Feuer! Feuer!“, ruft er ganz laut, und Alle aus seiner Wohngruppe in der ViaNobis, den Gangelter Einrichtungen, laufen schnell zusammen. Geordnet treten sie den Weg nach draußen an, in den Innenhof, und warten, bis die beiden angerückten Feuerwehrleute Entwarnung geben. Zum Glück war dieses Szenario nur eine Übung, aber die Bewohner hatten trotzdem riesigen Spaß daran.

Denn ihnen wurde nicht einfach mit erhobenem Zeigefinger etwas vorgeführt. Auch auswendig lernen mussten sie nichts, vielmehr gab es ein paar lockere Vorbereitungen auf die gemeinsame Übung und natürlich den Besuch der Jungs von der Freiwilligen Feuerwehr aus Gangelt.

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Die richtigen Worte finden

Das testweise Auspusten der Atemluft in die Gesichter der Anwesenden durch Oliver Thelen war für die Bewohner bei der Brandschutzübung ein echter Spaß (großes Bild). Einer der Bewohner durfte unter den Augen von Dennis Paulzen auch die schwere Einsatzjacke, Helm und Atemmaske anziehen und verwandelte sich in einen echten Feuerwehrmann (Fotos rechts). Fotos (4): Markus Bienwald Foto: Markus Bienwald

Die sind übrigens keine Unbekannten für die Leute der ViaNobis, sondern es sind gleichzeitig auch Mitarbeiter aus dem Hause. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt“, sagt Heiner Conzen, Brandschutzbeauftragter der ViaNobis, und auch Günter Paulzen nickt heftig. Der Gemeindebrandinspektor kennt die Gemeinde und die Einrichtungen natürlich schon ganz lange. Und er findet auch die richtigen Worte, mit denen er die Bewohner anspricht. Das geht auf Kumpel-Ebene, wie beim Gespräch unter Freunden.

Und das geht ohne Tabus, da werden alle Fragen, so oft sie auch gestellt werden, beantwortet. Vor allem, als Oliver Thelen den Bewohnern anhand der Pressluft-Flaschen demonstriert, dass hier wirklich nur Luft herauskommt, flachst man bei den Übungen gemeinsam: Zischend bläst den Bewohnern kurz die in den Flaschen komprimierte Atemluft ins Gesicht, so dass die anderen unwillkürlich lachen müssen. „Das ist reine Atemluft“, sagt Thelen, „und da hat auch keiner reingepupst“, meint Günter Paulzen lächelnd, und alle Anwesenden stimmen in lautes Gelächter ein.

Dabei erlebten die Menschen aus der Einrichtung die Verwandlung vom Mitarbeiter der ViaNobis, der mit ganz normaler Straßenkleidung erscheint, zum ausgerüsteten Feuerwehrmann. Neben der schweren Einsatzhose und der Jacke, die auch von den Bewohnern einmal probeweise angezogen werden durfte, kamen noch Handschuhe, Sicherheitsschuhe, Atemschutz und schließlich der Helm zum insgesamt 18 Kilogramm wiegenden Einsatzpaket hinzu.

Christian Meiritz und Dennis Paulzen von den aktiven Einsatzkräften sind da als Vorführungssubjekte genau die richtigen, denn sie zeigen die Ausrüstung genau. „Und jetzt sehen die nicht nur ganz anders aus, sie klingen auch wie Darth Vader“, scherzte Günter Paulzen über das typische Atemgeräusch unter Atemschutz, das wie bei Tauchern klingt.

Der Hintergrund für das Zeigen dieser Verwandlung war aber alles andere als banal. „Denn wenn die Leute sehen, dass hinter den Feuerwehrleuten ganz normale Menschen stecken, dann können sie auch im Einsatzfall ganz anders damit umgehen“, so Paulzen.

Die rund 75-minütige und für alle Beteiligten spaßige Übung, bei der auch mal ein Blick ins Feuerwehrauto geworfen werden durfte, hatte natürlich auch einen weiteren ernsthaften Hintergrund. So ist die Feuerwehr natürlich nicht nur an diesem Tag auf dem riesigen Gelände der ViaNobis vor Ort. „Nicht nur die Feuerwehr aus dem Zentralort Gangelt übt hier in regelmäßigen Abständen“, weiß Oliver Thelen.

Auch die Wehrleute aus den umliegenden Orten kommen immer mal wieder zu den Gangelter Einrichtungen, um die Liegenschaften besser zu kennen. „Einmal im Jahr gibt es zudem eine Begehung, um die Einsatzkräfte auf dem Laufenden zu halten“, sagt Thelen.

Das ist auch nötig, weil die Einrichtungen in ständiger Bewegung sind: so wird hier immer mal wieder etwas umgebaut, die Einrichtung wächst, und damit der Überblick über die sich verändernden Gegebenheiten im Gefahrenfall kein Hindernis darstellt, müssen die Leute auch vor Ort üben.

Patienten retten

Das wird auch in den kommenden Wochen so sein, beispielsweise wenn trainiert wird, wie immobile Patienten gerettet werden können. „Dazu gibt es nicht nur spezielle Anweisungen, sondern auch besondere Rettungsdecken, die im Ernstfall auch von den Mitarbeitern problemlos genutzt werden können“, sagt Thelen.

Aber nicht nur die Mitarbeiter wissen nun, was zu tun ist. Auch Bewohner wie Abdul wissen nun ganz genau, was sie machen müssen, damit im Fall eines Brandes möglichst niemandem etwas zustößt. Und da hat lautes Rufen eigentlich noch nie geschadet.

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