Blick ins Archiv: Das war Geilenkirchen im Jahr 1969

Blick ins Archiv : Im Mai 1969 boomt die deutsche Wirtschaft

1969: Die deutsche Wirtschaft boomt. Arbeitskräfte sind Mangelware. Auch in unserer Region ist man auf Gastarbeiter angewiesen. Was sonst noch vor 50 Jahren geschah, zeigt ein Blick ins Archiv.

Am Montag, 12. Mai, schafft es eine Meldung der Lokalredaktion Geilenkirchen auf die Titelseite im Mantel. Im Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhaus sind Drillinge geboren worden: Drei stramme Jungs, die auf die Namen Michael, Thomas und Stephan hören. Die kleinen Racker waren so gut entwickelt, dass sie nicht einmal im Brutkasten untergebracht werden brauchten, berichtete die Geilenkirchener Volkszeitung. Auch Mama Elisabeth Weber aus Übach-Palenberg war wohlauf. Nun war die Kinderzahl der Familie Weber kurzerhand von 8 auf 11 gestiegen.

Nicht nur die Geburtenzahlen, auch die deutsche Wirtschaft boomt im Mai 1969. Am Dienstag, 6. Mai 1969, titelt die Geilenkirchener Volkszeitung auf ihrer 1. Seite „Fünf offene Stellen auf einen Arbeitslosen - Arbeitslosenzahl auf neuen Tiefstand gesunken- „Überall Arbeit unter Hochdruck“. Im Text heißt es weiter: „Die Zahl der offenen Stellen erhöhte sich im April weiter um 43.400 (6 %) auf 763.300.“ Damit stehen 320.000 oder 73 Prozent mehr freie Arbeitsplätze zur Verfügung als vor Jahresfrist. Die Arbeitslosenquote liegt bei 0,7 Prozent.

Josef Stingl, Chef der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, geht davon aus, dass obwohl in jedem Fall versucht werde, zuerst deutsche Staatsbürger unterzubringen, „bei der gegebenen Situation… die Anwerbung von Ausländern verstärkt fortgesetzt werden (muss)“ und dass der „bisherige Höchststand von 1,3 Millionen Gastarbeitern in diesem Jahr überschritten werden wird“. Im Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg gibt es zu diesem Zeitpunkt 6000 Gastarbeiter, die meisten von ihnen Griechen und Italiener.

Foto: Foto: Kirsten Barth

Geschichte wiederholt sich. Auch aktuell boomt die deutsche Konjunktur seit Jahren, wenn auch aufgrund von Brexit und Handelskonflikten derzeit mit geringeren Steigerungsraten als erwartet. Arbeitskräfte sind in fast allen Bereichen Mangelware. Vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich ist man wieder auf die Anwerbung von „Gastarbeitern“, die aktuell als „ausländische Arbeitnehmer“ bezeichnet werden, angewiesen. Ein neues Fachkräfte-Einwanderungsgesetz soll Pflegekräfte aus Asien und Afrika leichter nach Deutschland bringen.

Auch in Geilenkirchen war im Mai 1969 allerorts die boomende Prosperität zu spüren. Geld war in die Hand genommen worden um den Stadtkern zu sanieren (wegen Hochwasserproblematik) und zu verschönern. Die „Hauptstraße wird zu Pfingsten ohne jede Beschränkung sein“, titelte die Geilenkirchener Volkszeitung am Freitag, 23. Mai 1969.

Foto: Repro:Kirsten Barth/Repro: Kirsten Barth

Endlich, nach zehn Monaten Bauzeit, die Anwohnern und Verkehrsteilnehmern oft arge Geduld abgefordert hatte, war die Stadtmitte vom Haus der Kreissparkasse bis hin zum Amtsgericht wieder vollständig für den Verkehr geöffnet und Geilenkirchen nach menschlichem Ermessen vor Hochwasser geschützt. Die örtlichen Vereine waren glücklich. Den Umzügen zur Pfingstkirmes, die 1969 schon am vorletzten Maiwochenende startete, standen keine Absperrungen mehr im Wege.

Noch zufriedener über die wiederhergestellte vierrädrige Erreichbarkeit des Stadtzentrums und die später oft bedauerte Nutzungsmöglichkeit als Durchfahrtstraße war die zunehmende Anzahl an Autobesitzern. Am 3. Mai 1969 titelte die GVZ „Das Straßenverkehrsamt hat Hochbetrieb. Weit über 31.000 Fahrzeuge im Selfkantkreis“ Weiter heißt es: „Waren am 1. Januar 1968 insgesamt 29.707 Kraftfahrzeuge im Selfkantkreis im Verkehr, so stieg die Zahl bis zum 1. Januar 1969 auf 31.620“ (+6,4 %).“ Auch die Nachfrage nach dem Führerschein stieg rasant an. Am 8. Mai 1969 meldete die Geilenkirchener Volkszeitung, dass im vergangenen Jahr im Bundesgebiet 1,1 Millionen Bewerber die Fahrerlaubnis der Klasse III (Pkw) erhalten hätten. Zur Einordnung: Die Bevölkerungszahl lag damals bei rund 60 Millionen.

Mit der steigenden Anzahl von Kraftfahrzeugen und Führerscheinbesitzern schrumpfen natürlich auch die gefühlten Entfernungen. Der Urlaubsfahrt ins Ausland stand nun weniger die schwierige Erreichbarkeit als allenfalls das Budget entgegen und in die Kostenplanung gehörte nun definitiv der Bezinpreis. Folgerichtig und kundenorientiert findet sich am Donnerstag, 8. Mai, auf der GVZ-Seite „Auto und Verkehr“ die Aufstellung „Was kostet Benzin in Europa?“. Dazu passt auch die lustige Skizze, ebenfalls am 8. Mai in der GVZ veröffentlicht, die an die rechtzeitige Ummeldung der Adresse für die Zeitungszustellung während der Ferien erinnert:

Ein fliegender Koffer transportiert eine fröhliche Leserfamilie über die Berge in den Urlaub. Und hinterher fliegt, mittels Brieftaube, natürlich, die Tageszeitung. „Frohe Ferien, wo immer es sei, Ihre Heimatzeitung ist immer dabei!“, wünscht die GVZ dazu und erinnert daran, vier Tage vor Urlaubsbeginn die Ummeldung zu veranlassen, damit die lokale Top-Information auch rechtzeitig am Urlaubsort vorliegt. So sah vor 50 Jahren perfekte Dienstleistung der Aachener Volkszeitung aus.

Und, gar nicht selbstverständlich in Zeiten sekundenschneller digitaler Information, so sieht gute Dienstleistung beim Zeitungsverlag Aachen auch im Jahr 2019 aus: Wer seine gedruckte Zeitung liebt und auch abseits von daheim nicht auf das gewohnte Gefühl von Papier und Druckerschwärze an den Händen verzichten möchte, kann sich die tägliche Ausgabe innerhalb Deutschlands portofrei zusenden lassen. Spätestens am Tag nach Erscheinen, mit etwas Glück sogar schon am gleichen Tag, hält der Abonnent seine Lokalausgabe in der Hand.

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