Test des Nahverkehrs: Bahnhöfe bei Geilenkirchen sind akzeptabel, aber dreckig

Test des Nahverkehrs : Bahnhöfe bei Geilenkirchen sind akzeptabel, aber dreckig

Wenn der Zug mal wieder Verspätung hat, bleibt meist nichts anderes als Warten. Manchmal sind es Minuten, manchmal sind es Stunden — und wo verbringt man diese Zeit? Genau, am Bahnhof. Daher ist es nicht irrelevant, wie unsere Bahnhöfe aussehen und in welchem Zustand sie sind.

Jährlich überprüft der Nahverkehr Rheinland (NVR) die Qualität der Bahnhöfe seiner Verkehrsgebiete. Der NVR arbeitet unabhängig vom Besitzer der Bahnhöfe, der Deutschen Bahn. Das aktuelle Ergebnis für Geilenkirchen, Lindern und Übach-Palenberg kann sich sehen lassen.

Bereits zum fünften Mal wurde die Qualität von 199 Bahnhöfen im Nahverkehr Rheinland bewertet. Dabei werden die Kriterien Barrierefreiheit, Information, Komfort, Sauberkeit, Sicherheit, Vertrieb und der Zustand des Bodens berücksichtigt. Aus dem Bericht für 2017, der vor kurzem veröffentlicht wurde, geht hervor, dass sich die Bahnhöfe Geilenkirchen, Lindern und Übach-Palenberg insgesamt alle verbessert haben.

Das zeigt der Blick auf das Gesamtergebnis: Rund 92 Prozent der Ausstattungsmerkmale kann der Bahnhof Geilenkirchen vorweisen, in Lindern sind es sogar 93 Prozent. Beide Werte sind im Vergleich zu 2016 um über fünf Prozent gestiegen. Damit liegen die Bahnhöfe nicht mehr länger im „noch akzeptablen Bereich“, sondern gelten laut Stationsbericht als „akzeptabel“.

Erneuerungsbedarf hat die Beschilderung am Bahnhof Übach-Palenberg. Foto: Laura Laermann

Anders sieht das beim Bahnhof Übach-Palenberg aus, der nur etwa 88 Prozent der Kriterien erfüllt, im Vorjahr waren es 83,68 Prozent. Dies könnte sich aber noch in diesem Jahr ändern. Denn im Zuge aktueller Baumaßnahmen für den künftigen Rhein-Ruhr-Express (RRX) zwischen Aachen und Düsseldorf werden die drei Stationen modernisiert.

Bahnhof Geilenkirchen (91,69)

Am Bahnhof Geilenkirchen sind die Arbeiten in vollem Gange. Einiges wurde schon erneuert, an anderer Stelle wird gerade gebohrt und gebuddelt. Auf den ersten Blick macht die Station einen gepflegten Eindruck. Neue Sitzgelegenheiten und Abfallbehälter sind bereits vorhanden. Allerdings liegt im Zugangsbereich zu den Gleisen jede Menge Müll herum.

In Lindern wurden neue Blindenstreifen und Aufmerksamkeitsfelder in den Boden integriert. Dieses hat allerdings schon eine Ecke weg. Foto: Laura Laermann

Die im Bericht bemängelten Aufmerksamkeitsfelder für blinde und sehbehinderte Menschen wurden ebenfalls neu angelegt. Gleiches soll für das Wegeleitsystem gelten, das bei der Bewertung des NVR auch weniger gut abschnitt. Außerdem verfügt der Bahnhof Geilenkirchen weder über eine Notrufsäule noch über einen Aufzug. Das soll sich ändern, so dass auch Rollstuhlfahrer problemlos zum Zug kommen. Das gesamte Treppenhaus soll saniert werden.

Viel Service für Fahrgäste bietet in Geilenkirchen auch das anliegende Bahnhofsgebäude, in dem neben Bäcker und Schnellrestaurant auch ein Reisezentrum ansässig ist.

Bahnhof Lindern (93,06)

Bei allen Stationen, an denen künftig der RRX hält, werden die Bahnsteige auf eine Länge von 220 Metern gebracht, damit der barrierefreie Einstieg in den Zug möglich ist. Daher laufen auch die Bauarbeiten am Bahnhof Lindern auf Hochtouren, die Steige müssen dort sogar um 76 Zentimeter erhöht werden.

