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Übach-Palenberg: Ein Knall, und der Turm ist weg

Übach-Palenberg : Ein Knall, und der Turm ist weg

Ein Wimpernschlag nur, dann raffte es den steinernen Koloss dahin. Applaus brandete auf, Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll hatte ganze Arbeit geleistet und gezeigt, dass er mit einem Griff tonnenschwere Brocken bewegen kann.

Nun ja, ein bisschen Dynamit, rund zwölf Kilo, und die assistierende Hand von Hermann Harvekost, dem Sprengmeister aus Geldern, waren auch im Spiel, als am Mittwochmittag der 40 Meter hohe, 20 mal 20 Meter breite Siloturm der Kalksandsteinwerke in der Scherpenseeler Heide in die Luft flog.

Fernab, in gebührendem Sicherheitsabstand, wurde die kleine offizielle Gesellschaft - vornehmlich bestehend aus Vertretern der Stadt- und Forstverwaltung sowie der Rheinischen Baustoffwerke, des Eigentümers des ehemaligen Betriebsgeländes- Zeuge des historischen Moments.

„Fünf, vier, drei, zwei, eins, null”, setzte der Sprengmeister zum Countdown für den entscheidenden Einsatz des Bürgermeisters an. Nicht mal zwei Sekunden: ein Riesenknall, ein dichte weiße Staubwolke, 30 Kubikmeter Schutt. Der lange Kerl, rund 40 Jahre betongewordenes Wahrzeichen in der Heide, ist von der Bildfläche verschwunden.

Nicht mehr rentabel

Der Abriss war quasi der lautstarke Auftakt für einen Wandel in der Scherpenseeler Heide. Nicht nur der Turm muss weichen, auch die anderen Aufbauten, das Heidehaus, die Trafo-Station und sämtliche Fundamente werden entfernt. Der Natur wird sozusagen das wieder zurückgegeben, was ihr gehört.

Volker Schlüter, Beigeordneter für Planen und Bauen bei der Stadt Übach-Palenberg, formuliert die Perspektive wie folgt: „Das gesamte Areal des Kalksandsteinwerkes, das sind immerhin 25.000 Quadratmeter, wird renaturiert.”

In ein paar Jahren schon wird Gras über die industrielle Epoche in der Heide gewachsen sein, in der immerhin bis zum Ende 2001 noch Kalksandsteine gebrannt wurden.

„Die Produktionsstätte war überaltert, die Lage war auch nicht mehr optimal. Am Ende war die Rentabilität der Grund für die Betriebsaufgabe”, verweist Schlüter auf das Aus einer vier Jahrzehnte andauernden Unternehmenstradition in Scherpenseel.

Seit 2001 lag das Areal brach. 2003 kamen Stadt Übach-Palenberg und der Eigentümer, die Rheinischen Baustoffwerke, überein, dass Gelände zu renaturieren; ein Büro wurde mit den Planungen beauftragt. Im Juli dieses Jahres wurde der Rekultivierungsplan in Abstimmung mit dem Landschaftsplan „begeistert” vom Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt aufgenommen und abgesegnet, erinnert sich Beigeordneter Schlüter.

Das Brache soll der Natur in erster Linie selbst überlassen werden, auch wenn hier und da ein wenig von Menschenhand modelliert oder Dreck angekarrt wird.

Frösche im Becken

Bleiben werden die zwei Sandtunnels des ehemaligen Werkes: „Darin sollen sich Fledermäuse ansiedeln”, hofft Volker Schlüter. Und bleiben werden auch die Wasserbecken: „Frösche haben dort ihr Zuhause gefunden, und das soll auf jeden Fall erhalten werden.”

Bereits im Landschaftsplan hatte die Stadt Übach-Palenberg zum Ausdruck gebracht, dass im alten Kalksandsteinwerk „ein großes Entwicklungspotenzial” steckt. Das Naturschutzgebiet „Teverener Heide”, zu dem nach der jüngsten Fortschreibung des Landschaftsplans auch der Bereich der früheren Industriebrache gehört, wird damit wieder ein Stück wachsen.

Das Gelände soll eines nicht mehr fernen Tages, so der Beigeordnete, nahtlos an das urwüchsige Naturschutzgebiet anschließen. Sieht gut aus und kostet die Stadt keinen Cent. Die Rekultivierungskosten tragen die Rheinischen Baustoffwerke.