Den Humor wieder hervorkramen

Den Humor wieder hervorkramen

Bernd Stelter im Interview: Kabarettist, Moderator, Comedian, Schauspieler, Autor - und Vater...

Herr Stelter, Sie schöpfen Ihre Geschichten aus Ihrem Privatleben. Da könnte jeder kommen. Lachen tun die Leute aber nur bei Ihnen...

Bernd Stelter: Zwischen mir und dem Publikum besteht keine große Distanz. Die Leute mögen Authentizität. Sie erkennen sich in meinen Typen wieder. Ich will zeigen, dass das normale Leben voller Humor ist.

Wie definieren Sie Humor?

Stelter: Humor ist ein Bruch. Humor ist, wenn man eine Geschichte erzählt oder anreißt, und die Leute denken, sie wüssten, wie sie weiter geht, und dann ist alles anders. Es geht um diese Wendung am Ende. Ich glaube, dass das Leben an sich humorvoll ist. Ich suche den Humor - an jeder Straßenecke, in jedem Gespräch, in jeder Zeitung. Ich glaube, dass jeder Mensch Humor hat. Manche kriegen ihn nicht raus, manche haben ihn mit Stress und Alltag überlagert. Mein Job ist es, ihn wieder hervorzukramen.

Jetzt gehen Sie elf Wochen lang auf Tournee. Warum dieser Stress?

Stelter: Weil eine Tour so ziemlich das Witzigste ist. Wenn ich ehrlich bin, mache ich ja auch nur „Tournee light”. Ich spiele fünf Kabarettabende, dann fahre ich nach Hause. Erstens muss ich zu „7 Tage, 7 Köpfe”, zweitens habe ich eine Familie.

Jetzt kommen Sie bald auch nach Baesweiler.

Stelter: Auf kleinen Bühnen stehen und die Reaktion des Publikums direkt mitzukriegen, ist toll. Da muss man nicht am nächsten Morgen im Videotext nach der Quote gucken. Wenn es den Leuten in einem Theater nicht gefällt, dann pfeifen sie, wenn es ihnen gefällt, dann klatschen sie, wenn es ihnen besser gefällt, fordern sie Zugaben. Nach jedem Auftritt schreibe ich im Foyer stundenlang Autogramme und lasse mich mit den Leuten fotografieren.

Sie schlüpfen in sechs verschiedene Papa-Rollen. Was für ein Papa-Typ sind sie im wirklichen Leben?

Stelter: Ich hoffe, ein verständnisvoller, lieber Papa, der seinen Kindern Wege und nicht zuletzt auch Grenzen zeigt.

Was passiert eigentlich nach der Vorstellung?

Stelter: Ich fahre immer nach Hause, wenn es unter 130 Kilometer sind. Bei allem, was über eine Autostunde von zu Hause entfernt ist, nehme ich ein Hotelzimmer.

Wann kommt Bernd Stelter mal zur Ruhe?

Stelter: Ich stehe immer unter Dampf. Wenn der Druck auf 100 Prozent gestiegen ist, muss ich auf eine Bühne. Natürlich habe ich viele Termine, aber die haben die meisten Familienväter auch. Mir gehts noch gut. Ich kann morgens die Kinder in die Schule bringen, hole sie mittags ab. So kriege ich jeden Tag das normale Leben mit. Die Leute können also davon ausgehen, dass die Geschichten, die ich erzähle, stimmen.

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