Gangelt: Das „Prinzip Hoffnung” im Wildpark auf vielen Ebenen

Gangelt: Das „Prinzip Hoffnung” im Wildpark auf vielen Ebenen

Ganz schön mutig, die kleine Julia. Auf der flachen Hand serviert sie dem weißen Rotwild das Futter aus ihrer Tüte. „Guck, ich trau´ mich!”, ruft sie ihrer größeren Schwester zu. Aus Herzogenrath kommt die Familie und ist regelmäßig zu Gast im Gangelter Wildpark.

Dass es in der Woche zum 40-jährigen Bestehen halbierte Eintrittspreise gab, wusste Julias Gruppe gar nicht. Julia hatte aber auch keine Zeit für weitere Reporterfragen, denn im Gehege nebenan galt es nun die vier Esel zu streicheln. Und auch da musste Julia Vorbild für ihre große Schwester sein.

Es war richtig viel los am Samstag im Wildpark. Herrliches Wetter und die gesenkten Eintrittspreise hatten viele Gäste in den Park gelockt. „Zur Hälfte kommen die aus den Niederlanden”, sagt Dr. Hermann von den Driesch von der Parkleitung. Er weiß, dass gerade die Kunden aus dem Nachbarland großen Wert auf ein gutes Preis- Leistungsverhältnis legen. „Für 20 Euro Eintritt kann die Familie hier einen tollen Tag verbringen - wo findet man das in der Nähe?”

Hermann von den Driesch erinnert sich noch an die Zeit, als sein Vater vor 40 Jahren mit rund 50 Tieren - Reh- und Muffelwild, Wildschweine und Steinböcke - den Park eröffnete. Heute findet man über 500 Tiere und eine breite Vielfalt europäischer Wildtiere.

Die Fischotter sind äußerst aktiv und schießen geschickt durchs Wasser. Das lockt eine Dreierreihe an Gästen vor den Zaun. Fotoapparate klicken im Sekundentakt. Zigtausend Fotos sind es wohl, die alleine an diesem Tag geschossen wurden. Gibt man in den großen Internet-Fotocommunitys „Gangelt” als Suchbegriff ein, sind die ersten Seiten immer mit Bildern aus dem Wildpark belegt. Das ist ein Werbefaktor, für den Park ebenso wie für die Region.

Weitgehend natürlich

Ganz beliebt bei allen Gästen sind die Wölfe und die Bären. Bei den Bären, drei an der Zahl, hofft Hermann von den Driesch auf Nachwuchs. Gibt es vielleicht im Frühjahr welche, werden die Fernsehsender und großen Zeitungen wieder anrufen, und fragen, ob man die Jungen nicht auf den Arm nehmen und vor eine Kamera halten kann. Dann lacht der Allgemeinmediziner. „Das wäre völlig gegen den Grundsatz unserer Arbeit.” Man müsste die Tiere dann den Eltern wegnehmen und würde somit das oberste Prinzip der weitgehenden Natürlichkeit der Unterbringung verletzten.

Das gilt übrigens auch für alle andern Tiere im Park. Nur ab und zu sieht man Erwin Jansen in der Falknerei ein Greifvogelküken großziehen. Das Prinzip Hoffnung knüpft sich im Wildpark immer an die ersten Sonntag im Februar und März. „Die ersten Sonnenstrahlen sind entscheidend, dann kommen die Gäste”, weiß der Geschäftsführer. Dann entscheidet sich, ob die angepeilten 80.000 bis 100.000 Besucher erreicht werden.

Während Julia mit vielen andern Kindern Spaß auf dem Spielplatz hat, steht Familie Hamers aus Roermond vor den Waschbären. Hier scheint es so zu sein, dass die Tiere sich die Menschen anschauen. Richtig was los ist wieder bei den Wildschweinen. Die riechen nicht nur wieder deutlich nach Maggi, sondern sind mit ihren Frischlingen putzmunter und viel bestaunt. Genau um 15 Uhr sammeln sich viele der Parkbesucher in der Falknerei. Erwin Jansen und seine beiden Helferinnen bitten zur Flugschau. Geduldig erklärt Erwin Jansen, streng mahnt er zur Ruhe und immer wieder hält er mit den Vögeln als Fotomotiv still. Das heißt, er hält still, die Vögel selten.

Am Ende der Freiflüge gibt es für Julia und die ihren noch ein Eis. Hier war allerdings die große Schwester schneller.

Mehr von Aachener Zeitung