Es gibt noch einiges zu tun: Am Bahnhof Geilenkirchen laufen die Bauarbeiten auf Hochtouren, denn die Bahnsteige müssen für den Rhein-Ruhr-Express auf 220 Meter Länge gebracht werden. Foto: Laura Laermann

Des Weiteren werden die Besucher dort bald zwei neue Aufzüge erwarten. Laut Stationsbericht hatte diese Station nämlich noch viel Aufholbedarf in Sachen Barrierefreiheit. So wurden die Kriterien „Blindenstreifen“ und „Aufmerksamkeitsfelder“ als „nicht akzeptabel“ bewertet. Beide Elemente wurden nun endlich in den Boden integriert. Außerdem kündigt die Deutsche Bahn zwei neue Wetterschutzhäuser für diesen Bahnhof an.

Bei einem Besuch des Bahnhofs fällt außerdem auf, dass das aktuelle Wetterschutzhäuschen stark verschmutzt ist, auch nicht besonders ansehnlich ist die mit Graffiti beschmierte Personenunterführung; auch diese soll modernisiert werden. Und: Die Fahrgastinformation zeigt derzeit nicht einmal die Uhrzeit an. Im Stationsbericht wird außerdem die fehlende Videokamera bemängelt.

Bahnhof Übach-Palenberg (88,31)

Erneuerungsbedarf hat die Vitrine. Foto: Laura Laermann

Und Übach-Palenberg? Der Bahnhof, der es am dringendsten nötig hätte, erhält am wenigsten Auffrischungskur im Zuge der Bauarbeiten. Dort wurden die Bahnsteige bereits verlängert. Von den drei geplanten neuen Wetterschutzhäuschen ist aber noch nichts zu sehen.

Auch ist unklar, ob sich etwas an der schlechten Beschilderung des Bahnhofs ändern wird, die auch im NVR-Bericht bemängelt wird. Teilweise sind die Schilder kaum lesbar, weil sie verschmutzt oder voller Graffiti sind. Auch die Vitrinen, in denen die Fahrpläne hängen, machen keinen guten Eindruck. Die Vitrine auf Gleis 2 ist offenbar Vandalismus zum Opfer gefallen, da das Glas zertrümmert und angekokelt ist. Trotz vieler Abfalleimer liegt zudem viel Müll unter den Bänken in einem Unterstand.

Positiv ist in Übach-Palenberg, dass der Bahnhof barrierefrei ist und beide Bahnsteige über flache Rampen erreichbar sind, auch wenn dieser Weg sich in die Länge zieht. Zudem konnte die Station im Bericht des NVR mit Blindenstreifen und Aufmerksamkeitsfeldern punkten. Eine Notrufsäule war allerdings nirgends zu entdecken.

Was sich aber für alle Bahnhöfe sagen lässt — und auch das ist nicht an jedem Bahnhof der Fall: Die Fahrkartenautomaten funktionieren, und Fahrpläne sind vorhanden. Über die bewerteten Kriterien des Stationsberichts hinaus kann man festhalten, dass die Besucher an allen drei Bahnhöfen kostenlose Parkplätze nutzen können.

Von den ingesamt 199 untersuchten Stationen des NVR wurden 153 Stationen als „akzeptabel“ bewertet, 38 als „noch akzeptabel“ und acht als „nicht akzeptabel“. Ziel des jährlichen Stationsberichts ist, Mängel an den Bahnhöfen festzustellen und dauerhaft zu beseitigen. Besonders im Bereich der Barrierefreiheit muss noch einiges getan werden: Nur 80 Prozent der Stationen waren 2017 stufenfrei.

Dabei stand im vergangenen Jahr bei den Verbesserungsmaßnahmen die barrierefreie Ausstattung im Vordergrund. Immerhin wurden an 125 Stationen 490 Sitzbänke aufgestellt und an 105 Stationen 1100 taktile Schilder mit Braille- und Prismenschrift an Handläufen installiert.