Gangelt-Schierwaldenrath: Dreckig, geschlaucht, aber glücklich: Ehrenlokführer der Selfkantbahn

Gangelt-Schierwaldenrath: Dreckig, geschlaucht, aber glücklich: Ehrenlokführer der Selfkantbahn

Man muss es gesehen haben, um es zu glauben: Sieben erwachsene Männer, meist im fortgeschrittenen Alter, sind dreckig, haben harte körperlich Arbeit hinter sich und einige sind um kleinere Brandwunden reicher - alle strahlen!

Wieder haben sich sieben Männer ein ganzes Wochenende lang bei der Selfkantbahn zu Ehrenlokführern ausbilden lassen. Diesmal war mit Jürgen Hampel der 750. Ehrenlokführer dabei. Er, der ehemalige Betriebsingenieur in der Chemieindustrie, hat das abenteuerliche Wochenende von seiner Familie zum 72. Geburtstag geschenkt bekommen.

Mit Glanz in den Augen berichtet er von seiner Begeisterung für die Dampfeisenbahn im Allgemeinen; jetzt ist einfach die Selfkantbahn der neue Favorit in seinem Leben. Natürlich hat auch er eine Modelleisenbahn H0 zu Hause. „Das steht aber alles fein säuberlich in Vitrinen aufbewahrt”, berichtet er davon, dass die Zeit seines Ruhestandes die eines Unruhestandes und er in bürgerlichen Sachen engagiert ist. Bei den 750 Ehrenlokführern waren bisher nur gut eine Handvoll Damen dabei, weiß Günther Steinhauer zu berichten. Er, hauptamtlicher Mitarbeiter bei der Selfkantbahn, ist grundsätzlich für die „Neuen” verantwortlich und geht jeden der vielen Kurse mit der nötigen Ruhe an. Die sieben Kollegen für ein Wochenende trafen sie sich am Freitag bei der Selfkantbahn am Bahnhof in Schierwaldenrath.

Man lernte sich kennen, erfuhr viel über die Geschichte der Selfkantbahn und ließ den Tag in geselliger Runde ausklingen. „Fahren ist einfach, Bremsen ist die Kunst!” Diesen Satz von Günter Steinhauer lernten die sieben Neu-Lokführer schnell in der Praxis kennen.

Natürlich mussten sie am Samstag nach einem guten Frühstück zuerst die Dampflok für die Fahrten des Tages auf Vordermann bringen. Und während im Kessel nach dem Anheizen der nötige Druck aufgebaut wurde, ging es auf den Prüfstand an die Übungsbremse. Spätestens dann zeigte sich, dass das alles beim Auto doch wesentlich einfacher ist. „Aber wir haben ja Günther, der uns über die Schulter schaut”, wusste Jürgen Hampel sich und seine Mitstreiter in sicheren Händen. Nach der nötigen Theorie und nach den vielen vorbereitenden Arbeiten war es dann am Samstagmittag soweit: Die Schüler durften im Bahnhof Schierwaldenrath hin- und herfahren. Später ging es einige Male bis Birgden, einmal bis an die Endstation im 5,5 Kilometer entfernten Gillrath. Am Sonntag werden die Kursteilnehmer dann in den normalen Fahrbetrieb mit eingebunden. Die ganzen Hebel und Instrumente wollen bedient werden. Ein Hebel hat es aber allen Teilnehmern so richtig angetan: „Eigenhängig eine Dampflokomotive zum Pfeifen zu bringen - das hat was”, schwärmt der Jubilar. Für dieses Jahr waren die Angebote schon im Frühjahr ausverkauft. Vermarktet wird das Ehrenlokführer-Angebot durch den Heinsberger Tourist-Service.

„Soweit ich weiß, sind aber für 2012 noch Plätze haben”, konnte Steinhauer die Gäste der Selfkantbahn am Wochenende beruhigen, die sich nun auch mit dem Gedanken tragen, auch bald mit dieser wunderbaren blauen Eisenbahnermütze nach Hause zu gehen, die jeder Teilnehmer als Andenken an ein Wochenende mit Schutz, Hitze und harter Arbeit erhält.