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Certamen Carolinum: Geilenkirchener Schülerin ausgezeichnet

Certamen Carolinum : Solides Fundament für weitere Bildung

Emma Thevißen, Schülerin der Jahrgangsstufe Q2 am Bischöflichen Gymnasium St. Ursula Geilenkirchen, darf sich über eine erfolgreiche Teilnahme am Landesschülerwettbewerb „Certamen Carolinum“ freuen. Der Name des Wettbewerbs verweist schon auf die Fertigkeiten, die von den Wettbewerbsteilnehmern erwartet wurden. Es ging um die alten Sprachen Latein und Griechisch.

. Nicht nur das Übersetzungstalent der Bewerber war gefragt, sondern auch die Fähigkeit, sich mit den Denkmodellen auseinanderzusetzen, die von den Philosophen einer Zeit entwickelt wurden, als im Imperium Romanum die Amtssprache das Lateinische war. Emma Thevißen wurde auf dem Weg hin zum Wettbewerb von ihrem Lateinlehrer Joachim Birken begleitet.

Die 17-Jährige hat einen Latein-Leistungskurs am Bischöflichen Gymnasium belegt. Und irgendwie muss es Joachim Birken wohl gelungen sein, seine Schülerin für die antike Kultur zu interessieren. Emma Thevißen hat es bis in die Endrunde des „Certamen Carolinum“ geschafft und wurde mit einem Sonderpreis belohnt. Der Landesschülerwettbewerb „Alte Sprachen NRW, Certamen Carolinum“, wurde mit der Preisverleihungsfeier in Aachen abgeschlossen. Emma

Thevißen hatte zuvor drei Wettbewerbsrunden absolviert. Die erste Runde sah die Anfertigung einer Facharbeit zum Thema „Schöpfung aus dem Nichts?“ vor. Die Teilnehmer hatten sich mit den Grundpositionen stoischer Philosophie zu befassen und zwar anhand der Briefe Senecas, einem Zeitgenossen Jesu Christi. „Ponant inter causas tempus, nihil sine tempore potest fieri. Ponant locum, si non fuerit ubi fiat aliquid, ne fiet quidem. Ponant motum, nihil sine hoc nec fit nec perit; nulla sine motu ars, nulla mutatio est.” Senecas Zeilen könnte man übersetzen mit: „Zu den Ursachen gehört dann die Zeit, nichts kann nämlich ohne Zeit bewirkt werden; gehört der Raum, ohne einen Ort, wo etwas entstehen kann, wird auch nichts entstehen; gehört die Bewegung, nichts entsteht ohne sie, nichts vergeht; ohne Bewegung keine Kunst, keine Veränderung.“

Die Ausführungen Senecas galt es nun mit zentralen Erkenntnissen der Allgemeinen Relativitätstheorie des großen Weltbild-Veränderers Albert Einstein zu vergleichen. Lehrer Joachim Birken stuft die Bewältigung solcher Aufgaben in den Bereich der Allgemeinbildung ein, - gut, also Allgemeinbildung auf gehobenem Niveau, räumt Birken auf Nachfrage ein.

In der zweiten Runde ging es in eine Übersetzungsklausur aus dem Lateinischen. Die dritte Runde sah einen Kurzvortrag und ein Colloquium vor einer Jury aus Fachleuten zum Thema „Willensfreiheit - Realität oder Illusion?“ vor. Emma Thevißen hatte sich das Thema selber ausgesucht. Doch auch sie fand, wie viele große Denker vor ihr, keine abschließende Antwort auf die Frage, ob denn nun das Schicksal das Leben des Menschen bestimmt oder sein freier Wille. Da müsse sich wohl jeder Mensch weiterhin eigene Gedanken machen, meinte Emma Thevißen. Die Jury war von ihrem Vortrag aber so beeindruckt, dass Emma Thevißen der Preis der Elisabeth-Lebek-Stiftung zuerkannt wurde.

Die feierliche Preisverleihung in Anwesenheit von Ministerpräsident Armin Laschet fand in der Aachener Aula Carolina statt. In Verbindung mit dem Preis erhielt Emma Thevißen einen Reisegutschein in Höhe von 1000 Euro. Sie darf nun eine Reise in den ehemaligen Grenzen des Imperium Romanun antreten. Und da die Römer ziemlich fleißig gewesen waren im Erobern fremder Regionen, stehen der Preisträgerin weite Teile Europas und der Mittelmeerraum offen. Emma Thevißen hat sich noch nicht festgelegt, aber wahrscheinlich reist sie mit ihrer Schwester nach Österreich. Beruflich schwebt Emma Thevißen eher der Bereich Naturwissenschaften vor. „Aber in der Biologie werden ja auch viele Fachbegriffe aus dem Lateinischen abgeleitet“, meint Emma Thevißen. Joachim Birken ist sich sicher, dass seine Schüler auch dank der alten Sprache Latein und den antiken Denkmodellen ein solides Fundament für ihre weitere Bildung erworben hat.