Schierwaldenrath: Die Selfkantbahn reizt auch Jüngere

Schierwaldenrath: Die Selfkantbahn reizt auch Jüngere

Man sollte in diesen Tagen und Wochen nicht über das Wetter reden. Unabhängig davon war beim Saisonstart der Selfkantbahn ja fast alles wie in den zurückliegenden Jahren auch. Es fiel allerdings auf, dass Helmut Kommans anders als sonst die Türe zum Fahrkartenschalter immer schön geschlossen hielt, in der Museumshalle gab es auch nicht den üblichen Durchzug und auffallend viele Selfkantbahner hielten sich im oder nah am Führerstand der beiden Dampflokomotiven auf — dort wurde nämlich kräftig geheizt, um die Kessel auf Betriebstemperatur zu bekommen.

Einen echten Eisenbahnfreund hält das alles natürlich nicht vom alljährlichen Eröffnungsbesuch bei der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr (IHS) ab. Dabei gab es diesmal am „Hauptbahnhof“ in Schierwaldenrath wenig Neues zu bestaunen.

Gerard Teeling (71) ist von Anfang an bei der Selfkantbahn dabei; Detlef Boettcher (61) erst seit zwei Jahren. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Nachdem Helmut Kommans sein Nikolauskostüm eingetütet hatte und der Betrieb bei der Eisenbahn seit Weihnachten endgültig ruht, wurde in den zurückliegenden Monaten viel Arbeit in das neue Bahnhofsgebäude und die Schienen in Gillrath investiert. „Wenn alles gut geht und wir mit dem Innenausbau vorankommen, werden wir Pfingsten dort öffnen“, so Kommans.

Auffallend war am Wochenende, wie viel junges Personal in dem rund 30-köpfigen Oster-Eisenbahnerteam zu finden war. Sicher ein Zeichen dafür, dass es neben der Leidenschaft für Computer, Playstation und Handy auch immer noch den Drang zum Mechanischen gibt. Und mechanisch ist bei der Selfkantbahn nahezu alles. Das sieht man zum Beispiel bei einem Blick ins Führerhaus der „Schwarzach“ und der „Haspe“, die sich neben dem Einsatz einer Diesellok die Arbeit auf der Strecke Schierwaldenrath-Gillrath-Schierwaldenrath teilten.

Die Bedienelemente aus gepflegtem Messing verlangen ebenso Handarbeit, wie das Kohleschippen. Das hat Gerard Teeling (71) lange hinter sich. Der ehemalige Mitarbeiter der niederländischen Staatsbahn ist von Anfang an bei der Selfkantbahn dabei und kann auf einen großen Erfahrungsschatz zurückblicken. Er gehört zu den bekanntesten Gesichtern auf dem Bahnhof in Schierwaldenrath und kann Detlef Boettcher (61), der erst seit zwei Jahren Mitglied im Verein ist, führend an die Hand nehmen.

An die Hand zu nehmen brauchte Wim Pater seine Söhne Pascal und Maurice nicht. Er besitzt etwas, von dem jeder Eisenbahnbegeisterte träumt: eine eigene Dampflokomotive, die seit gut einem Jahr bei der IHS zu Gast ist. Die Lok, die 1894 bei Krauss in München gebaut wurde und schon mehr als ein Dutzend Stationen in ihrem Arbeits-, beziehungsweise Ausstellungsleben hinter sich hat, präsentierte sich quasi fabrikneu, das heißt, umfangreich restauriert und in allen Teilen auf Hochglanz poliert. Sechs Tonnen Gewicht werden von rund 60 PS vorangetrieben.

Trend Richtung Digitalisierung

Im Kleinen, also bei den Modelleisenbahnen, geht der Trend deutlich in Richtung Digitalisierung. Das heißt aber nicht, dass man alle analogen Lokomotiven und Wagen wegwerfen muss. Hans Frenken gehört zu den Fachleuten, die mit kleinen elektronischen Teilen, Pinzette und Lötkolben altes Gerät für die digitale Anlage fit machen.

Während draußen auf dem Bahnhof die Haspe fährt und die Schwarzach — mit Ostermotiven bemalt — von Gillrath zurück kommt, redet Liselotte Kommans mit den Gästen darüber, dass vor fünf Jahren bei der Eröffnungsfahrt sogar einmal Schnee gefallen ist. Das bringt ihren Mann Helmut wiederum auf eine Idee: „Einen Schneepflug haben wir noch nicht“, sinniert er mit Blick auf den umfangreichen Fuhrpark der Bahn, der teilweise schon restauriert ist. Nicht wenige Stücke werden aber auch noch Jahre auf ihren Wiedereinsatz warten müssen.

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