Geilenkirchen/Gangelt: Dem Naturpark ein neues Gesicht gegeben

Geilenkirchen/Gangelt: Dem Naturpark ein neues Gesicht gegeben

Er liebt seine Heimat. Und er liebt Zahlen. Eigentlich wollte er immer Kämmerer werden. Aber er kletterte die Leiter des Erfolgs noch eine Stufe höher. Heinz Houben war bis 1999 Stadtdirektor von Geilenkirchen.

Klingelt man heute an dem schmucken Haus des 71-Jährigen am Niederheider Richtweg, fallen einem die schlichten Worte ins Auge: Heinz Houben - Unternehmensberatung. Jedoch ist er mehr als ein Unternehmensberater. Der ehemalige Geilenkirchener Verwaltungschef gehört zu den Menschen, die der Gangelter Region, dem „Natuur- und Landschaftspark Rodebach - Roode Beek” ein neues Gesicht gegeben haben.

Wenn er heute auf das 750 Hektar große Naturgebiet mit Bächen, Wiesen, Weiden und Wäldern blickt, wenn er auf einer Wanderung frei grasende schottische Hochlandrinder betrachtet, bedauert er keinesfalls die Entscheidung, 1999 nicht für das Amt des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters gegen den damals noch ehrenamtlichen Bürgermeister Franz Beemelmanns kandidiert zu haben.

„Viele Menschen in der Stadt waren damals überrascht, dass ich nicht kandidierte. Aber ich war damals 59 Jahre alt und hatte 41 Dienstjahre”, blickt er zurück. Weiter sagt er: „Für mich persönlich war es die richtige Entscheidung. Ob es auch für die Stadt die richtige Entscheidung war, sei dahingestellt. Ich habe es nie bereut.” Heinz Houben erlebte nach seinem Eintritt in den Ruhestand am 30. September 1999 politische Entscheidungen, bei denen es ihm unter der Haut juckte, bei denen er am liebsten noch einmal mitgemischt hätte. „Um ruhig zu bleiben waren meine Leidenschaft und meine Bindung zu groß.”

Neuer Lebensabschnitt

Mit dem 30. September 1999 begann für Heinz Houben ein neuer Lebensabschnitt, nach achtjähriger Beigeordneten-Zeit und elfjähriger Stadtdirektoren-Tätigkeit in Geilenkirchen. Gleich am ersten Tag seines „Un”-Ruhestandes nahm er seine neue Arbeit auf: Kurz zuvor schon hatte er ein Gewerbe als Immobilien- und Unternehmensberater angemeldet. „Als Stadtdirektor konnte ich vieles bewegen. Vieles konnte ich aufgrund bürokratischer Hemmnisse nicht erreichen. Ich wollte nun denen helfen, die meinen Rat suchten.” Doch für diesen neuen Lebensabschnitt musste der Verwaltungsfachmann lernen, viel lernen.

Als Stadtdirektor hatte er noch den Computer in seinem Büro abgelehnt, für seine neue Tätigkeit musste er Internet und E-Mail beherrschen. „Die Gemeinden in der Region haben meine Tätigkeit nicht ungern gesehen, weil die Menschen, die ich beraten habe, gut vorbereitet ihre Anliegen in den Rathäusern vortragen konnten. Ich war Vermittler und Schlichter.” Von nun an arbeitete Heinz Houben mit Privatleuten, Firmen und Kommunen, vermittelte Grundstücksgeschäfte und unterstützte Betriebsansiedlungen. Kleine Projektentwicklungen wurden zu seinem Steckenpferd. So machte er ein Gebiet „Am alten Sportplatz” in Bauchem für Investoren baureif, vom Grundstücksankauf über die Beplanung bis hin zur Realisierung.

„Ich habe oft mehr gearbeitet als früher”, lacht der Frühaufsteher. Für den „Pensionär” klingelt auch heute noch Tag für Tag um 6 Uhr der Wecker.

Ein wichtiger Tag im Leben des Heinz Houben war der 10. Juni 2002: Ein Anruf des Gangelter Bürgermeisters Bernhard Tholen erreichte den Geilenkirchener: „Er fragte mich, ob ich Interesse hätte, die Gemeinde Gangelt bei einem grenzüberschreitenden Projekt zu unterstützen, dass der regionalen Entwicklung dient”, blickt Houben auf den Tag zurück, dem abwechslungsreiche Jahre folgten. Es ging es um die Schaffung des grenzüberschreitenden Natur- und Landschaftsparks Rodebach - Roode Beek gemeinsam mit der niederländischen Partnergemeinde Onderbanken. „Zunächst war vorgesehen, den Rodebach zu renaturieren. Daraus entstanden viele Nachfolgeprojekte.”

Der 750 Hektar große Landschaftspark sollte mit Rad- und Reiterwegen erschlossen werden und die touristische Entwicklung gestärkt werden. Houben wurde Projektleiter für die Gemeinde Gangelt und Mitglied des Projektmanagements. Von nun an beschäftige er sich mit der Umsetzung von Plänen, mit deren Finanzierung und mit der Fortführung des Entwicklungskonzeptes. Eine dankbare und vertrauensvolle Aufgabe für den Mann aus Geilenkirchen. Die Koordination von Arbeitsgruppen und die Zusammenarbeit mit den Fachbehörden machten Houben großen Spaß. Mit diesem Naturpark ist die Gemeinde ins Förderprojekt Euregionale 2008 gekommen.

„Seit 2005 habe ich für die Gemeinde Gangelt um die Anerkennung und damit für eine 80-prozentige Förderung gekämpft”, sagt Houben. Kaum war die Förderung ausgesprochen, beschäftigte man sich in Gangelt mit der Frage, wie eine finanzielle Unterstützung aus EU-Mitteln erreicht werden kann: Der Landschaftspark Rodebach sollte zusammen mit der Teverener Heide und der Brunssumer Heide als grenzüberschreitendes Leitprojekt der Grünmetropole anerkannt werden. „So hatten wir drei Standbeine: die eigene Finanzierung, eine Förderung durch die Euregionale und jetzt noch aus EU-Mitteln.”

Von nun an saß Heinz Houben als Vertreter der Gemeinde Gangelt im regionalen Lenkungsausschuss und in den Arbeitsgruppen Tourismus und Wegeführung. „Man saß immer dabei, wenn etwas gestaltet wurde. Bei dieser trinationalen Arbeit saßen wir mit Belgiern und Niederländern zusammen. Man begegnete früheren Dienststellen und lernte neue Partner kennen”, freut sich Houben über die gute Zusammenarbeit, die das Ziel hatte, die öffentliche Brunssumer Heide, die naturbelassene Teverener Heide und den mit sanftem Tourismus versehenen Gangelter Raum miteinander zu verbinden, ohne dass die Identität verloren geht.

9,5 Millionen Euro investiert

Wenn Houben die Jahre seines „Ruhestandes” Revue passieren lässt, blickt er auf den 750 Hektar großen Naturpark mit den Hochlandrindern, auf Rad-, Wander- und Reiterwege, auf den neuen Radweg von Niederbusch nach Hohenbusch mit Anbindung an die Teverener Heide, auf umfangreiches Karten- und Informationsmaterial, das die Schönheit der Landschaft wiedergibt, auf das neue Info-Center in Gangelt, auf einen Naturlehrpfad, auf einen Wohnmobilstellplatz. Und er blickt auf ein Investitionsvolumen in Höhe von 9,5 Millionen Euro für Gangelt und Onderbanken. Wie gesagt: Heinz Houben liebt seine Heimat. Und er liebt Zahlen.

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