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Geilenkirchen: Bewährungsstrafe für 47-Jährigen wegen Übergriffs auf Ex-Lebensgefährtin

Geilenkirchen : Bewährungsstrafe für 47-Jährigen wegen Übergriffs auf Ex-Lebensgefährtin

Mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr kam ein 47-jähriger Angeklagter bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht davon.

Am vierten Verhandlungstag, nach den Plädoyers der Staatsanwaltschaft, den Anträgen der Nebenkläger und dem Plädoyer des Verteidigers trat das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Anselm Pütz noch einmal in die Beweisaufnahme ein. „Wir wollen bei einem Ortstermin klären, ob die Flucht einer Zeugin aus ihrer Wohnung, wie hier in der Verhandlung beschrieben, überhaupt möglich ist”, begründete Pütz den Ortstermin.

Es geht in diesem Verfahren um einen Angeklagten, der von seiner 50-jährigen Lebensgefährtin und von einer einwöchigen Kurzbeziehung jeweils Geld gefordert hatte.

Als ihm das nicht ausgehändigt wurde, soll er Gewalt angewendet haben. An der Wohnung der Zeugin wurde festgestellt, dass deren Flucht wie beschrieben über ihren Balkon nicht möglich ist, weil sie nach dem Ablassen von ihrem Balkon in einem von Mauern umgebenen Hof, aus dem es keine Fluchtmöglichkeit gebe, gelandet wäre. Deshalb wurde die gesamte Aussage dieser Zeugin nicht nur in Frage gestellt, sondern sowohl von der Staatsanwaltschaft und letztlich auch vom Gericht nicht mehr berücksichtigt. „Es ist ein Freispruch mangels Beweises”, stellte der Richter in seiner Urteilsbegründung klar.

Vieles spreche schon dafür, dass der Angeklagte auch mit dieser Zeugin ähnlich wie mit seiner vorherigen Lebensgefährtin umgegangen sei. „Es ist in diesem Verfahren klar geworden, dass der Angeklagte Gewalt angewendet hat. Er hat die Unart in beiden Fällen an den Tag gelegt, seine Opfer an den Kiefer zu fassen”, ging der Richter ins Detail.

Kaltherzig

Auch mit seinem kaltherzigen Geständnis habe er sich schwer getan. „Zu verurteilen bleiben Körperverletzung, Bedrohung und das Vergehen gegen das Gewaltschutzgesetz.”

Zu Beginn des Verhandlungstages wurde ein 38-jähriger Zeuge gehört, der sowohl zum Angeklagten als auch zu dessen kurzzeitiger 42-jähriger Freundin Kontakt gehabt hatte. „Die 42-jährige Frau war eine Prostituierte, die gemeinsam mit dem Angeklagten in meinem Haus war und nach einer gemeinsamen Nacht wieder zu ihm auf die Couch zurückgekehrt ist”, sagte der Zeuge aus. Daraufhin habe er beide aus seinem Haus geworfen. Er selbst habe zu dieser Zeit wegen einer Erkrankung Morphium nehmen müssen.

Ob der Angeklagte oder die 42-Jährige Tabletten gestohlen hätten, dazu könne er nichts sagen. Er habe das nicht festgestellt. In ihrem Plädoyer vor dem Ortstermin forderte Staatsanwältin Stefanie Matthias drei Jahre Gefängnis für den Angeklagten. „Er hat seine beiden Opfer nicht nur belästigt und bedroht, sondern ihnen auch Verletzungen zugefügt.”

Hinzu kämen zum Teil auch einschlägige Vorstrafen. Nach dem Ortstermin dann aber die Kehrtwendung der Staatsanwältin, die jetzt den Sachverhalt mit der 42-jährigen Zeugin eingestellt sehen wollte. So blieb nur noch der Übergriff auf seine ehemalige Lebensgefährtin aus Übach-Palenberg, die er auch bedroht hatte und die Körperverletzungen davongetragen hatte. „Ich fordere eine Bewährungsstrafe von einem Jahr”, so die Staatsanwältin. Die Nebenklagevertreterin für die 42-jährige versuchte zu retten, was noch zu retten ist. „Meine Mandantin war durch die vielen Übergriffe des Angeklagten in akuter Verwirrtheit”, sagte Rechtsanwältin Offermanns.

Auch Strafverteidiger Henning Cwik sieht die Sache so. „Der Ortstermin hat eindeutig ergeben, dass eine Flucht wie von der Zeugin beschrieben unmöglich ist.” Die Körperverletzung und Bedrohung habe stattgefunden, dafür müsse sein Mandant bestraft werden.