Geilenkirchen-Kraudorf: Ein „tierisches“ Lese-Vergnügen in Kraudorf

Geilenkirchen-Kraudorf : Ein „tierisches“ Lese-Vergnügen in Kraudorf

Als sich der Tag langsam dem Ende zuneigte, wurde es auf der Obstwiese der Familie Schiffers in Kraudorf interessant. Bei herrlich warmen Sommerwetter lasen Heike Dahlmanns, Heidi Hensges, Beatrix Hötger-Schiffers, Renate Janssen, Franz-Josef Janssen, Margarete Kaiser und Brigitte Oleszynski-Wichmann aus der Anthologie „Kunterbunter Selfkant“ sowie andere Geschichten und Gedichte.

Die Moderation der Veranstaltung lag in den bewährten Händen von Kurt Lehmkuhl, der gewohnt souverän durch das Programm führte. Zahlreiche Zuhörer hatten den Weg in das idyllisch gelegene Kraudorf gefunden und erlebten einen entspannten Abend. Franz-Josef Janssen eröffnete den Leseabend mit einem nagelneuen Gedicht über Kraudorf, das viel Beifall fand, ebenso wie seine lustigen „Campinggeschichten“ und die Geschichte „L’heure bleu“ (die blaue Stunde).

Renate Janssen erzählte in „Der Wachmann“ von einem pensionierten Wachmann, der eine Reihe von Besuchern aus einem brennenden Opernhaus rettet. Auch die weiteren Geschichten „Der frühe Vogel“ sowie „Einbrecher“ kamen beim Publikum gut an.

Alle Autoren zeigten an diesem Abend Tierliebe, denn sie mussten gegen das oft laute Gequake der Frösche anlesen, das aus dem angrenzenden Teich kam. Auch Brigitte Oleszynski-Wichmann ließ sich weder durch die Frösche noch durch Hund und Katzen irritieren, die über die Wiese jagten, während sie ihre Geschichte „Gulaschsuppe“ zum Besten gab. Sie las mit trockenem Humor, und die Zuhörer zeigten sich begeistert, auch von „Pauline & Ferdinand“, wo zwei Möpse die Hauptrollen spielen.

Die Protagonistin in Margarete Kaisers Geschichte „Invasion der Nacktschnecken“ wurde am Ende von ihrem Mann vor die Frage gestellt: „die Schnecken oder ich?“ Es sei vorweg genommen: Der Ehemann hat gewonnen „schließlich war er ja schon etwas länger bei mir als die Nacktschnecken.“ Auch mit ihrem Gedicht „Der liebestolle Peter“ konnte Margarete Kaiser punkten.

In der Pause konnten die Schafe der Familie Hötger-Schiffers mit Brötchen gefüttert werden. Auch die Schafe lauschten dann genüsslich schmatzend dem zweiten Teil der Lesung. Inzwischen loderte auf der Wiese auch ein stimmungsvolles Lagerfeuer.

Spargelstange in der Hauptrolle

Heidi Hensges erntete mit der Geschichte „Maulwurfsfrauen graben besser“ viele Lacher. Auch das Gedicht „Hannes hat Hunger“ erregte die Heiterkeit der Zuhörer, ebenso wie Beatrix Hötger-Schiffers Geschichte „Der 89. Geburtstag“. Hier lässt sich eine alte Dame von einem jungen Taxifahrer quer durch den Kreis Heinsberg fahren, um die richtigen Herzmedikamente zu beschaffen. In Hötger-Schiffers Gedicht „Sigurds Traum“ spielte dann eine Spargelstange die Hauptrolle, die nach hochfliegenden Träumen auf den Boden der Realität zurückgeholt wird.

Kurt Lehmkuhl, der alle Autoren in liebenswürdiger Weise ankündigte, verwechselte einmal mehr Heidi und Heike, als er Heike Dahlmanns als Autorin aus Gangelt vorstellte. In ihrem ersten Gedicht setzte sich Heike Dahlmanns mit dem schwachen Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM auseinander. „Ich sag es jetzt frei und ungelogen:/ Die Fahne hab ich erst gar nicht hochgezogen./ Das Fußball-Fieber hatte mich nicht gepackt,/ es war schon vor der WM versackt“.

Anschließend schlug sie mit weiteren Gedichten einen großen Bogen bis hin zum Wahrzeichen der Gemeinde Gangelt, der Gans, der sie mit zwei Gedichten ein literarisches Denkmal setzte. Auf Zuruf las sie noch die Texte zu den Buchstaben Y, R und G aus dem kunterbunten ABC des Kreises Heinsberg vor.

Als Kurt Lehmkuhl am Ende seinen mörderischen Abgesang vortrug, signalisierte das Publikum, dass es noch gerne länger zuhören würde. Auch der Vollmond war inzwischen hinter den Bäumen hervor gekommen. Als Zugabe trugen Lehmkuhl und Heike Dahlmanns die lustige, kriminelle Kurzgeschichte „Frau Fröhlich“ mit verteilten Rollen vor, wobei Kurt Lehmkuhl den Kommissar Mattenklotz gab und Dahlmanns die äußerst schwerhörige Grete Fröhlich.

Zum Ende dankte Kurt Lehmkuhl den Zuhörern sowie den Gastgebern in der Hoffnung, dass es auch im nächsten Jahr 2019 eine Lesung auf der Streuobstwiese geben wird. Der Erlös aus der Veranstaltung von 414 Euro kommt vollständig dem Hospiz in Erkelenz zugute.