Gangelt: Drei Dörfer machen sich fit für die Zukunft

Gangelt : Drei Dörfer machen sich fit für die Zukunft

„Früher reichte es, die Hecken schön zu schneiden und ein schönes Erscheinungsbild zu haben“, erzählt Rainer Mansel. Er ist Ortsvorsteher der Drei-Dörfer-Gemeinschaft Stahe, Niederbusch, Hohenbusch. Früher, da sind alle drei Orte auch schon einmal getrennt beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ angetreten.

Nun sei man aber ganz bewusst als Gemeinschaft angetreten, sagt der Vorsitzende des 2016 frisch gegründeten Dorfvereins, Josef „Jo“ Herings, und auch Rainer Mansel nickt zustimmend.

Der Vorsitzende des Dorfvereins, Josef „Jo“ Herings (l.), und Ortsvorsteher Rainer Mansel an der neu gestalteten Wasserzapfstelle am Friedhof. Foto: Markus Bienwald

„Wir wollen die Dorfgemeinschaft wieder zu einer Gemeinschaft machen“, betont Jo Herings. Und damit ist das erste Ziel bei der Teilnahme des Kreiswettbewerbs zum Dorf mit Zukunft schon formuliert. „Wir hatten eine Zeit lang den Eindruck, dass jeder hier sein eigenes Süppchen kocht, das wollen wir nicht mehr“, so Herings. Deshalb wurden 17 Vereine unter einen Hut gebracht, inzwischen zeigen mehr als 100 Einzelmitglieder, dass der Verein viel Zuspruch hat.

In der Zukunft könnte die frühere Gaststätte „Gerards Mie“ noch lautere Töne für eine starke Dorfgemeinschaft anschlagen. Foto: Markus Bienwald

Erste Früchte wird das Ganze tragen, wenn demnächst die Sommerkirmes ansteht. Dann werden die Festtage zwar weiterhin durch die Schützen und ihre Traditionen geprägt sein, die Klammer um das Fest bildet aber der Titel „Os Dörp“. „Wir wollen ein Dorffest für alle, die hier wohnen und natürlich auch die Gäste daraus machen“, so Mansel.

Beide sind übrigens Männer, die sich schon lange mit ihren Familien in der Dreidörfergemeinschaft niedergelassen haben. Rainer Mansel kam vor vier Jahrzehnten hierher, Jo Herings ist „Ureinwohner“ mit knapp sieben Jahrzehnten in Stahe, Niederbusch und Hohenbusch. Er weiß, wie die Menschen hier ticken, und er weiß, dass es nicht darum geht, die Gemeinschaft mit immer mehr Festen zur Teilnahme am regen Dorfleben zu bewegen.

„Wir setzen vielmehr darauf, dass die bestehenden Feste besser besucht werden“, sagt er. Dafür braucht es natürlich einen festen Platz, und bei großen Schützenfesten oder auch großen Karnevalsveranstaltungen wird das auch in Zukunft ein Festzelt sein. „Trotzdem brauchen wir etwas für die Feste, die nicht über vielstellige Besucherzahlen verfügen“, ergänzt Mansel.

Die einleuchtende Idee zu einem Bürgerzentrum gab es schon vor ein paar Jahren, musste aber aus verschiedensten Gründen wieder verworfen werden. Mit dem neuen Dorfverein lebt die Idee nun nicht nur wieder auf, sie nimmt auch ganz konkrete Formen an und wird so zum Ziel Nummer zwei der Teilnahme am Wettbewerb.

„Wir wollen ein Bürgerhaus schaffen, dazu das bestehende Pfarrheim umbauen und um einen großen Raum erweitern“, sagt Jo Herings. Es soll ganz bewusst keine Halle werden, ein größerer Raum reicht. Dann fügt sich das Ganze nämlich in das gewachsene Ensemble der drei Orte.

Die liegen im Rodebachtal, an der Heide, und beeindrucken durch Landschaft und Ruhe. „Ich wohne gerne hier, weil ich die Ruhe schätze, trotzdem bin ich in zwei Minuten fast überall“, sagt Mansel zu den Vorzügen seines Wohnortes. Und Jo Herings führt Besucher gerne zu einer Stieleiche, die sich zwischen seinem Wohnhaus und der Einrichtung des Verbandswasserwerks Gangelt befindet.

Damit auch die vielen Radler, Spaziergänger und Wanderer, die nicht von Herings persönlich geführt werden, demnächst wissen, was sich da vor ihnen in die Höhe reckt, bekommt der Baum demnächst ein Schild. 3,39 Meter Stammumfang, ein Durchmesser von 1,08 Metern und ein Alter von gut 120 Jahren werden ihm darauf bescheinigt.

Mit viel Zahlenwerk wollen die Menschen in der Drei-Dörfer-Gemeinschaft übrigens nicht beeindrucken, sondern eher mit der Mischung aus Tradition und dem Gedanken an die Zukunft. „Wir haben ohne großen finanziellen Aufwand die Wasser-Zapfstelle am Friedhof so erneuert, dass man dort jetzt wieder gerne sein Wasser abholt“, sagt Jo Herings, und Rainer Mansel dreht den Hahn mit Sehenswertem in den drei Orten kräftig auf: Da gibt es Denkmäler für lokale Bekanntheiten wie „Knure Nöll“.

Da gibt es Kapellen, den „Zwei-Länder-Punkt“ und den von der eigenen Interessengemeinschaft seit mehr als zweieinhalb Jahrzehnten wundervoll gepflegten Spielplatz. Und da gibt es einen Ort, der Geschichte und Zukunft vereinen könnte.

„Gerards Mie“ heißt das Haus, ist weniger Bewanderten in der Ortsgeschichte als ehemalige Gaststätte Gerards bekannt und könnte in der Zukunft neben dem Bürgerhaus das neue Dorfzentrum werden. Wie beliebt der Treffpunkt ist, zeigt sich, wenn die frühere Dorfkneipe und der heutige Bürgertreff wie vor ein paar Wochen für eine Kunstausstellung geöffnet werden.

Eine Werkstatt des aus Stahe stammenden Künstlers Kurt Preuß gibt es hier noch, dazu eine ganze Menge Ideen, wie die eines Treffpunktes mit festen Öffnungszeiten.

„Eigentlich ist das unser zweieinhalbtes Ziel“, sagt Rainer Mansel mit einem Lächeln. „Wir haben viel vor“, betont auch Jo Herings, und beide wissen, dass ein Dorf mit Zukunft sich gerade in Zeiten des demografischen Wandels attraktiv aufstellen muss.

„Darum wollen wir neue Baugebiete entwickeln, die zum Ort passen“, sagt Rainer Mansel. Leerstände gibt es übrigens nicht, alles wird genutzt oder befindet sich im Umbau. Und damit ist das Portfolio für die Wettbewerbsteilnahme tatsächlich prall gefüllt, denn Gedanken um die Zukunft machen sich die Staher, Niederbuscher und Hohenbuscher tatsächlich genug.