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Übach-Palenberg: Das vergessene Naturschutzgebiet bei Mariental

Übach-Palenberg : Das vergessene Naturschutzgebiet bei Mariental

Wer früher Panini-Bildchen von Fußballspielern gesammelt und gut aufgehoben hat, der weiß, wie es ist, Jahrzehnte später in den Alben zu blättern. Bei manchen Spielern staunt man, wie sie mal angefangen haben, andere hatte man ganz vergessen, bei wieder anderen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

So ähnlich ist es, wenn man sehr alte Ratsunterlagen in die Finger bekommt, zum Beispiel das Protokoll zur Sitzung des Stadtrates am 11. April 2000. Der Bürgermeister hieß Schmitz-Kröll, der Erste Stadtbeigeordnete Piotrowski, der Stadtamtsrat Waliczek. Die Politiker trugen Namen wie Bildhauer (Lothar, nicht Sven), Kuhlmey, Fröhlich oder Walther (Manfred, nicht Oliver).

Bildchen sind nicht dabei, aber dafür ein Ratsbeschluss zum „Quarzkies- und Sandtagebau Marienberg“, um dessen Anschlussverwendung man sich im Rathaus damals Gedanken machte. Der Rat beschloss eine ganze Palette an Maßnahmen. Punkt i) sah, etwas umständlich formuliert, dies vor: „Der Tagebau sollte nach erfolgter Rekultivierung (...) zur Herstellung der Wiederherstellung einer Lebensstätte bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten unter Naturschutz gestellt werden.“

Der frühere Tagebau liegt westlich des Plangebiets Mariental, südlich der Landstraße nach Scherpenseel. Dass dort ein Tagebau war, ist heute von außen kaum noch zu erkennen, denn das Areal ist dicht begrünt, sieht also mehr oder weniger so aus, wie der Rat es sich anno 2000 vorgestellt haben mag.

Ein Landschaftsplan des Kreises Heinsberg weist den Großteil des Gebiets als Kompensationsfläche aus. Ein deutlich kleinerer, südöstlich gelegener Teil zählt zu dem Landschaftsschutzgebiet, in dem das Baugebiet Mariental entstehen soll. Unter Naturschutz gestellt wurde der ehemalige Tagebau nie. Wieso nicht?

Die Stadt Übach-Palenberg räumte diese Woche nach nicht weniger als fünf Nachfragen unserer Zeitung ein, dies nicht aufklären zu können, und verwies an den Kreis Heinsberg.

Der Beschluss ist auch deshalb interessant, weil just vergangene Woche Alf-Ingo Pickartz, Fraktionsvorsitzender der SPD, ins Gespräch gebracht hatte, neben dem Wäldchen auch den ehemaligen Tagebau unter Naturschutz zu stellen.

Zu den Fragen, die die Stadt unbeantwortet lässt, zählt auch die, ob der 18 Jahre alte Ratsbeschluss die Planung für das Baugebiet berühren könnte. Dagegen spricht, dass der Tagebau nicht im Plangebiet liegt, sondern unmittelbar daneben. Allgemeingültige Abstandsregeln zwischen Naturschutzgebieten und Baugebieten gibt es nicht, wie eine Nachfrage bei Claus Mayr, Chef des Nabu in Aachen, ergibt. „Der Mindestabstand ergibt sich in jedem Einzelfall aus den zu schützenden Arten und deren Sensibilität gegenüber Störungen“, erklärt er.

(jpm)