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Übach-Palenberg: Bürgermeister, SPD und viele Dissonanzen

Übach-Palenberg : Bürgermeister, SPD und viele Dissonanzen

Um die Liaison steht es schlecht. Was einst wie eine unzerbrüchliche (Zweck-)Ehe aussah, könnte immer mehr, immer schneller auf ein ungutes Ende zusteuern. Die Anzeichen sind unüberseh- und unüberhörbar.

Was bislang hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wurde, fand nun erstmals auch in aller Öffentlichkeit seine Bestätigung: die Misstöne zwischen der Übach-Palenberger SPD und Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll, der immerhin (noch) das rote Parteibuch besitzt und laut Geschäftsordnung der SPD-Fraktion als deren Mitglied gilt.

Heiner Weißborn, der mächtige Mann der Genossen in der Ex-Zechenstadt, der Partei und Fraktion lenkt, attackierte bei der jüngsten Mitgliederversammlung Schmitz-Kröll wegen dessen Fernbleibens in ungewohnt scharfer Form: „Ich bedauere das ausdrücklich, aber ich habe den Bürgermeister seit über einem Jahr auf keiner SPD-Versammlung mehr gesehen.”

Was treibt den Ersten Bürger um? Die Frage hätten sicherlich gerne die Übach-Palenberger Sozialdemokraten beantwortet. Ist er, den die SPD bereits zweimal auf den Bürgermeister-Schild gehoben hat, noch einer der Ihren?

Das Tischtuch scheint noch nicht zerschnitten, doch die Schere liegt, hier wie da, zum Greifen nah. Die ehedem von der Opposition bejammerte ideologische Nähe zwischen Partei und Rathaus hat sich zu einer kühlen Distanziertheit ausgewachsen. Zu oft schon gerieten Fraktion, vor allem und naturgemäß ihr Vorsitzender Heiner Weißborn, und Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll auf Konfrontationskurs.

Erstes Rumoren

Ein erstes Rumoren gab es vor etwa zwei Jahren, es ging um den Einsatz von Herbiziden in öffentlichen Anlagen. Der spareifrige Bürgermeister war für deren Einsatz, die SPD wetterte dagegen, von wegen Umweltgifte. Ein weiteres Mal zeigte der politische Seismograph leichte Erschütterungen auf rotem Terrain, als es um die Einstellung eines Streetworkers ging. Auch in puncto Lernmittelfreiheit bezog der Bürgermeister einen anderen Standpunkt als seine Partei-Kollegen. Oder bei dem Beschluss über eine Zuwegung für eine Firma: Die Fraktion sagte Nein, Schmitz-Kröll Ja.

Zünglein an der Waage

Was die rote Seele am meisten schmerzen dürfte, ist der Umstand, dass die Genossen - in fester Koalition mit den Bündnisgrünen - sich längst nicht sicher sein können, die nunmehr vier Jahrzehnte währende Mehrheit im Übach-Palenberger Stadtrat jederzeit zu kontrollieren - die Bürgermeister-Stimme ist nach wie vor das Zünglein an der Waage, die jedoch, nach den sich häufenden Dissonanzen, auch zu Gunsten der Opposition kippen könnte.

Wie aus Kreisen der Übach-Palenberger SPD zu erfahren ist, stößt den Partei-Kollegen auch der versiegende Informationsfluss zwischen Bürgermeister und Genossen bitter auf. Aktuelles Beispiel seien die Pläne für den Bau der Schokoladen-Fabrik. Der Bürgermeister habe lange, zu lange mit Detail-Wissen hinterm Berg gehalten und dann, zuerst, per Presseerklärung die Öffentlichkeit informiert.

Bei den Genossen hat sich offensichtlich die Erkenntnis festgesetzt, dass sich der Bürgermeister von der SPD separiert, und nicht umgekehrt. Und wenn beide nicht mehr miteinander wollen oder können, stellt sich die abschließende Gretchenfrage: Wie geht es kommunalpolitisch in der Ex-Zechenstadt weiter?

Nun, bis zu den Kommunalwahlen im Jahr 2009 fließt noch viel Wasser die Wurm runter. Doch Spekulationen schießen schon jetzt ins Kraut - eine davon: Heiner Weißborn, gerade erst überzeugend als Stadtverbandsvorsitzender und Fraktionschef bestätigt, kandidiert für die SPD, Mitbewerber Paul Schmitz-Kröll als Unabhängiger - immerhin eine Variante, die so schon in manchen Nachbarkommunen praktiziert wurde.