Geilenkirchen: „Diese Menschen werden ein Gewinn sein“

Geilenkirchen: „Diese Menschen werden ein Gewinn sein“

Der erste Teil ist geschafft, manche der 19 Kursteilnehmer haben ihn sogar mit Bravour bewältigt. Fünf Tage in der Woche haben 19 Flüchtlinge vier Monate lang Deutsch gelernt. Denn Hanno Frenken, Geschäftsführer der Franziskusheim gGmbH, hatte im vergangenen Jahr ein ehrgeiziges und in der Region einmaliges Projekt ins Leben gerufen.

Zunächst sollten 19 Flüchtlinge in einem Intensivkurs die deutsche Sprache lernen. In dem Kurs ging es aber nicht nur um Wortschatz und Grammatik allein, auch kulturelle Aspekte wurden berücksichtigt.

In einem zweiten Schritt sollen die Flüchtlinge im Unternehmen beschäftigt werden, um sie dann in der Stadt zu integrieren. Der erste Schritt ist getan. Wie erfolgreich die Arbeit von Julia Lange, Projektleiterin für die Franziskusheim gGmbH, und ihrem Dozententeam mit Hedwig Geiser, Heinz Krings, Gerd Corsten, Anika Evertz und Renate Maaßen war, stellten die Kursteilnehmer in der letzten Unterrichtsstunde am Donnerstag in gutem Deutsch unter Beweis.

„Zunächt war ich etwas unsicher und auch skeptisch, ob dieses Projekt erfolgreich durchgeführt werden könnte. Ich bin eines Besseren belehrt worden“, erklärte Heinz Krings, früherer Schulleiter der Katholischen Grundschule Teveren. Hedwig Geiser, die Orientalistik studiert hat, in der Erwachsenenbildung tätig war und sich nach einer Familienphase in diesem Projekt als Dozentin engagiert, hat auch für sich viel gelernt: „Der Flüchtlingsstrom bekommt ein Gesicht. Auf diesen Zustrom kann man nur mit Menschlichkeit antworten. Man lernt hier perönliche Geschichten kennen und nimmt sie mit nach Hause.“

Alle Beteiligten loben nicht nur die Kameradschaft und Hilfsbereitschaft in der bunt gemischten Schulklasse, sondern auch das gute Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern. So hatte sich eine Asylbewerberin während der Projektphase den Fuß gebrochen und wurde von den Dozenten Tag für Tag zu Hause in Neu-Teveren zum Unterricht abgeholt und anschließend wieder nach Hause gefahren. Auch nach dem Unterricht standen die Dozenten ihren Schützlingen zur Seite: Bei Behördengängen oder Übersetzungsarbeiten war ihr Rat gefragt.

Nach der Theorie kommt nun die Praxis dazu. Die Teilnehmer aus Syrien und Afghanistan, aus Pakistan, Ägypten und dem Iran, aus Ghana und Albanien werden nun noch einmal in der Woche unterrichtet und arbeiten an vier Tagen in der Franziskusheim gGmbH. Hier werden sie im haustechnischen Bereich, in der sozialen Betreuung der Bewohner, in der Pflege, in den Küchen und in der der Wäscherei eingesetzt.

„Sie haben nach dem Praktikum die Chance, einen Arbeits- oder sogar Ausbildungsplatz zu erhalten“, versichert Projektleiterin Julia Lange. In diesem Wunsch bestärkt sie auch Yvonne Wolf, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Geilenkirchen, die die Franziskusheim gGmbH bei diesem Projekt nach Kräften unterstützt. „Das würden wir natürlich unterstützen. Es hat auch schon erste Gespräche über eine Fortführung gegeben“, sagt sie und hofft auf weitere Spenden auf das Spendenkonto (Kontobezeichnung: Flüchtlingshilfe Franziskusheim, IBAN: DE2531251220 1401046881, BIC: WELADED1ERK).

Dieses Geld ist für die Bezahlung der Dozenten und für die Beschaffung des Unterrichtsmaterials bestimmt. „Die Franziskusheim gGmbH hat ein großes personelles Engagement in das Projekt gesteckt“, sagt sie, bedauert aber, dass es einzigartig ist. „Viele Firmen sehen nur ihren Gewinn.“

Auch Heinz Krings hofft auf eine Fortführung: „Diese Menschen werden ein Gewinn sein. Diese Herzlichkeit und diese Freundlichkeit waren mir hier bislang fremd.“