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Schlechte Materiallage zu Beginn: Buch über die Geschichte Geilenkirchens

Schlechte Materiallage zu Beginn : Buch über die Geschichte Geilenkirchens

„Das Geilenkirchener Land im Sturm der Zeit zwischen 1914 und 1945“ von Willi Goertz. Präsentation am 17. März.

Wenig ist bisher über die Geschichte Geilenkirchens im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik dokumentiert. Autor Willi Goertz (54 Jahre), Theologe und Philologe aus Grotenrath, der schon mehrere heimatkundliche Schriften verfasst hat, war dies ein Dorn im Auge, und mit viel Akribie machte er sich vor zwei Jahren an die Recherche für sein brandneues Buch „Das Geilenkirchener Land im Sturm der Zeit zwischen 1914 und 1945“.

Dabei fiel ihm auf, „dass es so gut wie gar nichts über die Zeit von 1871 bis 1918 gibt!“ Im Kreisarchiv finde man zwar Mikrofilme von Tageszeitungen der damaligen Zeit, erzählt der Heimatforscher, doch bis 1915 seien diese nur zweimal pro Woche erschienen. „In zahlreichen Besuchen habe ich die Jahre von 1914 bis 1945 durchgearbeitet und konnte sehr gut die Stimmung in der Heimat, auch anhand von Wahlergebnissen, rekonstruieren“, teilt er mit.

Auch mithilfe von Orts- und Vereinschroniken sei es ihm gelungen, eine umfassende Dokumentation über die politische und gesellschaftliche Entwicklung im Geilenkirchener Land zu verfassen. „Es gibt kein Ereignis und kein Dorf, das ich nicht berücksichtigt habe“, betont Goertz die Gründlichkeit seiner Recherche.

Tagebuch aus Bunker

Dazu gehöre auch das Kriegstagebuch eines Geilenkirchener Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg und das in einem Bunker gefundene Tagebuch einer beim Kampf um Geilenkirchen eingesetzten Wehrmachtseinheit.

Auf Bilder habe er bewusst verzichtet, sagt er, „sonst wäre das Buch preislich ins Uferlose gegangen“, ebenso auf Interviews von Zeitzeugen, „denn die Menschen sind schon fast alle tot“. Besonders notwendig sei die Erinnerungskultur heute wegen der Erstarkung rechtsgerichteter Strömungen, meint der Geschichtsforscher.

Mit „ins Boot“ nahm der Autor den Geschäftsführer des 1970 gegründeten und 80 Mitglieder starken „Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz im Kreis Heinsberg“ (VDL), Helmut Landscheidt (83). Sein Verein veröffentlicht Dokumentationen und veranstaltet Ausstellungen. Seit 2013 engagiert sich Willi Goertz selbst im VDL, leitet dort den Arbeitskreis „Heimatgeschichte“ und veröffentlichte mehrere Schriften.

Landscheidt, ehemaliger Maschinenbautechniker und selbst Verfasser von geschichtlichen Abhandlungen, ist voll des Lobes über Goertz‘ neustes Werk: „Man braucht viel Ausdauer, um Geschichtsarbeit zu betreiben. Viele fangen damit an, hören aber schnell wieder auf, denn oft geht man aus den Archiven ohne irgendein Ergebnis nach Hause!“

Buchvorstellung im Haus Basten

Der VDL wird das 360 Seiten starke Buch von Willi Goertz als Vereinsschrift am 17. März um 15 Uhr im Geilenkirchener Haus Basten der Öffentlichkeit präsentieren. Mitglieder erhalten es umsonst, andere Interessenten zahlen lediglich 15 Euro. Der Preis konnte so niedrig gehalten werden, wie Landscheidt erfreut hervorhebt, „da wir erstmalig das Glück hatten, von der „NRW-Stiftung für Natur, Heimat und Kultur“ einen Förderzuschuss zu bekommen!“ Das Buch könne auch bei Vorstandsmitgliedern erworben werden. Infos hierzu bei Helmut Landscheidt, Telefon 02451/43317.

„Neue Mitglieder sind herzlich willkommen in unserem unparteiischen Verein“, wirbt der Geschäftsführer. Viele Exkursionen führten in die nähere und weitere Umgebung, man grille, wandere und treffe sich zu Kaffeenachmittagen. „Bei uns gibt es altersmäßig eine bunte Mischung zwischen 50 und 85 Jahren, und jeden zweiten Donnerstag im Monat um 19 Uhr findet eine Sitzung im Restaurant ‚Postwagen‘ statt, wo Interessierte gerne in den Verein ‚hineinschnuppern‘ können!“