Der Europa-Gedanke wird an der Europa-Grundschule Geilenkirchen gelebt

Gelebte Vielfalt : Schule bunt wie Europa und die Welt

Die Europawahl ist auch an der GGS Geilenkirchen ein großes Thema. Denn hier besuchen 227 Kinder aus 39 Nationen besuchen zusammen den Unterricht.

„Wo ist Spanien?“, fragt der kleine Junge, worauf etliche Mädchen und Jungen jauchzend von ihren Stühlen aufspringen, auf die große Europa-Karte am Ende des Klassenzimmers zulaufen und in Windeseile auf der bunten Karte auf die richtige Fläche zeigen. Korrekt! Die Iberische Halbinsel haben alle auf Anhieb gefunden.  

Die Schüler der Klasse 4a der Gemeinschaftsgrundschule Geilenkirchen an der Sittarder Straße wissen auch ganz genau, wo Portugal, Italien, Griechenland und Norwegen liegen. Mit einem selbst entwickelten Gesellschaftsspiel haben sie viel über die Länder der Europäischen Union gelernt. „Wir haben im Unterricht aber auch einiges über die unterschiedlichen Währungen und Sprachen und über die europäischen Städte erfahren“, sagt der neunjährige Cassian.

Vor den Europa-Wahlen an diesem Sonntag haben sich Politiker aller Couleur in möglichst vielen Städten und Gemeinden sozusagen die Klinke in die Hand gegeben und haben versucht, die Menschen davon zu überzeugen, wie wichtig Europa für ein Leben in Frieden und Freiheit ist und gleichzeitig um deren Stimme geworben.

Annette Maxheim  leitet eine Schule, die bunt wie die Welt ist. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Europa ist allerdings nicht nur ein ganz großes Thema in der Politik, auch in den Schulen sollen die jungen Menschen  möglichst viel über den Verbund der 28 Mitgliedsstaaten erfahren. Schon in den Lehrplänen der Grundschulen ist dieser Gedanke daher fest verankert. Für Annette Maxheim, Schulleiterin der GGS Geilenkirchen, ist der Name ihrer Schule eine besondere Verpflichtung: Seit dem Jahr 2003 nennt sich die GGS Geilenkirchen „Europa-Grundschule“.

Heute ist in den Unterrichtsräumen allerdings nicht nur ganz Europa vertreten. „In den neun Klassen sind 227 Kinder aus 39 Nationen. Viele unserer Kinder kommen aus den klassischen Flüchtlingsländern Syrien, Marokko, Albanien, Kosovo und Kroatien“, sagt die Schulleiterin.

Yvonne Sänger bereitet ihre Schüler auf Europa vor. Foto: ZVA/Udo Stüßer

Auch in der Katholischen Grundschule Geilenkirchen sei der Migrantenanteil relativ hoch. „Aber manche  Migranten wollen nicht, dass ihre Kinder eine katholische Schule besuchen und melden sie deshalb bei uns an“, hat Annette Maxheim festgestellt.

Die Idee, die GGS Geilenkirchen als Europa-Grundschule zu benennen, entstand im Rahmen eines Projektes, an dem die GGS von 2002 bis 2005 teilgenommen hat. Der damalige Schulleiter Gottfried Moss und einige engagierte Lehrer waren an dem von der europäischen Union ausgeschriebenen „Comenius-Projekt“ beteiligt. Pädagogen aus Deutschland, Griechenland, Portugal, Österreich und Spanien sollten die verschiedenen Unterrichtssysteme in den Partnerländern kennenlernen und bei der Vorbereitung des Unterrichts im Partnerland mitarbeiten.

„Das war in einer Zeit, in der wir an unserer Schule auch Unterricht in griechischer Sprache angeboten haben, weil wir viele griechische Kinder unterrichtet haben. Als herkunftsprachlichen Unterricht bieten wir heute Spanisch und Russisch an, damit die Kinder die Sprache ihrer Eltern lernen“, erklärt Maxheim.

Im Jahre 2003 beantragte die GGS bei der Stadt Geilenkirchen, sich Europa-Grundschule nennen zu dürfen, der Stadtrat stimmte zu. „An dieser Schule wird aber nicht nur Europa gelebt. Eigentlich müssten wir Welt-Schule heißen“, meint Maxheim und freut sich über die Vielfalt der Sprachen und Kultur der Kinder. „Jedes Kind bringt etwas mit, und davon lebt unsere Schule.“ Aber eines hätten alle gemeinsam:  Die deutsche Sprache, die hier vermittelt werde. „Wir wollen, dass die Kinder auf dem Schulhof miteinander Deutsch sprechen, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt.“

Allerdings bringen die Pädagogen der GGS auch andere Sprachen mit in den Unterricht ein. So lernen die Mädchen und Jungen, sich in anderen Sprachen zu begrüßen oder alltägliche Dinge zu benennen. „Wir versuchen im Unterricht, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Länder aufzuzeigen“, sagt Annette Maxheim.

In jüngster Zeit war die Europa-Wahl an der Europa-Schule ein großes Unterrichtsthema. Was bedeutet die Europa-Wahl? Welche Auswirkungen hat Europa auf unser Leben? Was ist der Brexit? Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben sich die Mädchen und Jungen beschäftigt. Die europäischen Staaten, ihre Hauptstädte, Topografie und die Sehenswürdigkeiten in den Ländern wurden besprochen.

„Für uns ist Europa Alltag. Die Sprachenvielfalt ist hier Normalität, und unter den Kindern gibt es keine Hemmschwelle“, versichert Maxheim. Jeder neue Schüler werde hier freundlich empfangen, „egal, wo er herkommt, wie er aussieht und wie er spricht. Es ist egal, ob ein Kind asiatische Augen hat, dunkelhäutig ist oder Locken hat“. Annette Maxheim bringt es auf den Punkt: „Unsere Schule ist bunt wie Europa und die ganze Welt.“

Das Ziel der Grundschul-Pädagogen ist, die für Europa sprechenden  Argumente immer wieder zu thematisierten: Reisefreiheit, die freie Wahl des Arbeitsplatzes und Wohnortwahl seien heute selbstverständlich. Kultur und Kulinarisches kommen dabei nicht zu kurz: Das Ergebnis eines Kochkursus mit den Eltern ist in einem europäischen Kochbuch nachzulesen.