Aachen: Drei Geilenkirchener im Europäischen Wissenschaftsparlament

Aachen: Drei Geilenkirchener im Europäischen Wissenschaftsparlament

Simona Cacciopoli weiß, was Wassermangel bedeutet. Die 17-Jährige ist in Italien aufgewachsen. Genauer in Sizilien. Lange, heiße Sommer ohne Regen ließen in ihrer Kindheit die Versorgung mit dem kühlen Nass so manches Mal stocken. Zumindest die aus dem Hahn. „Wir hatten glücklicherweise einen Brunnen am Haus”, sagt sie.

Dennoch: Die Erfahrung, dass Wasser knapp sein kann, hat sie geprägt. Und sie hat dazu beigetragen, dass Simona Cacciopoli schon bald in einem Plenarsaal Platz nimmt, Ausschusssitzungen beiwohnt und mit Experten diskutiert - als europäische Jungparlamentarierin.

Die Schülerin der Geilenkirchener Anita-Lichtenstein-Gesamtschule qualifizierte sich - gemeinsam mit ihren Mitschülern Kim Leopold und Jens Kathein - als einzige Vertreter einer deutschen Schule für das Europäische Wissenschaftsparlament (EWP) in Aachen. Vom 23. bis 25. März treffen sich 120 Schüler und Experten aus ganz Europa zum zweiten Mal, um über ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema zu diskutieren. In diesem Jahr dreht sich alles um den für die Welt unverzichtbaren Rohstoff Wasser.

70 Plätze sind reserviert für Schüler und Studenten. Den anderen Teil besetzen Gäste aus Wissenschaft, Forschung, Politik und Medien sowie interessierte Bürger. Laien und Experten kommen ins Gespräch. Diskutiert wird in Ausschusssitzungen und im Plenum - wie in einem richtigen Parlament eben. Die Idee dahinter: wissenschaftliche Erkenntnisse in die Öffentlichkeit tragen. Und: „Wir wollen jungen Menschen zeigen, dass man auch bei komplexen Themen mitbestimmen kann”, erklärt Jan Rohwerder, Leiter der Geschäftsstelle des EWP. Am Ende der drei Tage soll schließlich eine Aachener Erklärung entstanden sein, die an Institutionen der Europäischen Institution weitergegeben wird, „als Handlungsempfehlung”, sagt Rohwerder.

Aus 115 Schulen ausgewählt

Um an diesem einmaligen Treffen teilnehmen zu können, musste Simona Cacciopoli im Vorfeld ein wichtiges Ziel erreichen. Denn mit der Veranstaltung Mitte März biegt das EWP nur auf die Zielgerade ein. Schon im Mai 2009 begann, was im Januar 2010 zur Auswahl der EWP-Teilnehmer führte: ein monatelanger Diskussionsprozess in Internet-Foren. Die Jury, eine Arbeitsgruppe der EWP-Organisatoren, bewertete schließlich alle eingegangenen Beiträge. Mit ihrem Team musste es Simona Cacciopoli dann unter die besten 45 schaffen, um zum Höhepunkt des EWP, dem Treffen in Aachen, eingeladen zu werden.

Zwei Monate lang stellten Geilenkirchener Schüler Thesen auf, schrieben Kommentare und diskutierten online was das Zeug hielt. Mit Erfolg. Sie setzten sich in im EWP-Ranking in den Gewinnerbereich durch. „Wir konnten es gar nicht glauben”, erzählt Stefan Everts. Er ist der Biologie-Lehrer von Cacciopoli, Leopold und Kathein. Und er auch der Grund, weshalb die drei Oberstufenschüler auf das Wissenschaftsparlament aufmerksam wurden. In einer Projektwoche zeigten sich einige Schüler begeistert von der EWP-Community. Aber nur Simona Cacciopoli und ihre Mitstreiter blieben wirklich dran.

Insgesamt haben 115 Schulen aus ganz Europa in den letzten Monaten an der Online-Diskussion teilgenommen. „Bewertet haben wir dann zum einen die generelle Aktivität in den Foren und natürlich die inhaltliche Güte der Beiträge”, erklärt Rohwerder. Ausgewählt wurden insgesamt 15 Gruppen aus 13 europäischen Ländern, wie Estland, Montenegro oder Portugal. „Auf eine geographische Verteilung achten wir dabei natürlich auch.”

Simona Cacciopoli loggte sich mindestens einmal pro Tag ein, um etwas zu posten - in der Gruppe über Wasser und Ökonomie zum Beispiel oder in der, die sich mit Wasser und Gesellschaft auseinandersetzt. Cacciopolis Interesse gilt vor allem dem Thema Wasserverschwendung. „Hier in Deutschland ist Wasser recht teuer”, sagt sie. „Aber das für ein Industrieland gar nicht schlecht. Denn so geht man bewusster mit diesem wertvollen Gut um”. Auch die Schülerin versucht, Wasser zu sparen, wo sie kann. „Aber viel Wasser wird in der Industrie verbraucht. Hier ist Vernetzung wichtig.”

„Etwas in Gang setzen”

So eine Vernetzung wie beim Wissenschaftsparlament. Denn an dessen Ende - nach wochenlangen Online-Diskussionen und deren Vertiefung während der Tagung in Aachen - stimmen die Teilnehmer wie schon 2008 über eine Erklärung ab. Sie soll ein gemeinsames Meinungsbild des EWP 2010 enthalten.

„Ich hoffe, dass das Wissenschaftsparlament dazu beitragen kann, in Sachen Wasserversorgung wirklich etwas in Gang zu setzen. Damit alle Menschen in Zukunft genug davon haben”, sagt Simona Cacciopoli. Damit das gelingt, wird sie in den nächsten Wochen bis zur Tagung mit ihrer Gruppe und Lehrer Everts ihr Profil noch schärfen. Das heißt, einen Themenschwerpunkt setzen, konkrete Vorschläge ausarbeiten und Quellen heranziehen, um beim EWP im März fundiert mitreden zu können. Damit irgendwann ihre Landsleute im heißen Sommer nicht mehr vergeblich auf das kühle Nass aus dem Hahn warten müssen.

Vom 23. bis 25. März diskutieren 70 Schüler und Studenten aus 13 europäischen Ländern beim Europäischen Wissenschaftsparlament (EWP) in Aachen rund ums Thema Wasser. Gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Forschung, Politik, Medien und interessierten Bürgern (insgesamt 120 Teilnehmer) entwerfen die jungen Parlamentarier eine Aachener Erklärung, die an europäische Institutionen weitergegeben wird. Das EWP ist ein Kooperationsprojekt der Stadt Aachen und der RWTH und ist hervorgegangen aus Aachens Bewerbung als „Stadt der Wissenschaft”.

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