Geilenkirchen: Bernward Coers vom St. Ursula geht in den Ruhestand

Geilenkirchen: Bernward Coers vom St. Ursula geht in den Ruhestand

„Guten Morgen, mein Name ist Coers, Coers wie das Bier.“ Dieser Satz ist ein echter Coers. Und leider wird man ihn in Zukunft im Bischöflichen Gymnasium St. Ursula Geilenkirchen nur noch bei sporadischen Besuchen des in Rente gehenden stellvertretenden Schulleiters hören.

Den Begrüßungssatz ihres beliebten Lehrers zitierten seine Schüler bei dessen Verabschiedung vor großem Publikum mit ebenso großem Programm in der Turnhalle des Gymnasiums. Und die Schüler, ehemalige und aktuelle, erzählten noch einiges mehr: Unter anderem, dass alle Mädchen als Bernward Coers an die Schule kam und den Deutschunterricht übernahm, in ihn verknallt waren.

Geburtstag und Abschied

Ein echter Coers war sicherlich auch die Idee, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und seinen Geburtstag und seine Verabschiedung in einem zu feiern. Ein Ständchen der ausgezeichneten Big Band mit Sängerin und der legendären, gehauchten Marilyn-Monroe-Zeile „Happy Birthday Mister (Vize-)President“ gehörte mit zum Festprogramm, das keine Wünsche offen ließ und die ganze Schulgemeinde inklusive Geburtstagskind begeisterte.

„40 Jahre liegen nun hinter dir — mehr als vier Schülerleben an einem Gymnasium“, sagte Schulleiter Jürgen Pallaske in seiner Ansprache zur Verabschiedung von Bernward Coers. Schnell sei Coers Mitglied des Lehrerrates geworden, von den Schülern zum SV-Lehrer und vom Kollegium in die Schulkonferenz gewählt worden.

1996 sei die Ernennung zum Studiendirektor und acht Jahre später die Beauftragung zum ständigen Vertreter des Schulleiters erfolgt. Pallaske: „Das heutige Schulprogramm wäre ohne Bernward Coers nicht denkbar — es ist in weiten Teilen eben auch sein pädagogisches Programm.“

In Bezug auf zwei wichtige Eckpunkte im Leben des Bernward Coers, die Mitmenschlichkeit und Intellektualität, verwies Pallaske auf die Schülerjahre seines Kollegen, der schon auf dem Gymnasium Zitadelle in Jülich eine Amnesty International-Gruppe mit gründete. 45 Jahre später habe er sich in Geilenkirchen der „Initiative Erinnern“ angeschlossen, um das Andenken an die Opfer der nationalsozialistischen Unrechts-Herrschaft wach zu halten.

Faszination für Goethe

Dazwischen habe ein Studium gelegen, das ihm „die Tiefe der deutschen Literatur und Geisteswissenschaft“ erschloss und bei Coers eine Faszination für einen der großen Denker und Poeten der deutschen Literatur, Johann Wolfgang von Goethe, weckte. Jürgen Pallaske: „Es sind die Gedanken hinter dem Werk, es ist die Welt der Goethe‘schen Ideen, die seine Begeisterung und seine intellektuelle Auseinandersetzung hervorrufen und ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen.“

Pallaske weiter: „Aber Größe kann nur vermitteln, wer Größe versteht und besitzt. Das Besondere an Bernward Coers ist, dass er sie nicht selbst zur Schau trägt, sondern sie stets in den Dienst der Sache, der Literatur und der Gedankenwelt stellt.“

Birgit Hanhoff, Abiturjahrgang 1984, erinnerte an den jungen Lehrer Coers, den Schwarm der Mädchen, an seine wohlwollende Empathie, an seinen pädagogischen Mut, Prioritäten zu setzen, der dem Geist von St. Ursula Ausdruck verliehen habe.

Der musikalische Rahmen der Feier konnte auf hohem Niveau von hausinternen Musikern bestritten werden. Blieb nur noch die Frage offen: Wer hat je ein Coers Bier getrunken? Es soll Schüler geben, die noch heute durch die Kneipen ziehen, um dieses Rätsel zu lösen.

Bernward Coers selbst bevorzugt Rotwein. Zwei Jungs der Schülervertretung waren extra losgezogen und hatten eine Flasche italienischen besorgt.