Übach-Palenberg: Bierkrüge und -gläser, die ihre eigene Geschichte haben

Übach-Palenberg: Bierkrüge und -gläser, die ihre eigene Geschichte haben

Wenn Hans Köhn sich ein Bierchen genehmigt, kann er in die Vollen greifen, in die vollen Vitrinen in seinem Keller. Nicht dass dort der Gerstensaft hektoliterweise gelagert wäre, nein, dort stehen rund 400 Biergläser und Bierkrüge.

Für nahezu jede Biermarke hat er das passende Gefäß parat. Prilsauber und wie eine kleine Armee ordentlich in Reih und Glied geordnet, zeugen sie von einer recht seltenen Kollektion des Übach-Palenberger Ruheständlers. Rund 50 Jahre sammelt der 67-Jährige die fragilen Utensilien des gastronomischen Alltags.

Woher rührt diese eigenwillige Faszination? „Meine Großmutter hat bereits Püppchen gesammelt”, verweist Hans Köhn auf eine vielleicht familiär bedingte Ursache. Zunächst, in frühen Jugendjahren, waren Bierdeckel sein Steckenpferd. Das Sammeln hatte also schon damals eine gewisse Biernote.

„Das könnte auch die Initialzündung für das spätere Sammeln von Biergläsern und -krügen gewesen sein”, vermutet der Übach-Palenberger. „Der Formenreichtum ist immer wieder schön anzusehen”, schwärmt der Hobbyist von seinen zum Teil schon antiquarischen Schätzen im Keller.

„Mit den meisten der Gläser und Krüge verbinde ich eine persönliche Geschichte”, sagt Köhn und greift zum Beispiel zu einem Glas, das ein Mitbringsel von einer Schweizer Autobahn-Raststätte ist: „Meine Frau und ich waren 1972 auf unserer Hochzeitsreise und haben bei einem Stopp ein Glas alkolholfreies Ex-Bier getrunken. Eine furchtbare Brühe.” Aber eine schöne, glasgewordene Erinnerung bis heute.

Sehr viele Sammelstücke weisen in die DDR-Vergangenheit: Schlichte Blankogläser und -krüge, also ohne jegliche Aufschrift, stammen aus volkseigenen Betrieben, die Verwandten jenseits der Mauer schenkten sie dem Mann im Westen.

Nostalgisch wird es auch, als Hans Köhn den Westmark-Bembel aus der Vitrine hievt. Ein ganz spezielles Exemplar, das an eine glorreiche Haarener Sud-Ära erinnert: „Der Chef der Brauerei schenkte allen Stadtverordneten einen Krug anlässlich der Stadtwerdung Übach-Palenbergs.”

Allerdings ist jenes historische Datum „22. September 1967” etwas verblasst, da das gute Stück versehentlich in der Spülmaschine gelandet war. Garantiert waschfest dagegen scheint jener massive Bierkrug aus dem Jahre 1913, dessen Verzierung mit dem deutschen Adler schon beinah kunstvoll daherkommt, er kündet von einem - wie man heute sagen würde - großen Event, er ist der offizielle Festkrug beim XII. Deutschen Turnertag in Leipzig.

Einen betont stilvollen, imposanten Kelch, der zwei Liter fasst, besitzt Hans Köhn aus dem Hause Köstritzer. „Der hat mir bei einem Besuch in einem Usedomer Fischrestaurant direkt gefallen, den wollte ich unbedingt haben und orderte ihn über den Wirt bei der Schwarzbier-Brauerei.” 60 Mark musste Köhn dafür hinblättern.

„Nicht immer verlangen die Gaststätten oder Brauereien Geld”, weiß der 67-Jährige. Zum Beweis kramt er den Riesenpott der Dortmunder Union hervor, in den sich locker drei Liter einfüllen lassen und den man auch ohne Gerstensaft nur mit viel Muskelkraft stemmem kann.

Eines ist dem Übach-Palenberger Rentner in seinem Sammeleifer auf jeden Fall wichtig: „Mitgehen lass ich auf keinen Fall ein Glas oder einen Krug, und sei er noch so verlockend.” Außerdem legt Hans Köhn Wert darauf, dass er keinen Ramsch aufbewahrt. „Mir geht es darum, dass ich Original-Gefäße in meinen Vitrinen habe. Gläser und Krüge, die als touristische Souvenirs erhältlich sind, werden Sie bei mir nicht finden.”

Bit, Köpi, Veltins, Warsteiner, Degraa, Guinness, Amstel, Stella oder wie sie alle heißen oder hießen, ob aus deutschen, niederländischen, belgischen, englischen, französischen oder dänischen Kneipen - Hans Köhn hat sie fast alle. „500 möchte ich schon noch vollmachen”, ist er immer noch auf der Jagd nach weiteren Sammelstücken.

Etwaigen Befürchtungen sei mit folgender Feststellung vorgebeugt: Die Sammelleidenschaft von Hans Köhn steht in keinem Verhältnis zu seinem Alkoholkonsum: „Ein Bierchen am Abend. Mehr nicht”. Und dann natürlich im Original-Bembel.