Diskussion zum Grünen-Antrag: Die Schaufenster des „Grauens“ im Blick

Diskussion zum Grünen-Antrag : Die Schaufenster des „Grauens“ im Blick

„Jeder Leerstand ist einer zu viel. Manches leer stehende Ladenlokal sieht aus wie eine Immobilie des Grauens“, begründete Geilenkirchens Grünen-Fraktionschef Jürgen Benden seinen Antrag, eine Initiative zur Entwicklung von kreativen Schaufensterkonzepten zu starten.

„Die ungepflegten und teilweise verwahrlosten Schaufensteranlagen der bestehenden Leerstände treten äußerst negativ in Erscheinung und belasten das Geilenkirchener Stadtbild sehr“, schreibt Benden in seinem Antrag und regt an, „eine fraktionsübergreifende Initiative zu starten, um diesem untragbaren Zustand entgegenzuwirken“. Die Politik solle parteiübergreifend mit dem Aktionskreis unter der Schirmherrschaft der städtischen Wirtschaftsförderin Susanne Köppl Hilfestellung leisten, kreativ an die Sache herangehen und ohne Denkverbote die Stadt schöner und schicker zu gestalten. „Das macht vielleicht auch anderen Geschäftsleuten Lust, sich hier niederzulassen.“

Versuch vor zwei Jahren

Dieser Argumentation wollte sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung nicht anschließen. Susanne Köppl habe vor zwei Jahren schon einmal einen solchen Versuch gestartet, der sei nicht erfolgreich gewesen, meinte Manfred Schumacher (CDU). „Manche Immobilienbesitzer machen den Leerstand öffentlich und wollen zeigen, dass der Laden zu haben ist“, sagte Schumacher. Er schlug vor, keinen Arbeitskreis zu bilden, vielmehr solle die Wirtschaftsförderin einen neuen Versuch starten.

Auch Marko Banzet (SPD) meinte, die Politik könne nicht viel tun, das sei Sache der Eigentümer. Es habe schon mehrere Versuche des Aktionskreises gegeben. Jörg Stamm, sachkundiger Bürger der CDU, meinte, die Idee sei richtig, könne aber nur im Gespräch mit einzelnen Hausbesitzern umgesetzt werden. Er habe die Erfahrung gemacht, dass manchmal sogar noch Ansprüche gestellt würden ohne bereit zu sein, etwas zu zahlen.

Keine gemeinsame Aktion

„Das ist ein Offenbarungseid der Stadt. Hier heißt es: Wir wollen nichts machen, wir können nichts machen. Aber es hat noch keine Aktion gemeinsam mit dem Aktionskreis und den Immobilienbesitzern stattgefunden“, ärgerte sich Benden.  In leer stehenden Schaufenstern könne man mit Lichteffekten arbeiten, man könne die Geschichte der Stadt darstellen. „Es ist natürlich einfach zu sagen, das haben wir schon gemacht. Wir dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken“, findet Benden vor.

Schumacher konterte: „Das erinnert mich an Kommunismus: Wir müssen für andere denken. Ich weiß nicht, ob ein Immobilienbesitzer sich von einer Partei erklären lassen will, was er zu tun hat.“ CDU-Fraktionschef Max Weiler schlug einen Kompromiss vor: „Wir bilden keine Arbeitsgemeinschaft. Wir müssen Leute finden, die bereit sind, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Wir machen eine Auftaktveranstaltung, laden alle Immobilienbesitzer ein und schauen was kommt.“

Auch Bürgermeister Georg Schmitz meldete sich zu Wort: Nach einjähriger Amtszeit habe er die Besitzer von Leerstandsobjekten eingeladen. 80 Prozent  seien der Einladung gefolgt, einige hätten nach dem Gespräch ihre Mieten gesenkt, andere hätten sich quer gestellt. Es sei auch um die Verschönerung der Schaufenster  gegangen. „Damals hatten wir noch fünf oder sechs leere Läden, die gibt es heute nicht mehr. In der 1a-Lage rund um den Marktplatz gibt es außer Tchibo kein leer stehendes Geschäft. Tchibo verkauft schon 50 Prozent seiner Waren im Internet, dieser Trend wird sich fortsetzen.“

Die Immobilienbesitzer, die 2016 ihre Schaufenster nicht verschönert hätten, hätten ihre Ladenlokale trotzdem vermietet. Benden sprach die „Qualität“ so manches Geschäftes in der Innenstadt an: „Ob durch diese Geschäfte in Geilenkirchen ein Einkaufserlebnis geschaffen wird, ist die Frage.“ In Richtung Schmitz meinte der Grünen-Fraktionschef: „Wenn Sie die Gerbergasse mit Buchhandlung, Musikgeschäft, Feinkost- und Elektrohändler als 1b-Lage bezeichnen, ist das für die Einzelhändler ein Schlag ins Gesicht.“

Für die Fraktion „Für GK!“ meinte der sachkundige Bürger Dr. Wilfried Plum: „Wir werden keinen zwangsbeglücken können. Wir sollten den weniger aufwändigeren Weg gehen.“ Und auch Ausschussvorsitzender Karl-Peter Conrads meinte: „Dem könnte sich der neue Vorstand des Aktionskreises annehmen. Das sind die Leute, die etwas davon verstehen.“ Mit elf Nein-Stimmen wurde der Antrag der Grünen bei sechs Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt.

„Alte Post verschoben“

Verschoben wurde bei dieser Ausschusssitzung gleich der erste Tagesordnungspunkt: Es ging um den Bebauungsplan „Alte Post“. Auf dem Areal der ehemaligen Post sollen Wohnungen und Geschäftslokale entstehen. Laut Baugesetzbuch müssen die Öffentlichkeit, Behörden und Träger öffentlicher Belange beteiligt werden. Wie Ausschussvorsitzender Karl-Peter Conrads mitteilte, soll das gelände neu geplant werden. Erst dann wird sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung wieder mit dem Thema beschäftigen.

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