Geilenkirchen-Würm: Bewegte Zeiten unter Kirchturm

Geilenkirchen-Würm: Bewegte Zeiten unter Kirchturm

Ein halbes Jahrhundert ist seit dem Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Pfarrkirche St. Gereon in Würm vergangen. Grund zu feiern.

Grund auch, in die Geschichte des Gotteshauses zu blicken. Pfarrer Norbert Kaluza hat dies getan.

Gemeinsam mit vielen engagierten Helfern hat er die lange Tradition des Gotteshauses freigelegt. Im wörtlichen Sinne: Schicht für Schicht. Was es nun zu sehen gibt? Welche Geschichten sich hinter Fenstern, Bögen oder Bruchsteinen verbergen? Klaragret Stenner-Merzbach gibt Antworten. Und blickt voraus - aufs große Fest in der Gemeinde Würm.

Die Pfarrkirche St. Gereon in Würm wurde am 4. Dezember 1137 erstmals urkundlich erwähnt. Am 18. November 1944 wurde sie bei heranrückender Front von deutschen Truppen gesprengt. Von 1951 bis 1953 wurde die Kirche dann nach Beseitigung der Trümmer wieder aufgebaut und am 1. Mai 1953 durch Weihbischof Dr. Friedrich Hünermann feierlich wieder eingeweiht.

Seit 1953 Gottesdienste wieder in der Kirche

Seit dem 29. März 1953 werden die Gottesdienste wieder in der Kirche gefeiert. Die alte Baracke, die bis dahin - mit schwarzer Asche als Fußboden - als Notkirche gedient hatte, wurde abgerissen. Das Holz dieser Notkirche wurde als Brennholz für 600 Mark verkauft.

Zur Pfarre gehören die im Zweiten Weltkrieg am meisten zerstörten Orte des damaligen Selfkantkreises: Beeck, Flahstraß, Honsdorf, Leiffarth, Müllendorf und Würm. Unter großen Opfern baute man in den Jahren des Wiederaufbaus nicht nur die eigenen Häuser auf, sondern opferte in Hand- und Spanndiensten freiwillig viele Stunden, um den Schutt der alten Kirche zu beseitigen. Daneben spendeten die Bürger von ihren damals sehr knappen Einkünften bei monatlichen Haussammlungen insgesamt 180 000 Mark.

Vor der Zerstörung galt die spätgotische Kirche als ein Bau des 14. oder 15. Jahrhunderts. Durch die Sprengung wurden noch ältere Bauteile sichtbar. Der Archäologe P.A. Tholen fand damals Holzfundamente der wohl ersten Kirche am Ort aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. In der Ostwand wurde ein Rundbogen aus Brohler Tuffstein freigelegt. Der damalige Pfarrer Hubert Schmitz schreibt in der Pfarrchronik, dass die Grundmauern der älteren Kirche nur durch sorgfältige Grabung freigelegt werden könnten.

Das ist nun in diesem Jahr in der alten Sakristei auf Initiative des Pfarrers Norbert Kaluza und durch die unermüdliche Arbeit so mancher freiwilliger Helfer geschehen. Die einzelnen Schichten früherer Kirchen sind zu sehen. Der älteste Teil der Pfarrkirche St. Gereon ist nach Osten gerichtet - wie alle Kirchen des Mittelalters - und hat wohl als Chorraum einer der früheren romanischen Kirchen gedient.

In der Chronik wird die alte Sakristei auch als „Chörchen” bezeichnet. Dieses stellt ein unregelmäßiges Achteck dar, erbaut aus Bruch- und Ziegelsteinen und römischen Ziegelresten. Ein Rundbogen aus Tuffstein ist auch freigelegt worden, die Jahreszahl 1251 ist darin eingeritzt. Der frühere Zugang zur Kanzel ist wieder geöffnet, so ist die alte Sakristei nun vom Kirchenschiff aus zu begehen.

Die Chorfenster der Kirche St. Gereon stellen Lehramt, Priesteramt und Hirtenamt dar. Das linke Fenster wurde von der Ortschaft Würm, das mittlere Fenster von der Ortschaft Beeck gestiftet. Das rechte Fenster (Hirtenamt) wurde wie die übrigen Fenster zum Patrozinium am 11. Oktober 1953 eingesetzt.

Die Fenster an der Ostwand zeigen den Heiligen Gereon, den Heiligen Josef und den Heiligen Hubertus. Die Schützengesellschaften von Würm und Leiffarth stifteten ihre Schutzpatrone, die Ortschaft Müllendorf das Fenster mit der Darstellung des Heiligen Josef, dem Schutzpatron ihrer später (1956) gegründeten Bruderschaft.

Gemeinde feiert Jubiläum des Wiederaufbaus

Am Donnerstag feiert die Pfarrgemeinde nun das 50-jährige Jubiläum der wieder errichteten Pfarrkirche St. Gereon. Zu dieser Feier, die um 10 Uhr mit einer Festmesse beginnt, sind alle recht herzlich eingeladen.

Der Spiritual am Aachener Priesterseminar Herbert Steinbusch, der in Beeck geboren und in St. Gereon Würm getauft wurde, feiert in Konzelebration mit Pfarrer Norbert Kaluza die Heilige Messe. Steinbusch wird dabei die Festpredigt halten.

Im Anschluss an die Heilige Messe, die vom Gesangverein Frohsinn Beeck und dem Musikkorps Würm musikalisch gestaltet wird, zieht die Festgemeinde zum Gereonhaus. Für die Besucher werden von den Vereinen und Gruppierungen eine Tombola, Spiele, Unterhaltung, musikalische Darbietungen und Beköstigung angeboten.

Im katholischen Kindergarten Würm zeigt Peter Kuhlen eine Foto-Ausstellung über die zerstörte Kirche und den Wiederaufbau aus der Zeit von 1945 bis 1953. Der Kindergarten präsentiert zum „Jahr der Bibel” zudem Kinderbibeln und Bibeln und bietet diese zum Verkauf an.

Schon jetzt sagen die Verantwortlichen allen, die bei der Vorbereitung, der Gestaltung und auch bei der Begleichung der Kosten mitgeholfen haben und noch mithelfen, ein herzliches „Dankeschön”.

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