Gangelt: Die Gangelter sparen nicht um jeden Preis

Gangelt: Die Gangelter sparen nicht um jeden Preis

„Ich weiß jetzt, wie die dat mit sparen machen“, verkündete Festredner Hastenraths Will den versammelten Gangeltern bei der Schuldenfreiparty: „Die haben nur einen Blumenstrauß für all die Ehrengäste, und den holen die immer wieder raus!“

Es ging locker am Sonntag zu bei der Feier „Wir sind schuldenfrei“ am neuen Rathaus, zu dem alle Bürger eingeladen waren. Viele Ehrengäste konnte Bürgermeister Bernhard Tholen begrüßen, aber keinen seiner Bürgermeisterkollegen aus dem Kreis Heinsberg. „Die wollen sich hier nicht demütigen lassen, die haben doch alle den Hintern voll Schulden“, gab Hastenraths Will Bernhard Tholen mit auf den Weg.

Gangelts Bürgermeister ließ noch einmal die vergangenen zehn Jahre des Sparens Revue passieren, lobte die Anstrengungen alle Fraktionen und Mitarbeiter, legte aber großen Wert auf die Feststellung, dass „nicht um jeden Preis“ gespart worden sei. Man habe immer die wirtschaftliche Seite im Auge gehabt, die der Arbeitsplätze, vor allem die der Ehrenamtler und Vereine.

13 neue Baugebiete in dieser Zeit sorgten für ein Plus an Einwohnern, die sich mittlerweile auf 11 800 summieren. Nur die Geburtenrate seit rückläufig, monierte Tholen. „Ihr könnt aber den Bürgermeister hier auch nicht alles selber machen lassen“, schimpfte Gastredner Will über „faule Männer“. Als Vertreterin des Landrates lobte Liesel Machat die „finanzpolitisch paradiesischen Zustände“ in der Gemeinde und freute sich, dass den Bürger hier eine Perspektive geboten werde.

Normal wäre es, wenn die Erträge die Aufwendungen in den Kommunen decken würden, malte Hans-Gerd von Lennep als Vertreter der Städte- und Gemeindebundes das Idealbild kommunaler Selbstverwaltung in den blauen Himmel über Gangelt. 58 Milliarden Euro Schulden in 2012 in den Städten und Kommunen sprächen aber da eine andere Sprache. „Schuldenfreiheit ist Handlungsfreiheit“, gratulierte er. FDP-Fraktionsvorsitzender Rene Stegemann hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen.

Er erinnerte an hitzige Debatten im Gemeinderat und Beschlüsse, die umgesetzt werden mussten: „Ob wir wollten oder nicht!“ Dann überreiche er an Bürgermeister Bernhard Tholen und Kämmerer Gerd Dahlmanns eine Schubkarre, in der rund 18 000 Ein-Cent-Stücke einbetoniert waren. Gegen eine Spende konnten die Bürger sich einen Erinnerungscent herausmeißeln.

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