Übach-Palenberg: Die Vogelspinne läuft sogar über die Köpfe der Schüler

Übach-Palenberg: Die Vogelspinne läuft sogar über die Köpfe der Schüler

Selten dürfte es so viel Bewegung im Unterricht gegeben haben, wie beim jüngsten Besuch von Dr. Stefan Loksa in der Willy-Brandt-Gesamtschule. Denn die Schüler rückten mit ihren Stühlen am Anfang der Spinnenstunde sichtbar weiter nach hinten, später aber standen sie auf und ließen sich gerne eine Vogelspinne auf die Hand setzen.

Das klappte auch, weil der Düsseldorfer Dr. Loksa nicht nur ein deutschlandweit gefragter Spinnenexperte ist. Er hatte für sein Gastspiel im naturwissenschaftlichen Trakt der Schule auch ein paar lebende Beispiele seines Fachgebietes Arachnologie mitgebracht.

Auch beim genaueren Hinsehen konnte Celina Holländer keine Gefahr entdecken, die von der Vogelspinne auf ihrer Hand ausging.

Kleine Krabbeltiere

Aus einer blauen Kühlbox, die angesichts der frostigen Temperaturen dank Warmwasserfüllung an diesem Morgen die Funktion einer Wärmebox für die empfindlichen Tiere übernimmt, holt er zunächst kleine Krabbeltiere hervor. „Das ist eine Nachtradnetzspinne“, sagt er, hält ein kleines transparentes Kunststoffröhrchen hoch und erklärt den Damen und Herren des Bio-Kurses der achten Klassen, dass dieses nachtaktive Tier immer dann arbeitet, wenn die Welt schläft. „Tagsüber wäre es wegen seiner schwarzen Farbe für Feinde zu gut zu erkennen“, so Dr. Loksa weiter.

Wie vertrocknete Blätter

Dass Spinnen auch wie vertrocknete Blätter aussehen können, um sich vor ihrer Beute zu tarnen oder die Tarantel sich auf den Rücken werfen kann, um mithilfe von Mimikri eine Wespe vorzutäuschen, interessiert Noah Dohmen aber weniger. Der junge Mann leidet nach eigenen Worten unter einer ernsten Spinnenphobie und rückt immer weiter nach hinten in den Kursraum.

Und Noah zuckt zusammen, als eine der kleinen Spinnen beim Öffnen versehentlich auf den Boden fällt. Dass Dr. Loksa die friedliche Spinne wieder einsammelt, bekommt er schon gar nicht mehr mit, denn noch vor dem Auspacken der Vogelspinne ist Noah aus dem Raum verschwunden. Und auch die anderen jungen Übach-Palenberger scheinen erst ein wenig Scheu gegenüber dem doch fast handtellergroßen Tier zu sein.

Neugier der Kinder

Der Experte kennt aber die Neugier der Kinder, weiß, dass die anderen gerne mitmachen, wenn nur einer sagt, dass er die Spinne gerne mal auf der Hand hätte. Sophia Köhler und Celina Holländer sind sofort dabei, sie dürfen das Tier als erste auf die Hand nehmen. „Die ist voll weich“, sagt Sophia, und Celina krault das friedliche, sich langsam auf der Hand fortbewegende Tier ganz leicht mit dem Daumen. Und ganz nach dem Motto „Wer hat noch nicht, wer will nochmal?“ kommen nach und nach alle Anwesenden in den Genuss, einmal eine echte lebende Vogelspinne auf der Hand zu haben.

„Wer will, kann sie sich auch auf den Kopf setzen“, sagt der Spinnenexperte und führt den Trick den staunenden Teenagern vor. Die zögern nicht lange, gehen ganz nah ran mit ihren Smartphones und posten sofort Fotos, was das Zeug hält.

Meike Hamacher und Yannick Rix lassen die Spinne auch gerne mal auf ihrem Kopf sitzen. „Das ist nicht so einfach, schließlich sehe ich das Tier dann nicht und muss fühlen, wie es über meinen Kopf läuft“, sagt Stefan Loksa dazu.

Spiegelglatte Flächen

Ganz nebenbei lernen die Kinder noch, dass Spinnen mit Hilfe von Feuchtigkeit auch auf spiegelglatten Flächen laufen können oder warum Spinnen so wichtig für das empfindliche Ökosystem der Erde sind. „Gäbe es auf einen Schlag keine Spinnen mehr, hätten die übrigen Insekten nach sechs Monaten unsere Erde komplett leergefressen“, erklärt Dr. Loksa. Spinnen sorgen für den Ausgleich, so wusste der Fachmann, dass beispielsweise eine rund ein Gramm schwere Kreuzspinne täglich eine Menge von Insekten verputzt, die ihrem Körpergewicht entsprechen.

Da war es ganz gut, dass er mit seinem Spinnen-Live-Programm nicht nur zur Aufklärung beitrug, sondern auch zeigte, dass die Angst vor der Spinne nicht berechtigt sein muss. „Zumal selbst giftige Spinnen meist nur Giftcocktails für ihre Opfer mixen können, die für Menschen völlig harmlos sind“, schloss er.

(mabie)
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