Übach-Palenberg/Aachen: Ein neues Leben auf den eigenen Beinen

Übach-Palenberg/Aachen: Ein neues Leben auf den eigenen Beinen

Was Omer Abdusamed auf seiner Flucht mitgemacht hat, weiß nur er ganz allein. Fragt man den 22-Jährigen aus Eritrea danach, weitet sich sein Blick, seine Augen scheinen stumpf zu werden. Ganz anders schaut er drein, wenn er in der Küche des Aachener Restaurants „White House“ steht.

Dort strahlt er, ihm scheinen die hohen Temperaturen am Herd nichts auszumachen, fröhlich scherzt er schon mal mit den anderen, die hier tätig sind. 16 Stunden pro Woche darf er arbeiten, hier in der Küche ist er seit Anfang Juni Teil des Teams, geht beinahe selbstverständlich seiner Arbeit nach. „Er ist bei uns als Hilfskoch tätig“, freut sich Can Özgüler, der mit seinem Vater das viel frequentierte Lokal an der Pontstraße in Aachen führt. „Und er macht sich wirklich gut“, freut sich Can. Der Vater kann da nur beipflichten.

Dabei war Omers Weg zum Hilfskoch reichlich steinig, wie auch Richard Herber vom Runden Tisch für Flüchtlingsarbeit in Übach-Palenberg zu berichten weiß. „Er sprach kein Wort Deutsch, als er nach Übach-Palenberg kam“, so Herber. Das war vor 18 Monaten, doch Omer hat sich schnell eingelebt und wollte unbedingt Deutsch lernen. „Das ist eigentlich bei allen derzeit 120 Flüchtlingen in unserer Stadt so“, weiß Herber. Sprachkurse in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Boscheln folgten, dazu Beiträge des internationalen Kulturvereins.

Jetzt ist Omer so weit, dass er hochoffiziell ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mit Krankenversicherung ausüben darf. „Ich freue mich darüber“, sagt er. Auf die Frage, ob er die Arbeit in der Küche mag, blitzen seine Augen auf. „Ich will kochen“, sagt er, und meint damit eine Ausbildung zum Koch. So weit ist Omer zwar nach Ansicht seiner Chefs noch nicht. „Aber er ist lebensfreudig und sehr motiviert, ich könnte mir das gut vorstellen“, betont Can Özgüler.

Wenn es in der Küche mal mit der mündlichen Kommunikation hapert, dann wird mit Händen und Füßen weitergesprochen. „Kein Problem“, sagt auch Seniorchef Hidir Özgüler, der den jungen Mann aus Eritrea dazu motiviert, sein Bestes zu geben. Und Omer macht es auch nichts aus, dass sein Weg zur Arbeit doch recht lang und beschwerlich ist. Steht er in dem Aachener Betrieb im Dienstplan, macht er sich von seiner Wohnung in Boscheln aus mit dem Rad auf den Weg zum Palenberger Bahnhof, nimmt den Zug nach Aachen und läuft ein paar hundert Meter, bis er seine Arbeitsstelle erreicht hat. „Macht nichts“, sagt er nur kurz dazu, zuckt mit den Schultern und zeigt ein gewinnendes Lächeln. Macht wohl was, denkt sich derweil Richard Herber, der den langen Weg des Asylsuchenden von der Aufenthaltsgenehmigung über die Sprachkurse bis zu seiner Mitarbeit in der Restaurantküche intensiv begleitet hat. Denn: „Es ist enorm wichtig, dass diese Menschen ihr Geld selbst verdienen“, findet Herber. „Den Lebensunterhalt selbst zu verdienen heißt für sie auch, nach einer meist schrecklichen Flucht selbstbestimmt leben zu können.“

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