Podiumsdiskussion: Diskussion über die Zukunft Europas

Podiumsdiskussion : Diskussion über die Zukunft Europas

„Mehr oder weniger Europa“ hatte der Titel einer Podiumsdiskussion in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen gelautet. Die Runde hatte in der Aula der Schule im April stattgefunden. Nun gab es eine Neuauflage unter dem Titel „Die Zukunft Europas“.

Schülervertreter Jan Birkmann hatte nach der ersten Veranstaltung aus der Schülerschaft die Rückmeldung bekommen, dass die Runde wohl etwas zu glatt abgelaufen sei. Die Diskutierenden auf dem Podium seien sich wohl alle einig gewesen. Jan Birkmann hatte damals sogar Impulse für eine Neuauflage von Schülern bekommen, die sich sonst eher wenig für Europa interessieren.

Hans Bruckschen moderiert

Jens Sannig, Evangelischer Kirchenkreises Jülich, SPD-Politiker Norbert Spinrath, und Jutta Gebhart, Pulse of Europe, hatten damals mit Jan Birkmann auf dem Podium Platz genommen und unter der Moderation von Lehrer Hans Bruckschen debattiert. Wohl auch um der Diskussion etwas Pfeffer zu geben, hatte man diesmal mit Jürgen Spenrath einen Vertreter der AfD eingeladen. Spenrath ist stellvertretender Sprecher des Landesverbands NRW und Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag.

Hans Bruckschen hatte wieder die Moderation übernommen und verteilte großzügig das Wort an Norbert Spinrath, Vorsitzender des SPD-Kreisverband, den CDU-Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers, Jürgen Benden, Sprecher der Geilenkirchener Grünen und Adalbert Wolynski aus dem Lehrerkollegium der Gesamtschule.

Der sicherlich interessanteste Teil der Podiumsdiskussion startete leider erst, nachdem sich das Podium anderthalb Stunden ohne die Schüler ausgetauscht hatte. Abgehandelt wurden die üblichen Themenfelder. Klimaschutz und Flüchtlingsströme standen ganz oben an.

AfD-Vertreter Jürgen Spenrath wurde seiner Rolle insofern gerecht, als er mit ein paar sperrigen Ansichten den Buhmann spielte. Wenn er es mal zu doll trieb, holte ihn Wilfried Oellers in seiner ruhigen, sachlichen Art wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, indem er ihm empfahl, doch erst einmal seine Hausaufgaben zu machen.

Schüler intensiv vorbereitet

Etwa bei der Stationierung des Bundesgrenzschutzes im Kreis Heinsberg, die Spenrath als „Wahlversprechen“ von Oellers karikieren wollte, woraufhin Wilfried Oellers Spenrath die Zeitungslektüre ans Herz legte. Dort hätte er gerade lesen können, dass die Ansiedlung des Bundesgrenzschutzes im Kreis bereits auf den Weg gebracht sei.

Einige Schüler hatten sich intensiv auf die Podiumsdiskussion vorbereitet und ihre Fragen an die Runde gründlich recherchiert. Doch den AfD-Politiker mit ein paar gezielten Nadelstichen zu düpieren, gelang dann doch nicht so leicht.

Mit dem Begriff „Festung Europa“ wollte man Spenrath festnageln. Das wäre nur ein Schlagwort, das man der AfD angehängt habe, argumentierte Spenrath. Es würde allerdings im Wahlkampf schon mal gerne von Kollegen eingesetzt, da ginge es halt etwas rüder zu. Jürgen Benden fasste sich immer wieder kurz, um auch möglichst viele Schüler zu Wort kommen zu lassen.

Initiativrecht gefordert

Sozialdemokrat Norbert Spinrath unterstützte einen entscheidenden Wortbeitrag von Jan Birkmann, bekennender Fan einer europäischen Republik. Birkmann forderte, es sei an der Zeit, dass das Europäische Parlament endlich ein Initiativrecht erhalte. Adalbert Wolynski stritt temperamentvoll für die Europäische Idee. Und ohne der AfD nun noch mehr Aufmerksamkeit schenken zu wollen, darf die schöne Formulierung einer redegewandten Schülerin zur Einleitung einer Frage an Jürgen Spenrath an dieser Stelle nicht fehlen: „Wenn ich sie jetzt wählen wollen würde, was ich aber nicht tun wollen würde - und auch nicht tun werde…“

Es ging bei der Frage um die Braunkohle und den Klimaschutz. Wählen wird die Schülerin die AfD sicherlich auch nach der Beantwortung ihrer Frage nicht. Spenrath hatte gemeint, mit einem Denken à la Pippi Langstrumpf käme man nicht weit.

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