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Geilenkirchen: Beemelmanns und Coenen kommen nicht

Geilenkirchen : Beemelmanns und Coenen kommen nicht

Na sowas: Der ehemalige Bürgermeister Franz Beemelmanns und der SPD-Fraktionschef Heiner Coenen glänzten bei ihrer eigenen Verabschiedung aus dem Rat durch Abwesenheit.

Roswitha Brüss entlockte in Geilenkirchens guter Stube Haus Basten dem Flügel die zauberhaften Töne „Nocturne e-moll” von Frederic Chopin. Die Ratsmitglieder zeigten sich in Feststimmung und erwarteten die Rede von Bürgermeister Andreas Borghorst zur „offiziellen Verabschiedung von Bürgermeister Franz Beemelmanns und der mit Ablauf der Wahlperiode 2004 ausgeschiedenen Stadtverordneten”.

Doch schon die einleitenden Sätze des Ersten Bürgers sorgten wie ein Donnerhall für ungläubiges Erstaunen in der Festgesellschaft. Der ehemalige Bürgermeister Franz Beemelmanns war seiner eigenen Verabschiedung fern geblieben.

Und auch der ausgeschiedene SPD-Fraktionschef Heiner Coenen glänzte lediglich durch Abwesenheit.

Der neu gewählte Rat habe in seiner konstituierenden Sitzung einstimmig beschlossen, den ehemaligen Bürgermeister Franz Beemelmanns mit einer der höchsten Auszeichnungen, dem Ehrenring, auszuzeichnen, erklärte Borghorst.

Ebenso einstimmig sei der Beschluss erfolgt, den langjährigen Stadtverordneten Heiner Coenen zum Ehrenstadtverordneten zu ernennen.

„Herr Coenen teilte im Vorfeld schriftlich mit, dass er nicht an einer gemeinsamen Verabschiedung mit dem ehemaligen Bürgermeister interessiert sei, und bat mich, ihn heute zu entschuldigen”, sagte Borghorst. Raunen im Festsaal.

„Herr Beemelmanns informierte am Montagnachmittag am Rande einer eher zufälligen Zusammenkunft Herrn Beigeordneten Brunen darüber, dass er für die vorgesehene Ehrung heute Abend nicht zur Verfügung stehe”, erklärte Borghorst weiter. Ungläubige Blicke der Anwesenden.

„Die Wertung dieser Fakten bleibt jedem Einzelnen von Ihnen und vor allem jedem einzelnen Bürger unserer Stadt vorbehalten”, so Borghorst weiter, der dennoch guten Grund zu dieser Feierstunde hatte.

Immerhin können die nach Ablauf der letzten Wahlperiode ausscheidenden Ratsmitglieder auf insgesamt 143 Jahre Ratsarbeit für die Stadt Geilenkirchen zurückblicken.

„Jeder Einzelne von Ihnen hat es verdient, dass die Stadt, ihre Repräsentanten und ihre Bürgerschaft Ihnen gegenüber Dankbarkeit empfinden und auch gebührend zum Ausdruck bringen”, sagte der Bürgermeister und betonte: „Sie haben über zum Teil viele Jahre hinweg neben Ihrem oft anstrengenden Beruf wesentliche Teile Ihrer knappen Freizeit geopfert, um Ihre Erfahrungen zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger einzubringen.”

Dies sei oft kein Zuckerschlecken, sondern harte Arbeit, zähes Ringen um den richtigen Weg und oft von persönlichen Angriffen begleitet.

Kommunalpolitik sei keine Politik im Kleinen, sondern habe im politischen Leben ein großes Gewicht. „Die Entscheidungen, die ein Stadtrat fällt, betreffen Familien und kulturelle Einrichtungen ebenso wie ortsansässige Geschäfte und Betriebe. Sie haben für die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar spür- und sichtbare Auswirkungen.”

Vertrauen gesichert

Wofür in einer Kommune Geld ausgegeben werde und wofür keine Mittel mehr vorhanden seien, das werde jedem Einzelnen oft schmerzlich deutlich. „Es spricht für jeden von Ihnen, dass Sie trotz aller Hindernisse nie aufgegeben und viele Jahre Ihres Lebens der Kommunalpolitik und damit Ihrer Heimatstadt gewidmet haben.”

Vor dem ausgezeichnet dargebotenen Russischen Zigeunerlied, von Roswitha Brüss am Flügel und Diana Erdem an der Querflöte präsentiert, nahm Borghorst nicht nur die Ehrungen vor, sondern fand auch die passenden Worte zu jedem ausscheidenden Ratsmitglied.

Besonders hob er die Arbeit von Rolf Justen hervor, der mit dem Ehrenring ausgezeichnet wurde. „Insgesamt 35 Jahre lang hat Herr Justen die Geschicke der Stadt Geilenkirchen mitgestaltet und -geprägt.”

Besonderes Ansehen habe sich Justen über 20 Jahre als stellvertretender Bürgermeister erworben. „Mit der Ihnen eigenen Art aus Bescheidenheit und selbstbewusstem Auftreten, aus geduldigem Zuhören und, wenn´s nötig war, aber auch nur dann, energischer Wortmeldung haben Sie es verstanden, das Vertrauen der Bürger quer über alle Parteien und sonstigen Gruppierungen zu sichern.”