Geilenkirchen/Übach-Palenberg: Bezirksmeister bleibt der Herr aller Daten

Geilenkirchen/Übach-Palenberg: Bezirksmeister bleibt der Herr aller Daten

Der Jahresbeginn hat die Zeit der Veränderungen mitgebracht. Für Hans Hansen bedeutet das: Wahrscheinlich wird alles beim Alten bleiben. Der 61-Jährige ist Schornsteinfegermeister und in seinem Bezirk verantwortlich für gefahrenfreie Heizungsanlagen in Gebäuden. Das so genannte Kehrmonopol jedoch ist der Branche genommen worden. Es herrscht „freier Wettbewerb“ — wenn man die nötige Qualifikation besitzt.

An der nahen Stadtgrenze Übach-Palenbergs wohnt Hans Hansen. In seinem Stammbezirk Geilenkirchens versorgt der stellvertretende Obermeister seiner Innung rund 2700 Kunden, meißt Wohnhäuser oder Geschäftsbetriebe. Das von Hans Hansen betreute Gebiet umfasst Teile der Kernstadt, Niederheids und Hünshovens sowie die Ortslage Bauchem und sogar Großmärkte.

Das hat Bestand. „Da es sich bei unserem Auftrag um hoheitliche Aufgaben handelt, stehen wir unter der Aufsicht der Bezirksregierung in Köln“, erläutert Hans Hansen. „Das heißt, die klassische Feuerstätten-Schau bleibt in Händen der Bezirksschornsteinfegermeister.“ Das ist so seit 1937. Der Staat verordnete diese Art frühen Brandschutzes. „Die Schornsteinfeger ,dienten‘ förmlich, machten für sich keine Werbung, konnten keine Veränderungen herbeiführen, so diese nicht staatlich gewollt waren“, beschreibt der Bezirksmeister.

Mit Jahresbeginn ist das aufgehoben. Im nun „freien Markt“ könnten Heizungsinstallateure, beispielsweise, die Arbeit des Schornsteinfegers übernehmen. Aber: „Die Verwaltung der ermittelten Messdaten bleibt beim Bezirksmeister, der für die Bezirksregierung der ,Bevollmächtigte‘ ist.“ Hans Hansen betont, dass es gesetzlich untersagt ist, in zwei Funktionen am „Feuerstättenbescheid“ mitzuwirken, nämlich als Heizungsbauer und -warter und zusätzlich als Erheber der Messwerte.

Da das Monopol für die Schornsteinfeger aufgehoben ist, funktioniert das System auch in umgekehrter Richtung. Wenn also ein Bezirksmeister in schwarzer Kluft Heizungen wartet, wird er nicht messen dürfen. „Ja, ein bisschen kompliziert ist das schon“, lenkt Hans Hansen ein, der bei Meister Hackenberg lernte, jetzt 45 Jahre in seinem Beruf steht und 1975 selbst die Meisterprüfung ablegte. 1990 wurde er zum Bezirksmeister ernannt.

Die Aufgabe des Monopols sieht der passionierte Akkordeonspieler durchaus als Chance — für seine Kunden wie für ihn. Hans Hansens Berufsbild ist nämlich sehr breit. Er ist zertifizierter Gebäudeenergieberater, darf so genannte Energiepässe ausstellen, qualifizierte sich durch die Meisterschule auch zum „Energieberater im Handwerk“.

Kosten nach Standort

Hans Hansen begann seine Beratertätigkeit schon 1997. Da unterliegt er einer festen Gebührenordnung. Für die Messungen an und in einem Einfamilienhaus sind rund 178 Euro fällig, so der Tarif — der jetzt ebenfalls durch den „Wettbewerb“ aufgehoben ist. „Freie Gestaltungpreise für unsere Tätigkeit verlangt von unserer Branche natürlich auch neue Kalkulationsgrundlagen“, sagt Hans Hansen. Wer also die Dienste des Bezirksmeisters in Anspruch nehmen möchte, kann je nach Standort mit unterschiedlichen Angeboten und Preisen rechnen.

Die Quote in der Kundschaft, die neue Angebote bevorzugt, sieht Hans Hansen bei zwei, höchstens bei fünf Prozent. Wieder die Wechselwirkung: Bei ihm selbst sind schon ein halbes Dutzend Anfragen von Eigentümern eingetroffen. „Ich denke, bei den allermeisten Kunden hat sich zum Schornsteinfeger ein Vertrauensverhältnis gebildet“, freut sich Hans Hansen, der seinen Bezirk mit seinem Meisterkollegen Helmut Ditter betreut und auch einen Auszubildenden beschäftigt.

In diesen Tagen wird aber nicht nur gemessen, sondern auch gefragt: Möchten Sie unsere Dienste weiter beanspruchen? „Ich bin sicher“, sagt Hans Hansen, „die meisten Kunden sagen Ja, und das ist auch mit einem Handschlag besiegelt.“

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