Übach-Palenberg: Daniel Bulabula steht kurz vor seinem ersten Kampf als Profiboxer

Übach-Palenberg : Daniel Bulabula steht kurz vor seinem ersten Kampf als Profiboxer

An der Tür hängt ein großes Poster von Mohamed Ali. Als Besucher ist man geneigt, kurz inne zu halten, tief einzuatmen und voller Ehrfurcht an den legendärsten Boxer aller Zeiten zu denken. Mohamed Ali ist für jeden ein Begriff. Auch, wer mit Boxen nichts am Hut hat, kann sich seiner Legende kaum entziehen.

So geht es auch jenen, die die Trainingshalle des VfR Übach-Palenberg betreten. Sie liegt im Dachgeschoss der Grundschule Barbarastraße. Einen Aufzug gibt es selbstverständlich nicht. Aber beim Gedanken an Alis sportliche Leistungen kommt einem der etwas schwere Atem vom Treppensteigen doch eher wie ein Witz vor. In der Halle hängen Boxsäcke, am Rand liegt ein Ring, der für Trainingskämpfe aufgestellt wird. Hier ist es im Sommer heiß, über 30 Grad — und es riecht nach Schweiß.

Dieser Geruch ist für Daniel Bulabula einer der schönsten auf der Welt. Der 28-Jährige trainiert seit 16 Jahren in Übach-Palenberg, erst im Verein, nun unter der Obhut seines Trainers Detlef Dieckmann. Das Boxen ist sein Leben. In wenigen Wochen wird er seinen ersten Profikampf bestreiten.

„Guten Tag, ich heiße Daniel, bin zwölf Jahre alt und will Profiboxer werden. Wollen Sie mich trainieren?“ Diesen einen Satz wird Detlef Dieckmann wohl niemals vergessen. Denn so hat er vor 16 Jahren Bekanntschaft mit Daniel Bulabula gemacht. „Schon damals habe ich in ihm diesen besonderen Willen gesehen“, erinnert sich Dieckmann. „Dieser Wille hat ihn dahin gebracht, wo er heute steht.“

Trommelfell gerissen

Rund 40 Amateur-Kämpfe hat Daniel Bulabula bestritten, die meisten gewonnen. Mit 14 kämpfte er für die deutsche Nationalmannschaft des DBV (Deutscher Box Verband). Mit der Nationalstaffel reiste er zu Kämpfen nach Russland, Aserbaidschan, England und in die Ukraine. Er gewann vier Mal die Mittelrheinmeisterschaft, war vier Mal Westdeutscher Meister und holte Bronze und Silber bei Deutschen Meisterschaften. Eigentlich wollte Daniel schon 2013 in den Profiboxsport einsteigen. Aber es kam anders.

„Kurz vor dem Kampf ist mir das Trommelfell gerissen. Ich konnte nicht antreten. Danach hatte ich immer wieder Rückenschmerzen.“ Der Arzt diagnostizierte bei dem damals 23-Jährigen einen Bandscheibenvorfall. Mit dem Boxen war es vorbei. „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen, ich war am Boden zerstört.“ Daniels Pause vom Boxen dauert ganze fünf Jahre. Im Dezember 2017 wiegt er 130 Kilo, der Rücken ist zwar wieder okay, aber geboxt hat er in der ganzen Zeit nicht.

„Aber dann hat es Klick gemacht, und auf einmal hat das Herz wieder gebrannt“, sagt Daniel, und er beginnt wieder mit dem Training. Mit harter Arbeit und einem strikten Ernährungsplan ist Daniel Bulabula heute wieder fast 20 Kilo leichter und in Top-Form. Mit 111 Kilo muss er sein Profi-Debüt allerdings noch im Schwergewicht geben. „Mein Ziel ist es, wieder im Cruisergewicht zu kämpfen“, sagt Daniel. Dazu muss er zwischen 79,2 und 90,7 Kilo wiegen. Es liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor ihm.

Unterstützt wird Daniel vor allem von seiner Familie. Dabei war seine Mutter — die Familie kam aus dem Kongo nach Deutschland, als Daniel zwei Jahre alt war — zunächst strikt gegen das Boxen. „Meine Tante und mein Trainer mussten harte Überzeugungsarbeit leisten“, erinnert sich Daniel. „Aber es hat sich gelohnt. Heute ist meine Mutter stolz auf mich.“

Daniels Eltern leben in Geilenkirchen, seine sportliche Heimat ist Übach-Palenberg, er arbeitet in Hückelhoven als Industriekaufmann und wohnt seit ein paar Jahren in Baesweiler. „In meiner Wohnung bin ich eigentlich nur zum Schlafen“, meint er. Denn nach der Arbeit folgen noch zweieinhalb Stunden Training, an fünf bis sechs Tagen pro Woche. In seiner knappen Freizeit geht er gerne ins Kino. Feiern und Alkohol sind nicht sein Ding.

Die jungen Boxer, die in Übach trainieren, sind auch so etwas wie eine Familie. Man begrüßt sich per Handschlag, es gibt eine kurze Umarmung. Auch Detlef Dieckmann ist zum Freund geworden.„Man ist immer nur so gut wie das Team, das hinter einem steht“, ist Daniel Bulabula überzeugt. Seine Jungs werden ihn bei seinem Profikampf sicher unterstützen.

Nicht nur an der Tür, auch an den Wänden der Boxhalle hängen viele Bilder. Einige von Mohamed Ali, andere mit Fotos und Zeitungsartikeln der eigenen Jungs und ihrer Erfolge. Daniel Bulabula fühlt sich hier seinen Vorbildern, zu denen auch Mike Tyson und Oscar Delahoya zählen, ganz nah.

„Es ist ein harter und langer Weg“

Seinen ersten Profi-Boxkampf bestreitet Daniel Bulabula am 7. Juli in Leverkusen. Alleine anreisen muss er nicht, auch Trainingskollege Martin Houben hat an diesem Tag seinen ersten Profikampf. Daniels Gegner steht noch nicht fest, wird aber in den nächsten Tagen ausgewählt.

„Beim Profiboxen fängt man ganz unten an“, sagt Daniel Bulabula. „Bei einem Sieg wandert man in der Weltrangliste nach oben.“ Seine nächsten Ziele: Deutscher Meister werden im Cruisergewicht und dann ein EM-Kampf. Der Wille ist da, und auch an Selbstbewusstsein fehlt es ihm nicht.

Leben kann Daniel vom Profiboxen nicht. Erst mit dem Erfolg kommen eventuell Sponsoren oder Fernsehübertragungen. Die bringen das Geld. „Es ein harter, langer Weg“.

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