Geilenkirchen: Die irren Maschinen des Modell-Flug-Clubs Ikarus

Geilenkirchen : Die irren Maschinen des Modell-Flug-Clubs Ikarus

Angefangen hat alles im Jahr 1958 mit der Luftsportvereinigung Selfkant. Hier waren noch Modellflieger und bemannte Flugzeuge auf dem Fliegerhorst in Teveren vereint. Aus der Luftsportvereinigung ging der Modell-Flug-Club Ikarus Geilenkirchen hervor, kurz MFC.

Damals schon bekam der MFC seinen Flugplatz in Rischden von der Stadt zur Verfügung gestellt. Diesen Platz darf er heute noch als Vereinsstätte nutzen.

Thomas Nacken hat einen Jet nachgebaut, der es auch als Modell auf 300 Stundenkilometer bringt. Foto: Fischer

Die Vereinsmitglieder Wolfgang Chudziak und Rainer Krasemann haben die Ausstellung in der Sparkasse mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Auch mit Leihgaben wird die Entwicklung des Modellflugs in den vergangenen 60 Jahren authentisch dargestellt. Ein Hingucker der Ausstellung ist eine Superconstellation der Lufthansa.

Links: Rainer Krasemann (l.) und Wolfgang Chudziak haben auch Modelle der Jugendabteilung in die Ausstellung zum 60jährigen Jubiläum des MFC Ikarus aufgenommen. Rechts: DieserHubschrauber verfügt über Flugeigenschaften, die das Original nicht aufweisen kann. Beim Jubiläumsflugtag wird er es beweisen. Foto: Fischer

Dieses Modell wurde 1960 vom unvergessenen Vereinsmitglied Willi Hübgens aus Geilenkirchen gebaut und vom MFC Ikarus in mühevoller Kleinarbeit restauriert. Angetrieben wird es von vier Rasant Dieselmotoren mit je 2,5 Kubikzentimeter. Dieses Flugzeugmodell, auch Superconny genannt, war als Fesselflugmodell ausgelegt und entwickelte bei sieben Kilo Abfluggewicht enorme Fliehkräfte.

Links: Rainer Krasemann (l.) und Wolfgang Chudziak haben auch Modelle der Jugendabteilung in die Ausstellung zum 60jährigen Jubiläum des MFC Ikarus aufgenommen. Rechts: DieserHubschrauber verfügt über Flugeigenschaften, die das Original nicht aufweisen kann. Beim Jubiläumsflugtag wird er es beweisen. Foto: Fischer

Wolfgang Chudziak verweist mit etwas Stolz darauf, dass der MFC Ikarus deutschlandweit der einzige Modellflugclub sei, der noch über eine intakte, betonierte Fesselflugbahn verfüge. Der Fesselflug bot dem Modellflug-Piloten die Möglichkeit, seine Maschine auch ohne Funksteuerung zu fliegen. Das Modell war mit dem Piloten über zwei dünne Drähte verbunden. Ein Draht führte zum Höhenrunder und erlaubte somit Flugbewegungen.

Der Fesselflug stand ganz am Anfang der 60jährigen Vereinsgeschichte des Modell-Flug-Club Ikarus. Zwei Stahldrähte statt Funksignale hielten damals den Flieger auf Kurs. Foto: Fischer

Chudziak kann sich noch gut an die Anfänge seiner Modellflugleidenschaft erinnern. Als Junge war er von Heinsberg mit dem Bus nach Rischden gefahren. Mit dem kleinen Uhu (einem einfachen Modellflugzeug) unter dem Arm ging er dann zum Fluggelände. „Mit jedem Schritt, der mich dem Flugplatz näher brachte, schlug mein Herz schneller“, sagt Wolfgang Chudziak. Diese Leidenschaft hat er sich bis heute bewahrt. Sein Vereinskamerad Rainer Krasemann ist weniger Pilot als Bastler. Das Fliegen überlässt er gerne mal seinem Sohn. Sein Herz schlägt schneller, wenn es um Verbrennungsmotoren geht. Diese werden derzeit mit und mit von Elektromotoren abgelöst.

Oder man geht gleich aufs Ganze und setzt auf Turbinen, wie der Vereinsvorsitzende Thomas Nacken. In der Sparkasse ist sein Jet zu sehen. Die Futura im Tomahawk Design beeindruckt schon am Boden. „Königsklasse“, meinen die beiden Vereinskollegen anerkennend. „Nein“, meint Nacken, Königsklasse seien die Hubschrauber.

27 Stunden war Nackens Futura seit Fertigstellung vor drei Jahren in der Luft. Das scheint zunächst nicht viel zu sein, doch wenn Thomas Nacken erklärt, dass sein Jet vollgetankt 24 Kilo wiegt und die mitgeführte Kerosinmenge von 5,5 Liter gerade mal für sieben Flugminuten reicht, sieht es schon anders aus. Seine Vereinskameraden fragen sich auch, ob ihr Vorsitzender längere Flüge nervlich überhaupt verkraften würde.

Denn was in den sieben Minuten mit 250 bis 300 Stundenkilometern den Himmel durchschneidet, soll ja möglichst unbeschadet landen. Da kreist am Himmel doch der Gegenwert eines Mittelklassewagens, vermuten die Vereinskameraden. Thomas Nacken: „Ich bin jetzt auch schon 35 Jahre dabei und habe die ganze Geschichte miterlebt, außer vielleicht den Fesselflug.“

Bis heute hat der „gefesselte Flug“ seine Anhänger im 40-köpfigen Verein. Nach dem Fesselflug kamen die ersten Funkfernsteuerungen auf den Markt, die sogenannten Tipp-Tipp-Anlagen. Im 27 Megaherz-Bereich wurden die Flieger damals gesteuert. Da konnte es schon mal zu Funküberlagerungen kommen, die Abstürze nach sich zogen. Heute wird im 2,4 Gigaherz-Bereich geflogen. Die technische Entwicklung in 60 Jahren Modellflug sei enorm, sagen die Ikarus-Mitglieder. Die Kosten für das Hobby seien deutlich nach unten gegangen.

Großer Beliebtheit bei den Modellpiloten erfreuen sich die Hubschrauber mit ihren erstaunlichen Flugeigenschaften. Diese gehen über die Möglichkeiten des Originals hinaus, etwa beim Fliegen auf dem Rücken. Auch der neueste Trend, das Drucken von Flugzeugteilen im 3-D-Drucker, wird in der Ausstellung und sicherlich auch auf dem Jubiläumsflugtag präsentiert.