Geilenkirchen-Honsdorf: Ein beschaulicher kleiner Ort mit adligen Wurzeln

Geilenkirchen-Honsdorf: Ein beschaulicher kleiner Ort mit adligen Wurzeln

Nach den „Kleinsten der Kleinen” mit Bocket, Hoven und Panneschopp widmet sich unsere Zeitung nun den Dörfern um die 100 Einwohner innerhalb der Stadt Geilenkirchen. Wir beginnen mit Honsdorf, das früher einmal zur Gemeinde Würm gehörende zwischen Randerath und Leiffarth gelegene Örtchen.

Mit Stand 31. Juli 2008 weist Hondorf exakt 115 Einwohner auf, einem Blatt im Stadtarchiv ist zu entnehmen, dass 1827 bereits 95 Bürger den Ort als ihre Heimat betrachteten. „Einseitig locker bebauter Weiler unterhalb des Terrassenhanges zum Wurmtal, an mehrteilige, von Gräben umgebene Burganlage anschließend”, ist der Schrift ebenfalls zu entnehmen.

Im Jahre 1170 als „Hundestorp” aufgetaucht, wurde 1244 erstmals auch das Adelsgeschlecht derer von „Honsdorf” erwähnt. Da liegt es nahe, dass sich unsere Zeitung bei Christa und Willi Jaeger einlädt, um von dem Ehepaar etwas mehr über das Dorf in Erfahrung zu bringen. Schließlich sind die Jaeger„s Besitzer von „Haus Honsdorf”, und auf ihrem Grund und Boden befindet sich der nachweisliche Ursprung des Ortes.

Schon plaudert das Ehepaar kräftig drauf los und der Autor erfährt, dass entlang der vom Ortseingangsschild bis Ortsausgangsschild 850 Meter langen Straße noch kurz nach dem Krieg fast jedes Haus ein Bauernhaus war.

Willi Jaeger (73) ist selber Landwirt und betreibt heute Ackerbau. Der zweite, noch im Ort ansässige Landwirt beschäftigt sich im Nebenerwerb mit der Mutterkuh-Haltung. Die heute 36 Hauskomplexe in Honsdorf sind postalisch „durchnummeriert”. „Der frühere Name der „Hauptstraße” durch den Ort war Lindenstraße, er fiel aber 1972 der kommunalen Neugliederung zum Opfer”, erinnert sich Willi Jaeger.

Gattin Christa zeigt ein paar alte Fotos von der im Krieg stark zerstörten Burganlage. Willi Jaeger ist froh, dass einer seiner Ahnen und zwar Johann Kaspar Jaeger 1817 den Hof angepachtet hat und so für den Unterhalt der Familie über Jahrhunderte gesorgt hat. Ursprünglich ragte hier eine große Burganlage mit sieben Türmen inmitten der Landschaft hervor. Ein Turm wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut und beherbergt eine Wohnung, daneben zeigt sich noch eine kleine Turmruine.

Wer hier im sehr schön restaurierten Haus Honsdorf wohnt, hat nicht nur das große Anwesen „für sich”, sondern auch noch die Ruhe weg. Jürgen und Verena Moll haben mit Töchterchen Lilly-Christin direkt neben dem Burggraben eine Wohnung bezogen und fühlen sich pudelwohl in der historischen Umgebung.

Umgeben von Wassergräben und darüber hinaus von einer weitläufigen Feld- und Wiesenlandschaft würde sich mancher Feriengast hier wie in einem Urlaubsparadies fühlen. Einmal im Jahr, zum Burgfest nach dem Badewannenrennen, kommt allerdings Leben in einen Teil des Anwesens, aber ein paar Stunden später kehrt wieder Ruhe ein. Parallel zur Durchgangsstraße plätschert gemütlich das Beeckfließ dahin, der Bach mündet nur zwei Kilometer weiter in die Wurm.

„Nach dem Krieg wurden in Honsdorf noch 14 Häuser gebaut, jetzt gibt es keine Baugrundstücke mehr”, weiß Willi Jaeger. Honsdorf gehört zur Pfarrgemeinde Würm und geht fast nahtlos in die Ortschaft Leiffarth über. „Früher stand vor jedem Haus eine Bank”, denkt Jaeger zurück. Da sei viel geklönt worden - auf der Bank oder in der bis vor dem Krieg vorhandenen Kneipe.

Aber auch heute sei Honsdorf noch ein recht geselliges Dorf und selbst der Brudermeister der altehrwürdigen St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Leiffarth wohne in Honsdorf. Mit dem Einkaufen, das sei so eine Sache. Einen „Tante Emma-Laden” habe es nie gegeben, aber: „einen Zigarettenautomaten”, schmunzelt Willi Jaeger. Christa Jaeger erinnert sich an ehemalige Kiesgrube, in der es Ende der 70er und Anfang der 80er so genannte „Kiesgruben-Rennen” gegeben habe.

Heute hat der Kreis Heinsberg hier ein Biotop eingerichtet. Jaeger, der zehn Jahre lang Ortsvorsteher der Gemeinde Würm war, fallen die früheren strengen Winter ein. „Da kamen die Leute zum Schlittschuhlaufen auf unseren Weiher oder gingen zum Rodeln auf den Koverberg”, erzählt der 73-Jährige. Es gäbe noch viel über das Örtchen zu berichten, aber auch die anderen Dörfer wollen noch „zu Wort” kommen.

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