Geilenkirchen: Die Polizei rät: „Am besten direkt in den Papierkorb damit!

Geilenkirchen: Die Polizei rät: „Am besten direkt in den Papierkorb damit!

„Sie haben 5000 Euro gewonnen, herzlichen Glückwunsch!”, steht auf dem gelb-weißen Blättchen geschrieben, das eine Frau aus Geilenkirchen kürzlich in ihrem Briefkasten fand.

In der „offiziellen, persönlichen Gewinnbenachrichtigung” wird ihr versprochen, dass sie die Auszahlung in Bar bei einer Kaffeefahrt erhalten wird. Und das ist noch nicht alles: Obendrauf ist die Teilnahme an der Fahrt kostenlos.

Es werde ein Luxus-Reisebus bereitgestellt, ein kostenloses leckeres Frühstück, ein kostenloses Freigetränk, und und und... Die angeblich glückliche Gewinnerin könne außerdem drei Personen ihrer Wahl mitbringen. Natürlich ebenfalls kostenlos.

Die benachrichtigte „Gewinnerin” und ihr Ehemann wurden ob der vielen Versprechungen zurecht skeptisch. Im Internet entdeckten die beiden sämtliche Warnhinweise, als sie den Veranstalter über Google suchten.

Warnungen sprechen auch die Verbraucherzentrale NRW und die Kreispolizeibehörde Heinsberg aus. „Benachrichtigungen über vermeintliche Gewinne werden massenhaft verschickt und dienen unter anderem dem Vertrieb von Reiseleistungen”, erklärt die Juristin Beate Wagner, die für die Homepage der Verbraucherzentrale Informationen zusammengestellt hat. Was passiert eigentlich, wenn die benachrichtigten „Gewinner” an der Fahrt teilnehmen?

Nach den Erfahrungen der Polizei werden sie an unbekannte Orte gefahren, damit sie dort an nicht genehmigten Verkaufsveranstaltungen teilnehmen. Was zunächst noch in einer lockeren und angenehmen Atmosphäre stattfinde, ende meist mit dem Kauf von überteuerten und minderwertigen Waren. Und was passiert mit dem versprochenen Gewinn? Der könne nur durch „Verrechnung” mit der angebotenen Ware beansprucht werden, berichtet die Polizei. Am Ende blieben sehr hohe Summen übrig, die der Teilnehmer zahlen müsse.

„Anschriften und Telefonnummern des Veranstalters sucht man auf diesen Schreiben vergebens”, sagt Karl-Heinz Frenken von der Pressestelle der Polizei Heinsberg. Bei der Firmenbezeichnung handele es sich um Phantasienamen einer Gruppierung, die sich auf Kaffeefahrten spezialisiert hat. „Die Veranstalter agieren oft auch unter verschiedenen Namen, sind darin sehr raffiniert und erfinderisch”, weiß Frenken.

Das Problem der mangelnden Greifbarkeit der Anbieter ist auch der Verbraucherzentrale NRW bekannt. Die Anbieter würden häufig die Firmen wechseln, hätten lediglich Postfachadressen oder würden im Ausland sitzen. Dieser Umstand verhindere eine effektive Durchsetzung von wettbewerbsrechtlichen Unterlassungsansprüchen.

Strafrechlich lasse sich den Veranstaltern meist nichts nachweisen, sagt Karl-Heinz Frenken. „Sie bewegen sich meist zwar an der Grenze, aber noch im legalen Bereich.”

Oft würden sie zum Beispiel mit den Leuten ins benachbarte Ausland fahren, da greife dann das deutsche Rechtssystem nicht mehr. Friedrich Mathieu vom Heinsberger Kommissariat Vorbeugung rät daher, die Briefe erst gar nicht zu lesen: „Am besten direkt in den Papierkorb damit! ” Weitere Tipps siehe Kasten.

Nicht auf die Tricks der Anbieter hereinfallen

Die Kreispolizeibehörde Heinsberg teilt mit: Reagieren Sie nicht auf Gewinnmitteilungen von Firmen, die sie nicht kennen.

Sollten Sie sich bereits zu einer solchen Fahrt angemeldet haben, informieren Sie die Polizei über Abfahrts- und Veranstaltungsorte sowie Ihnen bekannte Telefonnummern des Unternehmens.

Informieren Sie die Polizei, wenn Sie gegen Ihren Willen bei einer Verkaufsveranstaltung festgehalten werden.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, geben Sie keine persönlichen Daten bekannt und leisten Sie keine Unterschriften.

Wenn Sie Zweifel an der Seriosität der Veranstaltung haben, informieren Sie sich beim Kommissariat Vorbeugung unter Telefon 02452 - 92 00 oder bei der Verbraucherzentrale.