Geilenkirchen: Bestattungen: „Wichtig ist, dass auch das Bauchgefühl stimmt“

Geilenkirchen : Bestattungen: „Wichtig ist, dass auch das Bauchgefühl stimmt“

Wie finde ich den richtigen Bestatter? Gütesiegel können bei der Suche helfen, meint Dieter Mirbach, Vorsitzender der Bestatterinnung im Bezirksverband Aachen.

Der Bestatter ist — trotz hoher qualitativer Ansprüche — keine gesicherte Berufsbezeichnung. Wie stehen Sie dazu?

Dieter Mirbach: „Es stimmt, jeder kann sich Bestatter nennen. Das empfinden wir in der Innung als großes Manko. Wir arbeiten daran, dass sich etwas ändert. Schließlich besteht bei mangelnder Kenntnis durchaus eine Gefahr für die Allgemeinheit. Stellen Sie sich vor, ein Bestatter achtet nicht auf ausreichende Hygiene und Desinfektion. Bei einem infektiösen Verstorbenen kann ganz leicht eine große Gefahr entstehen.“

Wie könnte sich das ändern?

Mirbach: Bei der Komplexität des Berufsbildes wünsche ich mir eine dreieinhalbjährige Ausbildung. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass nicht auch eine unausgebildete Kraft den Beruf gut ausüben kann, etwa der Schreiner, der seit Jahrzehnten Beerdigungen organisiert und sorgfältig arbeitet.“

Wie kriegen Sie denn den gewissenhaften Schreiner mit dem gelernten Bestatter unter einen Hut?

Mirbach: Durch Qualitätsstandards, die von einer neutralen Stelle regelmäßig überprüft werden. Es gibt das Markenzeichen der Bestatter, ein gotisches Kirchenfenster mit Sarg davor. Ein Betrieb, der dieses Zeichen trägt, hat sich einem europaweitem Standard verpflichtet, dessen Einhaltung vom TÜV kontrolliert wird.

Gütesiegel sind ja nicht alles. Muss nicht in erster Linie auch die Chemie zwischen Bestatter und Hinterbliebenen stimmen?

Mirbach: Natürlich. Das ist ganz wichtig. Der Bestatter wird ja für eine kurze Zeit ein Mitglied der Familie, die sich gerade in einer Ausnahmesituation befindet. Da ist das Vertrauensverhältnis existenziell wichtig. Ich sage immer gerne, dass neben den Qualitätskriterien auch das Bauchgefühl stimmen muss. Wenn das nicht der Fall ist, ist der ausgewählte Bestatter vielleicht nicht der richtige.

Wie viele Bestatter gibt es denn im Bezirksverband Aachen?

Mirbach: Im Verband sind rund 60 Bestattungsbetriebe in der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Heinsberg, Düren und Euskirchen organisiert. Wir gehen davon aus, dass das rund 80 Prozent aller Bestattungsbetriebe sind.

Wie hat sich der Beruf der Bestatter denn in den letzten Jahren verändert?

Mirbach: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Ich würde sagen, es gibt vor allem den Trend zur Individualisierung. Das Traditionelle gerät in den Hintergrund. Allerdings: Ganz ungewöhnliche Wünsche wie Weltraumbestattungen oder Diamantpressen sind zwar in aller Munde, aber längst nicht die Regel. Solche Dinge machen weniger als ein Prozent der Bestattungen aus.

Wie sieht es mit den Naturbestattungen aus? Warum möchten immer mehr Menschen auf der grünen Wiese bestattet werden?

Mirbach: Es gibt sicher viele naturverbundene Menschen. Aber oft ist es einfach der Wunsch, den Hinterbliebenen nicht zur Last zu fallen. Die Grabpflege entfällt, und es ist kostengünstiger. Und trotzdem gibt es noch genügend Raum für individuelle Wünsche.