Übach-Palenberg: Die Weichen für das Baugebiet Mariental sind gestellt

Übach-Palenberg : Die Weichen für das Baugebiet Mariental sind gestellt

Es gab in den vergangenen Jahren nun einige Themen in Übach-Palenberg, die von großer Bedeutung waren, die Wasserkonzessionen, die Propaganda-Affäre und natürlich die Derivatgeschäfte. Mal erschienen zu den öffentlichen Sitzungen wenige Zuschauer, mal nicht ganz so wenige.

Doch nie waren es auch nur annäherend so viele wie am Dienstagabend, als das Baugebiet Mariental auf der Tagesordnung stand: Dicht an dicht drängten die Zuschauer sich, und obwohl noch zusätzliche Stühle herangeschafft wurden, mussten viele stehen.

Im Wesentlichen kam dann alles wie angekündigt: Rahmenplanung, Flächennutzungsplan und Bebauungsplan wurden mit den Stimmen von CDU und FDP-USPD beschlossen. Außerdem wurde die S-Bauland GmbH als Investor beauftragt.

Ebenso zu erwarten gewesen war die engagierte Diskussion, die jedoch relativ früh von CDU-Sprecher Josef Fröschen mit dem Hinweis abgebrochen wurde, es solle endlich abgestimmt werden.

Neu ins Spiel gebracht worden war zuvor hingegen, dass das Wäldchen in der Mitte des Plangebiets zu einem Naturschutzgebiet werden könnte. Dies brachte Ulrich Haese vor, der zurzeit ein Artenschutzgutachten erstellt und dazu einen „Zwischenbericht“ zur Kenntnis brachte. Bislang handelt es sich bei der kompletten Fläche lediglich um ein Landschaftsschutzgebiet.

Eine gewissen Rücksichtnahme könnte Haese zufolge im Bereich der ehemaligen Kiesgrube westlich des Wäldchens, dann zwischen Wäldchen und Marienstraße im Norden und schließlich in Richtung Valkerhofstadt vonnöten sein. Es wurden nämlich bereits geschützte Fledermausarten entdeckt. Zumindest aus Reihen der Opposition und der Zuschauer wurde mit einem gewissen Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass der Sachverständige bereits seit April tätig ist. Dabei hatte die CDU erst im Mai beantragt, dass ein Gutachten in Auftrag gegeben werden soll.

Ablauf neu überdenken

So klar die Aussage des Gutachters, so unterschiedlich die daraus gezogenen Schlüsse: Während der SPD-Fraktionsvorsitzende Alf-Ingo Pickartz ableitete, dass „der Ablauf des Verfahrens neu überdacht werden“ müsse, wurde er vom Wirtschaftsförderer Heinz Waliczek eines Besseren belehrt. Der verstand den Zwischenbericht so: „Es gibt zwar schwerwiegende Eingriffe, aber nicht so schwerwiegend, dass sie nicht lösbar sind. Das ganze Verfahren dient ja gerade dazu, diese Probleme zu lösen.“ Gutachter Haese pflichtete dem bei: „Wir müssen in ein Verfahren einsteigen, um Dinge prüfen zu können, sonst gibt es ja gar keine Rechtsgrundlage.“

Auch wenn konkrete Zahlen nicht genannt wurden, deutete sich deutlich an, dass das Baugebiet de facto nicht so groß wird, wie die Verwaltung selbst es noch im Dezember angekündigt hatte. Damals hatte ein Architekt 175 Grundstücke in Aussicht gestellt. Heinz Waliczek betonte zudem, dass es noch viele Unwägbarkeiten gebe, beispielsweise die Grundstückskäufe. Es gebe Eigentümer, die bereits signalisiert hätten, dass sie an einem Geschäft nicht interessiert seien. Daran, dass SPD und Grüne als die beiden größeren Oppositionsfraktionen alle vier Anträge zu Mariental ablehnten, änderte dies jedoch nichts.

Nur bei Wolfgang Bien von der UWG scheint die jüngste Entwicklung Eindruck zu hinterlassen. Im Dezember hatte der pensionierte Architekt einen eindringlichen Appell gegen das damals noch namenlose Baugebiet verlesen, am Dienstag wirkte er nun schon entspannter. Allerdings machte Bien deutlich, dass er die Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung in keiner Weise nachvollziehen kann. „Sie und große Teile der CDU haben Informationen völlig falsch transportiert. Diesen Aufbau von Emotionen hätte es doch niemals geben müssen“, sagte Bien. „Heute habe ich das Gefühl, wir wollen alle etwas Ähnliches.“

Wolfgang Bien stimmte dann gegen die Rahmenplanung, die Mariental im Ganzen umfasst, enthielt sich bei den Abstimmungen zu Flächennutzungsplan und Bebauungsplan für den ersten Bauabschnitt westlich vom Grenzweg und stimmte für die Beauftragung der S-Bauland GmbH als Erschließungsträger.