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Geilenkirchen: Bewährung nur bei Langzeit-Therapie

Geilenkirchen : Bewährung nur bei Langzeit-Therapie

„Eigentlich wollte ich das nicht tun, ich wollte mit Drogen aufhören, aber das ist eben Sucht.”

So lauteten die letzten Worte eines 25-jährigen Angeklagten vor der Urteilsverkündung am Dienstag vor dem Amtsgericht. Unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Anselm Pütz wurde der Tatvorwurf der illegalen Einfuhr von Heroin in nicht geringer Menge verhandelt.

So gestand der 25-jährige, arbeitslose Dreher aus Eichen im Westerwald, dass er exakt 11,111 Gramm Heroin über die Grenze geschmuggelt habe. Gemeinsam mit einem Komplizen habe er sich am 4. Mai vergangenen Jahres auf dem Weg aus seinem Heimatort in Richtung Heerlen/NL gemacht.

Dort habe er für 240 Euro das Rauschgift gekauft. Beim Grenzübertritt in Scherpenseel wurden sie dann von zwei Polizeibeamten erwischt. Der 25-Jährige versuchte noch, das in einem Tabakdöschen verstaute Rauschgift durchs Autofenster loszuwerden.

Dennoch wurden er und sein Komplize wegen Heroinschmuggels festgenommen. Nach Aussage des Angeklagten war es zu gleichen Teilen für ihn, den Fahrer und einen Bekannten jeweils zum Eigenkonsum bestimmt. Abhängig ist der Mann nach eigenen Angaben „seit einigen Jahren”, zuvor habe er regelmäßig Marihuana konsumiert.

Schnupfen und spritzen

Geschnupft und gespritzt habe er die harten Drogen, zuletzt aber nur noch einmal monatlich. Die Tatzeit fiel in die Pause zwischen einer Entgiftung und einer fest zugesagten Therapie. Die circa 3,5 Gramm pro Person hätten für den 25-Jährigen „ein paar Wochen gereicht”.

Der Wirkstoffgehalt der Heroinzubereitung betrug 20,4 Prozent, umgerechnet 2,266 Gramm Heroinhydorchlorid, was die gesetzlich festgelegte, so genannte nicht geringe Menge von 1,5 Gramm überschreitet. Staatsanwalt Körtgen sah die nicht geringe Menge „nicht so ganz knapp, aber nicht erheblich überschritten”.

Positiv bei der Strafzumessung anzurechnen seien seines Erachtens auch das Geständnis und die Tatgeneigtheit durch Drogenabhängigkeit zu werten. Negativ sei hingegen, dass die Tat während der Bewährungszeit des bereits zweifach einschlägig vorbestraften Mannes begangen wurde. Deshalb forderte er 18 Monate ohne Bewährung.

„Etwas überzogen” fand Verteidiger Reinhard Richert, der um eine milde Strafe bat, um dem Angeklagten die Möglichkeit zu geben, von der Sucht loszukommen. Das Schöffengericht entschied schließlich auf 15 Monate auf Bewährung. „Sie müssen nunmehr alles tun, um jetzt zu entgiften und die Therapie auch anzutreten”, schrieb ihm Richter Anselm Pütz ins Gewissen. Ohne Langzeittherapie sei die Bewährung hinfällig.