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Heinsberg: „Das erste Legale, was ich geschafft habe”

Heinsberg : „Das erste Legale, was ich geschafft habe”

Jedes Jahr werden im Jugendstrafvollzug in Heinsberg circa 40 Häftlinge zu Facharbeitern ausgebildet. Nur wenige verfügen bei Eintritt in die Ausbildung über einen schulischen Abschluss.

Anforderungen wie kollegiale Zusammenarbeit, selbstständiges, konzentriertes Arbeiten in Schule und Betrieb und mangelnde Kenntnisse in Mathematik und Rechtschreibung stellen zu Beginn ein fast unüberwindbares Hindernis für die Schüler dar.

Wer allerdings hier seinen Abschluss schafft, hat nach der Entlassung eine echte Chance.

Die Teamarbeit zwischen der schulischen (Berufskolleg für Ernährung - Sozialwesen - Technik in Geilenkirchen) und berufspraktischen Ausbildung (Kolping Bildungswerk) spielt eine große Rolle. Sie scheint ein Schlüssel für den Erfolg der Ausbildung und der hohen Motivation der Auszubildenden zu sein.

Die Schüler planen Projekte in bestimmten Lernsituationen im Bauwesen und führen ihre eigene Planung im Anschluss praktisch aus.

Planung und Ausführung finden völlig selbstständig statt. Die Gefangenen erkennen, dass sie für ihr eigenes Handeln verantwortlich sind und erzielen Erfolge, die ihr Selbstbewusstsein und ihr Selbstwertgefühl nachhaltig stärken.

Aussagen wie: „Hätten sie mir am Anfang gesagt, dass ich hier so arbeiten werde, hätte ich sie ausgelacht”, bestätigen diese Entwicklung.

Balken aus Stahlbeton

In der praktischen Ausführung, zum Beispiel bei der Fertigung eines Stahlbetonbalkens, erfahren die Auszubildenden dann, wo noch Schwierigkeiten stecken, die ihnen vorher nicht bewusst waren, oder begreifen, was sie noch nicht verstanden hatten. Klaus (18) und Michael (19): „Jetzt beim Bauen haben wir endlich kapiert, was wir im Unterricht nicht immer verstanden haben.”

Die Bewertung wird im Lehrer/Ausbilder-Team durchgeführt. Schwerpunkt der Bewertung sind Selbstständigkeit in der Planung und Ausführung und die fachliche Richtigkeit des „Stückes”.

Aufgrund der kurzen Wege und der schnellen Kommunikation zwischen Lehrer und Ausbilder können die Gefangenen ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden.

Zweijährige Ausbildung

In der zweijährigen Hochbaufacharbeiter-Ausbildung in der JVA Heinsberg werden zurzeit mehrere selbstständige Projekte durchgeführt: Vermessen einer Baugrube; Herstellen einer einfachen Wand mit Fenster und Stahlbetonsturz; Schalen und Bewehren einer Stahlbetondecke; Schalen und Bewehren einer Stahlbetontreppe.

Jede Ausbildung endet mit einer Prüfung zum Facharbeiter. Ein Auszubildender in der JVA Heinsberg absolviert die gleiche Prüfung wie „draußen” und hat mit bestandener Prüfung einen hochwertigen Berufsabschluss erreicht, auf den er mit Recht stolz sein kann.

Bei der letzten Hochbaufacharbeiter Prüfung bemerkte ein Gefangener mit geschwellter Brust: „Das ist das erste Legale, was ich in meinem Leben geschafft habe.” Auch die Handwerkskammer Aachen und die IHK Aachen tragen zu diesen Erfolgen im hohen Maße bei.

Durch deren Bereitschaft, auch unterjährig Prüfungen abzuhalten, kommen sie der Gesamtsituation JVA entgegen.

Haftdauer und Strafeintritt richten sich nicht nach Stichtagen und Schulferien. Im Gefängnis eine Ausbildung zu schaffen, ist der erste Schritt in ein legales Arbeitsleben außerhalb der Anstalt.