Geilenkirchen: Der Winter ist spät dran, und das hat Folgen

Geilenkirchen: Der Winter ist spät dran, und das hat Folgen

Ein lautes Brummen ist zu hören. Man kennt es nur aus dem Sommer. Dieses Jahr allerdings kommt das Gerät, von dem der Lärm ausgeht, auch im Winter zum Einsatz. Die Rede ist vom Rasenmäher. Und tatsächlich hat man beim Blick aufs Thermometer nicht den Eindruck, dass wir uns schon im Dezember befinden. Ein morgendliches Freikratzen der Windschutzscheibe ist bislang nicht notwendig, welch Glück. Oder?

Nicht alle begrüßen die milden Temperaturen. Gerade für die Landwirte wird das derzeitige Wetter zum Problem. „Es ist einfach zu mild. Das Getreide sprießt bereits. Das ist absolut untypisch für diese Jahreszeit“, sagt Stefan Gerards, Mitglied der Kreisbauernschaft Heinsberg. „Das größte Problem ist allerdings, dass Schädlinge wie Läuse und andere Insekten nicht reduziert werden können. Sie sterben erst bei unter null Grad.“ Bei milden Temperaturen könnten auch Viren leichter auf die Pflanzen übertragen werden, ergänzt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Bernhard Conzen.

Nun könnte man vermuten, dass auch für Modegeschäfte die derzeitige Witterung problematisch ist. Immerhin braucht man bei diesen Temperaturen weder Winterstiefel noch Handschuhe oder gar dicke Schals. Dem ist aber nicht unbedingt so. Schließlich werde die Winterkleidung nicht erst gekauft, wenn es kalt ist, sondern lange im voraus, weiß Anne Heinze vom Modehaus Heinze in Übach-Palenberg aus Erfahrung. Einige Wintersachen seien zwar noch nicht verkauft, aber das sei jedes Jahr so — ob bei kalten oder milden Temperaturen. Die Geschäftsführerin des Modehauses Schüll, Jutta Hesmer, hat seit Jahren ein Rezept dafür, wie sie trotz milder Temperaturen keine Umsatzeinbußen macht: „Wir kaufen meistens nicht allzu dicke Klamotten, weil sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat, dass die Nachfrage zu gering ist. Wir setzen eher auf leichte Kleidung, die gerade bei milden Temperaturen gut tragbar ist“, sagt sie. In der Weihnachtszeit werde so oder so gut eingekauft.

Profiteure des verspäteten Winters sind die Bauunternehmen. „Das Wetter kommt uns wirklich zugute. Wir können durcharbeiten, müssen also wetterbedingt keine Zwangspause einlegen. Dadurch haben wir normale Einnahmen und keinen Verlust“, sagt Bauunternehmer Michael König aus Geilenkirchen. Bei Temperaturen bis fünf Grad könne man ohne Probleme arbeiten. Schwierig werde es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Sobald es schneie, müsse die Arbeit komplett aufs Eis gelegt werden.

Doch auch wenn Eis und Kälte noch auf sich warten lassen: Bei der Stadt hat man sich schon vor Wochen vorbereitet. „Natürlich weiß man nie, wie der Winter wird. Aber wir können auf die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren zurückgreifen. Das erleichtert uns die Arbeit“, sagt der Technische Beigeordnete der Stadt, Markus Mönter.

Man fange schon früh an, für den Winter zu planen. Kurzfristige Änderungen bei extremen Witterungsverhältnissen seien jederzeit möglich. Und auch wenn diese noch auf sich warten lassen: Die Bereitschaftspläne für die Wintersaison sind zumindest gesichert. Drei große Lkw werden, wenn es stark schneit, auf den Straßen unterwegs sein, um Haupt- und Nebenstraßen von Eis und Schnee zu befreien. Das habe oberste Priorität. Rad- und Gehwege sowie Bushaltestellen und Brücken stünden auf der Prioritätenliste ebenso weit oben wie die Umgebung von Schulen, Kindergärten oder Seniorenheimen.

Das große Silo am Bauhof ist dementsprechend gut gefüllt. Rund 100 Tonnen Salz stehen zum Streuen bereit. In Gangelt und Übach-Palenberg ist man für die kalte Jahreszeit ebenfalls gut ausgestattet. 200 Tonnen Salz lagern in Übach-Palenberg, 50 in Gangelt. Dort wird es auch noch ein Weilchen bleiben. Auch für kommende Woche kündigt der Wetterbericht Temperaturen um die zehn Grad an.

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