"Bücherkiste": Palenberger Einrichtung geht in den Regelbetrieb

„Bücherkiste“ : Palenberger Einrichtung geht in den Regelbetrieb

Was lange währt, wird endlich gut: Nach dem Ende der Stadtbücherei ist nun die von Ehrenamtlern betriebene „Bücherkiste“ in den Regelbetrieb gegangen. Es werden noch dringend „Anpacker“ gesucht.

Wer sich am Samstag durch die Palenberger Barbarastraße bewegte, merkte kaum etwas davon, dass nun eine für die Stadt Übach-Palenberg verloren geglaubte Institution wieder zurück ist. Denn die „Bücherkiste“ im linken Container an der Hausnummer 12 und damit in unmittelbarer Nähe zur Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Palenberg, füllt eine Lücke, die nicht nur nach dem Willen ihrer Betreiber vom Verein „Kunst-, Kultur- und Bücherkiste“ (KKBK) dringend geschlossen werden musste.

Auch die Premierengäste beim ersten offiziellen Öffnungstag im Regelbetrieb waren sich einig, dass eine öffentliche Ausleihe von Büchern, Filmen und anderen Medien nach der vom Rat der Stadt beschlossenen Schließung der einstigen Stadtbücherei auf reges Interesse stoßen wird. Zwar war es am Samstag noch etwas ruhig, „doch das lag sicherlich auch daran, dass die Menschen sich erst einmal wieder an das Angebot gewöhnen müssen“, so Frank Kozian, der mit einer kleinen Handvoll an Mitstreitern und den derzeit noch an wenigen Händen abzählbaren Vereinsmitgliedern den Regelbetrieb vorbereitet hat.

Monate lang waren die Damen und Herren vom KKBK nicht nur dabei, die alten Bücherei-Räumlichkeiten an der Comeniusstraße nach brauchbarem Material zur Ausleihe und zur Präsentation der Medien zu durchforsten. Mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung durch die Stadtverwaltung gingen sie auch daran, sich ihren Teil des Containers am neuen Standort in der Barbarastraße passend einzurichten. Dabei war nicht nur die Substanz des Gebäudes eine zu überwindende Hürde, sondern auch heutzutage vermeintlich problemlose Ubiquitäten wie ein Internetzugang. „Das war echt eine anstrengende Nummer“, erinnert sich Frank Kozian.

Doch jetzt läuft alles, zumindest Kozian als Vorsitzender ist auch problemlos in der Lage, alle Medien einzulesen. Mit den früher beliebten Karteikartensystemen wird bei der „Kiste“ nicht hantiert, hier läuft alles nach modernem Standard mit softwarebasierten Lösungen. Und während Kozian mit dem eigens angeschafften Scanner Buch um Buch ins System einpflegt, gibt es schon begeisterte Nutzer der „Bücherkiste“. Denn die jüngsten Gäste im Lebensalter von weniger als fünf Jahren durften an diesem ersten Öffnungstag das Premierenpublikum sein.

Sie lauschten nicht nur den spannenden Geschichten von Ramona Hausmann, die aus dem Buch „Kleines Muffelmonster ganz groß“ von Julia Boehme und Franziska Harvey vorlas. Sie lernten auch einen Bewohner der Kiste kennen. „Das hier ist Üpsi“, sagte Ramona Hausmann mit einem strahlenden Lächeln, „er wohnt in der ,Bücherkiste’ und freut sich, dass ihr da seid“.

„Üpsi“ ist so etwas wie das neue Maskottchen der „Bücherkiste“und darf an jedem ersten Samstag im Monat ganz sicher nicht fehlen. Denn dann liest er – gemeinsam mit ganz unterschiedlichen erwachsenen Begleitern – für Kinder in zwei Altersklassen aus immer wieder neuen Geschichten und Büchern vor. Und da das Zuhören und Lesen nur ein Teil des Spaßes ist, den das gedruckte Wort verbreiten kann, wird natürlich auch noch gemalt, was das Zeug hält. „Alles zum Mitnehmen“, so Ramona Hausmann, bevor die Kinder nach einer guten und schönen Stunde mit ihren Eltern wieder nach Hause verschwanden.

Verschwunden sind übrigens auch ein paar der Mitstreiter aus der Anfangszeit der Kiste, die immerhin schon seit gut zwei Jahren am Start ist. Um die entstandenen Lücken im Vorstand zu füllen, wird es noch im ersten Quartal des frischen Jahres Neuwahlen geben, der Termin steht allerdings noch nicht fest. Klar ist aber, was KKBK braucht: „Uns fehlen Anpacker“, sagt Frank Kozian. Leute, die dauerhaft dabei sind, sich nicht davor scheuen, den Umgang mit dem Computer zu üben, und die sich die Zeit nehmen, anderen Menschen ein von der Stadt aus Kostengründen gestrichenes Konzept wieder nahezubringen. „Haben wir genug Freiwillige, lassen sich auch umfangreichere Öffnungszeiten realisieren“, ist Kozian sicher.

So bleibt es derzeit beim Samstag als aktuell einzigem Öffnungstag, von 10 bis 14.30 Uhr darf man sich dann in der „Bücherkiste“ umschauen. „Und man wird natürlich auch schnell fündig, denn dadurch, dass wir im Moment nur wenige Mitglieder haben, sind alle Titel sehr gut verfügbar“, wirbt der Vorsitzende.

Damit man auch mal reinschauen kann, wenn die Kiste zu ist, ist über die vereinseigene Homepage unter www.buecherkiste-uep.de der aktuelle Medienbestand mit Verfügbarkeit einsehbar. Ein schönes Angebot, wie auch Mitglied Paul Josef Gerschel findet. Er schneite natürlich auch rein an diesem mit ausgesprochen ungemütlichem Lesewetter gesegneten Samstag. Und er interessierte sich auch gleich für die Vorstandsarbeit. So zeigt sich die „Bücherkiste“ aktuell als zwar noch kleine Institution, doch wer sich mit den Leuten hinter dem Projekt auch nur ein wenig beschäftigt, merkt gleich, dass diese Überzeugungstäter die finanzielle Unterstützung und auch Man- oder Womanpower für ihr Engagement verdient haben.

Den besten Beweis dafür lieferten sicherlich die Kinder, die sich glücklich auf den Heimweg machten und dabei immer noch die mit „Üpsi“ geteilten Abenteuer im Kopf hatten.

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